Unlösbare Fragen:Räder oder Türen?

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Unlösbare Fragen: Türen oder Räder? Von beiden gibt es ziemlich viele auf der Welt.

Türen oder Räder? Von beiden gibt es ziemlich viele auf der Welt.

(Foto: imago (2); Bearbeitung: SZ)

Auf Twitter fragt ein Neuseeländer, ob es mehr Türen oder mehr Räder auf der Welt gibt - und löst dabei ein ganz anderes unlösbares Rätsel.

Von Anna Fischhaber

Das Leben ist von Anfang bis Ende ein Rätsel. Es beginnt damit, dass der Mensch nicht weiß, wie das Universum entstanden ist, und endet mit der Frage, was nach dem Tod passiert. Zum Glück hat er irgendwann das Internet erfunden, sodass er heute rätselhaft lange über solche Fragen diskutieren kann.

Zwei Wochen ist es her, dass der Neuseeländer Ryan Nixon auf Twitter folgende Frage stellte: "Glaubst du, dass es mehr Türen oder mehr Räder in der Welt gibt?" Es war ein Samstagabend, Nixon, 37, aus Auckland, schaute daheim eine Sportsendung, als ein Freund die Frage im Gruppenchat postete, hat er gerade dem Guardian erzählt. Nixon veröffentlichte sie als Umfrage für seine damals noch weniger als 1500 Twitter-Follower. "Meine Kumpels und ich haben die dümmste Debatte", schrieb er dazu.

Normalerweise freut sich der Rugby-Funktionär, wenn seine Posts überhaupt eine Reaktion hervorrufen, in diesem Fall aber gaben am Ende 223 347 Menschen ihre Stimme ab. Einen Sieger gab es auch, 53,6 Prozent der Teilnehmenden glauben, dass es mehr Räder als Türen gibt. Die eigentliche Frage, die Nixon aufgeworfen hat, ist aber doch die: Warum beschäftigt sich der Mensch überhaupt so leidenschaftlich mit einigermaßen sinnlosen Fragestellungen?

Im Internet kursieren zahllose Fragen, auf die es keine Antwort gibt, wobei manche sicher tiefgründiger sind (Welche Farbe hatten die Dinosaurier?) als andere (Wie kommt ein Rasen-Betreten-Verbotsschild mitten auf einen Rasen?). Oft verraten solche Rätsel viel über die Fragestellerin und noch mehr über den Antwortgeber, das haben Personaler, die regelmäßig Bewerbungsgespräche führen, längst verinnerlicht. Im sehr lustigen Kinderbuch "Was war zuerst da?" zum Beispiel beantwortet der selbstbewusste Gockel die Frage aller Fragen, "Henne oder Ei?", mit: "Der Hahn."

Adventskalender gegen Schiebetüren

Auch beim Räder-Türen-Rätsel gibt es natürlich kein Richtig oder Falsch, sondern nur die Möglichkeit, sich für die eine oder andere Seite zu entscheiden und das möglichst gut zu begründen. Viele User stellten deshalb komplizierte Hochrechnungen an, einer argumentierte, dass ein Rad zwar eine Tür sein könne, eine Tür aber niemals ein Rad, eine Frau brachte das Argument Adventskalender. Auch Nixon selbst favorisierte zunächst die Türen, wie er im Guardian erzählte, wechselte aber später zum "Team Räder". "Die Leute haben auf Bürostühle und Trolleys und Räder in ihren Schubladen, an Schiebetüren und an Spielzeug hingewiesen."

Young man lifting bicycle while standing in front of door on footpath model released Symbolfoto ASGF00240

Ein Rad hat zwei Räder, ein Auto manchmal auch mehr Türen als Reifen.

(Foto: imago images/Westend61)

Nun ist Twitter nicht gerade ein Hort der Sachlichkeit, aber womöglich ziehen unbeantwortbare Fragen ja gerade deshalb die Massen an: weil keiner und jeder gewissermaßen Experte für sie ist. 2015 spaltete das Foto eines Kleids die Twitter-Welt, unter #thedress stritten Julianne Moore, Justin Bieber und Millionen andere, ob es blau-schwarz sei (natürlich!) oder weiß-gold (solche Optimisten!), was offenbar damit zu tun hatte, dass der Sehsinn unterschwellig von bestimmten Beleuchtungsbedingungen ausgeht.

Ähnlich erfolgreich war die Frage, ob eine Hose für einen Hund dessen Hinter- oder Unterseite bedecken müsse, wobei die Frage eher lauten muss, ob es Hundehosen überhaupt braucht. Ein Rätsel bleibt dagegen, warum die wirklich wichtigen Rätsel ständig ungelöst bleiben - zum Beispiel warum bald alle Corona-Beschränkungen fallen, wenn die Inzidenzzahlen doch gleichzeitig immer neue Rekorde brechen.

Fragesteller Nixon hat eine ganz eigene Theorie, warum sein Post so viele Reaktionen hervorgerufen hat. Das Internet, glaubt er, biete nämlich nicht nur eine Plattform für sinnlose Debatten, sondern beende eigentlich spannende Diskussionen oft auch viel zu schnell: Einmal bei Google gucken, und schon ist klar, wer recht hat. Da hilft eben nur eine Debatte über eine Frage, auf die es nie eine Antwort geben wird. Zumindest dieses Rätsel ist also gelöst.

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