Hitzewelle:Heftige Waldbrände am Mittelmeer

Wildfire at Le Capannine beach in Catania, Sicily

Vom Feuer zerstört: Der Beachclub Le Capannine in Catania, Sizilien.

(Foto: Roberto Viglianisi/REUTERS)

In Italien, Griechenland und der Türkei haben Feuerwehr und Behörden die größte Mühe, Hunderte Großfeuer unter Kontrolle zu bringen.

Von Tomas Avenarius, Istanbul

Eine Hitzewelle sowie massive Waldbrände und Buschfeuer bedrohen große Teile des östlichen Mittelmeerraumes. Zu den betroffenen Gebieten gehören Urlaubszentren. Besonders groß sind die Feuerschäden in Italien, Griechenland und der Türkei. In Süditalien, wo die Temperatur lange um die 40 Grad lag, wüteten am Wochenende mehr als 800 Großfeuer. Besonders schwierig war die Lage auf den Inseln Sizilien und Sardinien sowie in Apulien, Kalabrien und Kampanien. Auf Sizilien mussten 150 Menschen mit Schlauchbooten gerettet und auf Schiffe der Küstenwache gebracht werden. Besonders heftig brannte es rund um die Stadt Catania. Der Vulkan Ätna, an dessen Fuß die Stadt liegt, brach zudem mit mehreren kleineren Eruptionen aus. Im Westen der Insel Sardinien verbrannten schon mindestens 20 000 Hektar Land, 1500 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden.

In Griechenland ist vor allem die Halbinsel Peloponnes betroffen. Innerhalb nur eines Tages flammten dort 50 neue Brände auf, ganze Dörfer und einzelne Hotels mussten geräumt werden. Die Temperaturen im Land stiegen auf bis zu 45 Grad. Todesopfer gab es bisher keine.

In der Türkei hingegen starben mindestens sechs Menschen in den Brandgebieten an der Ägais- und der Mittelmeerküste. Besonders betroffen war die unter Touristen populäre Urlaubsregion Antalya, wo Hotels und Ressorts evakuiert werden mussten. Teilweise geschah dies mit Schiffen der Küstenwache oder mit Privatbooten und Jachten vom Strandstreifen vor den Hotels aus. Auch im Ägäis-Urlaubsort Bodrum wurden Gäste aus ihren Unterkünften in Sicherheit gebracht. In den türkischen Katastrophengebieten mussten ganze Dörfer geräumt werden, der Vieh- und Wildbestand wurde dezimiert, die Felder zerstört.

Es sind die schwersten Waldbrände in der Türkei seit Jahren. Zeitweise brannte es in 17 Gouvernements. Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan rief für die am härtesten betroffenen Gebiete den Katastrophenfall aus. Er versprach den Einwohnern rasche und großzügige Wiederaufbauhilfen. Doch der Zorn der Bevölkerung wächst: Den Behörden werden mangelhaftes Krisenmanagement und fehlende Vorsorge vorgehalten. Diese wiederum lasten die Feuer kurdischen Separatisten und dem Nachbarland Griechenland als "Sabotage" an, liefern aber keine Belege für die Vorwürfe.

Besonders erregt hat den Zorn der Türken in den sozialen Medien, dass das Land derzeit keine eigenen Löschflugzeuge hat, sondern solche Spezialmaschinen bei Bedarf in Russland, Aserbaidschan oder der Ukraine ausleiht. Die THK, die früher als leistungsfähig bekannte Organisation der türkischen Feuerlöschfliegerei, war von der Regierung in den letzten Jahren vernachlässigt worden. Gleichzeitig stehen allein dem Staatspräsidenten Medienberichten zufolge 13 moderne Flugzeuge zur Verfügung.

Nachdem Erdoğan die Kritik anfangs heruntergespielt hatte, flog er am Samstag in die Krisengebiete von Manavgat bei Antalya und nach Marmaris. Sein Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu, der seinen Wahlkreis in Antalya hat, war von der Bevölkerung bei einem Krisenbesuch niedergebrüllt worden.

© SZ
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