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Tschechien:Der Vorwurf: Betrug und Steuerhinterziehung

Auch Radovan Krejcir war durch die Kupon-Privatisierung zum Multimillionär geworden. Jahrelang hielt er die tschechische Polizei und die Öffentlichkeit zum Narren. 2006 war der 36-Jährige bei einer Razzia in seiner Luxusvilla bei Prag geflohen und später auf den Seychellen aufgetaucht. Von dort drohte er in Interviews mit Enthüllungen, die auch die tschechische Politik erschüttern würden.

Es folgte jedoch nichts, Krejcir tauchte in Südafrika unter, wo er verhaftet, aber nicht an Tschechien ausgeliefert wurde. In der Heimat wird ihm vorgeworfen, in großem Stil Betrug begangen und Steuern hinterzogen zu haben. Außerdem soll er den Auftrag zum Mord an einem Zollbeamten erteilt haben, der gegen ihn in einem Prozess als Kronzeuge aussagen sollte. Auch andere Belastungszeugen in seinem Umfeld kamen auf rätselhafte Weise ums Leben. Zuletzt erregte Krejcir in Südafrika Aufsehen, weil der dort ermordete deutsche Autotuner Uwe Gemballa aus Stuttgart offenbar mit ihm in engen geschäftlichen Kontakten stand und sich mit ihm zerstritten hatte.

Wie lange es Krejcir und Kozeny gelingt, der tschechischen Justiz eine Nase zu drehen, ist offen. Im Fall des dritten Flüchtlings Tomas Pitr hingegen dürfen die Ermittler bald auf eine Auslieferung hoffen. Vier Jahre lang war der Selfmade-Man, der im Lebensmittel- und Ölgeschäft tätig war, im Ausland abgetaucht, ehe ihn im Juni vorigen Jahres die Schweizer Polizei auf einen Tipp der tschechischen Kollegen hin in einem Luxushotel in St. Moritz verhaftete. Ein Auslieferungsverfahren läuft, und kurz vor Weihnachten willigte die Schweizer Justiz ein, den Gesuchten nach Prag zu überstellen. Pitr kann und will dagegen noch letzte Rechtsmittel einlegen, doch das dürfte ihm nicht viel helfen.

Auf Jahre hin wird er also womöglich hinter Gittern bleiben. Wegen Steuerbetrugs hatte ihn schon vor Jahren ein Prager Gericht zu fünf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, ein weiterer Betrugsfall beim Handel mit Firmenanteilen brachte ihm 2010 weitere sechs Jahre ein. Pitrs Unternehmen indes sind weiter aktiv.