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Tsunami-Gefahr im Indischen Ozean:Alarmsysteme warnen zuverlässig

Nach der Tsunami-Entwarnung ist es die zweite gute Nachricht: Die Alarmsysteme, die Beben messen und vor Tsunamis warnen, haben ausgezeichnet funktioniert. Schon nach einer Viertelstunde wurden die Strände der thailändischen Insel Phuket evakuiert.

Die gute Nachricht des Tages für Indonesien: Die befürchteten Tsunamis nach zwei schweren Beben im Indischen Ozean sind ausgeblieben. Es gibt allerdings auch noch eine zweite: Die Warnsysteme im Indischen Ozean haben ausgezeichnet funktioniert. "Eine Viertelstunde nach dem Beben sind Feuerwehrautos, Polizeiautos, Krankenwagen vorgefahren - sie alle sind mit Lautsprechern über die ganzen Strände gefahren", berichtet Andrea Hinrichs, die als Tauchlehrerin auf der thailändischen Insel Phuket arbeitet. "Sie haben alle Touristen von den Stränden geholt, in Autos verfrachtet und in die Berge gefahren."

Tsunami alert following a powerful earthquake off Indonesia coast

Bis nach Indien waren die Erschütterungen durch zwei schwere Beben vor Indonesien zu spüren gewesen. Die Tsunami-Alarmsysteme in der Region haben gut funktioniert.

(Foto: dpa)

Auch in Indonesien, in dessen Küstengewässern sich die beiden schweren Beben am Nachmittag ereigneten, funktionierten die Alarmsysteme. Viele von ihnen wurden erst nach dem verheerenden Tsunami von 2004 installiert. "Das Unglück damals war der große Schreckschuss. Heute ist das Land in einem ganz anderen Zustand", sagt Erhard Bauer vom Deutschen Roten Kreuz, der die Geschehnisse von der indonesischen Hauptstadt Jakarta aus verfolgte. "Bis 2004 hatte die indonesische Regierung die Katastrophenvorsorge völlig vernachlässigt." Erst nachträglich sei eine Katastrophenbehörde gegründet worden.

Indonesien arbeitet mit dem deutschen Frühwarnsystem GITEWS (German Indonesian Tsunami Early Warning System), das vom Geoforschungszentrum Potsdam entwickelt wurde und auf langestützten Sensorsystemen beruht. Es ist seit einem Jahr in Betrieb und verbindet seismische Messungen und GPS-Daten, was eine sehr exakte Vorhersage ermöglicht. Eine weitere - allerdings recht unzuverlässige - Frühwarnmöglichkeit besteht im Einsatz von Messbojen, die Daten über Wasserstand und Wellenbewegungen übermitteln.

DRK-Mitarbeiter Bauer hält allerdings eine umfassendere Vorbereitung der Bevölkerung für notwendig. "Dabei geht es nicht nur um entsprechende Evakuierungsübungen, sondern auch die psychologische Betreuung", sagt der Entwicklungshelfer. "Die Traumata von 2004 sind noch nicht verarbeitet. Deshalb kommt es in Ausnahmezuständen zu Panikreaktionen - so auch dieses Mal." Die befürchteten Tsunamis blieben jedoch aus - und in allen Ländern am Indischen Ozean atmeten die Menschen auf.

Systeme, die vor Tsunamis warnen, gibt es seit den 1950er Jahren. Im Pazifik wurden damals erste Messeinrichtungen am Meeresboden installiert, die die seismischen Daten an eine zentrale Stelle auf Hawaii schicken, das Pazifische Tsunami-Warnzentrum. Frühwarnsysteme, die auf Bewegungen des Meeresbodens basieren, haben den Vorteil, dass Tsunamis im Moment ihres Entstehens wahrgenommen und berechnet werden können.

© Süddeutsche.de/dpa/dapd/leja/infu/holz
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