Waldbrände in der Türkei:Flammen erfassen ein Kohlekraftwerk

Die Brände in der Türkei wüten weiter, die Generalstaatsanwaltschaft ermittelt wegen Bitten um internationale Hilfe. In Griechenland sind die antiken Stätten von Olympia vor den Flammen gerettet. Vorerst.

Die seit Tagen tobenden Feuer an der türkischen Mittelmeerküste haben sich weiter ausgebreitet. Nahe Milas in der Provinz Muğla im Südwesten des Landes haben die Flammen ein Kohlekraftwerk erfasst, wie der Bürgermeister der Stadt auf Twitter mitteilte. Das Kraftwerk sei vollständig geräumt worden. Umweltaktivisten warnten, die Kohlevorräte könnten sich entzünden und giftige Gase freisetzen. Die Nachrichtenagentur Demirören berichtete, vorsorglich seien Tanks mit entflammbaren Flüssigkeiten auf dem Kraftwerksgelände geleert worden.

Derart große Brände habe es in der Türkei seit mehr als zehn Jahren nicht gegeben, sagte Doğanay Tolunay, Forstingenieur an der Istanbul-Universität. Die Zahl der jährlichen Waldbrände in der Türkei habe sich seit den achtziger Jahren mehr als verdoppelt. Dass Brände verstärkt auftreten würden, sei klar gewesen, das Land habe sich aber nicht vorbereitet.

Präsident Recep Tayyip Erdoğan spricht von den schlimmsten Waldbränden in der Geschichte des Landes. Gleichzeitig hat die türkische Generalstaatsanwaltschaft wegen einer Kampagne in den sozialen Medien, die um internationale Unterstützung bei den Waldbränden bittet, Ermittlungen eingeleitet. Unter anderem werde wegen "Erzeugung von Sorge, Angst und Panik" in der Bevölkerung und Anstiftung des Volkes zu Hass und Feindschaft ermittelt, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Untersuchungen gebe es auch wegen des Vorwurfs der Beamtenbeleidigung, Beleidigung des Präsidenten und Herabwürdigung des türkischen Staates.

Angesichts der verheerenden Brände hatten Nutzer auf Twitter und Instagram in den vergangenen Tagen unter dem Hashtag #HelpTurkey um internationale Hilfe gebeten. Seit Beginn der Brände vergangene Woche wird immer wieder Kritik an der Ausstattung der Einsatzkräfte laut. Erdoğan wies am Mittwochabend in einem Interview erneut Vorwürfe zurück und warf der Opposition vor, "Lügen-Terror" zu verbreiten. Er sagte, inzwischen seien 20 Löschflugzeuge und 51 Helikopter im Einsatz. Unterstützung kommt nach offiziellen Angaben aus Kroatien, Spanien, der Ukraine, Russland, Iran und Aserbaidschan.

Waldbrände in der Türkei

Bei Manavgat in der Provinz Antalya kämpfen Feuerwehrleute gegen einen Flächenbrand. Die Feuer an der türkischen Mittelmeerküste halten Einsatzkräfte und Bevölkerung weiter in Atem.

(Foto: -/dpa)

Auch der Brand im Kohlekraftwerk ist nach offiziellen Angaben inzwischen unter Kontrolle. In der Nacht waren zahlreiche Ortschaften in der Region evakuiert worden. Unter anderem wurden Menschen mithilfe der Marine über das Meer in Sicherheit gebracht. Die Brände in der Türkei wüten aber weiter. Besonders betroffen sind die Provinzen Antalya und Muğla. Bisher kamen acht Menschen im Zusammenhang mit den Bränden ums Leben.

Antike Stätten von Olympia vorerst vor Flammen gerettet

Auch in Griechenland brennt es immer noch. Aber es gibt auch gute Nachrichten: Der Großbrand nahe Olympia wurde in der Nacht zum Donnerstag eingedämmt - kurz bevor die Flammen die antike Stätte in Griechenland erreichen konnten. "Die Stätte ist vorerst gerettet", sagte der Gouverneur der Region Westgriechenland. Er warnte jedoch: "Die Gefahr ist nicht vorbei." Zu hoffen sei, dass der Brand mithilfe von Hubschraubern und Löschflugzeugen in den kommenden Stunden unter Kontrolle gebracht werde.

Waldbrände in Griechenland

Ein Waldbrand näherte sich dem antiken Olympia. Nun ist er vorerst unter Kontrolle.

(Foto: Giannis Spyrounis/dpa)

In ganz Griechenland herrscht seit Monaten Dürre, zudem erreichen die Temperaturen seit zehn Tagen teils Werte von 40 bis 47 Grad. So kann schon ein Funken reichen, um zerstörerische Großbrände auszulösen. "Uns stehen noch schwierige Tage bevor", sagte der Chef des Zivilschutzes, Nikos Chardalias, am Mittwochabend nach einer Krisensitzung mit der Feuerwehrführung. Die ganze Nacht kämpften Feuerwehrkräfte und freiwillige Helfer rund um Olympia gegen die Flammen. "Wir tun alles Menschenmögliche, um Olympia zu retten", sagte Kulturministerin Lina Mendoni.

Rund um die antike Stätte und das Stadion von Olympia hatten Einheiten der Feuerwehr und der lokalen Behörden eine letzte Verteidigungslinie gegen die Flammen gebildet. Am frühen Donnerstagmorgen lenkte eine leichte Brise die Flammen weg von Olympia, wie Reporter vor Ort berichteten. Schwere Brände tobten am Donnerstagmorgen aber auch auf der Insel Euböa nördlich von Athen und in zahlreichen Regionen der Halbinsel Peloponnes. An Euböas Küste mussten nahe der Ortschaft Rovies Dutzende Menschen mit Booten in Sicherheit gebracht werden. Zahlreiche Häuser wurden zerstört, mehrere Dörfer evakuiert.

© SZ/Reuters/dpa/olkl/afis
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