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Afrika:Kreditrückzahlung per Kuhherde

Eine Kuh hat für den Tschad einen Wert von 1333 Dollar.

(Foto: AFP)

Tschad zahlt einen 100-Millionen-Dollar-Kredit an Angola zurück - aber nicht mit Geld, sondern mit 75 000 Rindern.

Es war ein weiter Weg für die 1000 Kühe und Ochsen, die vor einigen Tagen am Hafen der angolanischen Hauptstadt Luanda ankamen. Normalerweise legen hier vor allem große Tanker an, die mit Rohöl befüllt werden. Diesmal aber machte ein Transportschiff voller Kühe fest, die aus Tschad kommen, einem Land, das selbst keinen Zugang zum Meer hat. Also musste die Herde viele Hundert Kilometer nach Nigeria getrieben werden, wo sie dann das Schiff bestieg.

Angolanische Staatsmedien feierten die Ankunft nach langer Reise, die die Tiere offenbar in gutem Zustand hinter sich gebracht hatten. Weitere Schiffe werden folgen, denn die 1000 Tiere waren nur die erste Rate einer ungewöhnlichen Finanztransaktion: Die tschadische Regierung zahlt in dieser Form einen Kredit über 100 Millionen US-Dollar zurück, der ihr 2017 gewährt wurde.

Aus Sicht der beiden Partner hat der ungewöhnliche Deal nur Vorteile. Tschad hat wenig Devisen und einen überschaubaren Haushalt, dafür aber sehr viele Kühe, knapp 100 Millionen Rinder sollen es sein, bei einer Bevölkerung von 14 Millionen Einwohnern. Die Tiere machen etwa ein Drittel der Exporte des Landes aus. Angola auf der anderen Seite hat riesige Weideflächen, aber nach Jahren wiederholter Dürre kaum noch Tiere, weshalb es dem Tausch zustimmte.

Ein Rind = 1333 Dollar

Über eine Dauer von zehn Jahren sollen 75 000 Tiere von Tschad nach Angola wechseln, ein Tier hat damit einen Wert von 1333 Dollar. Für Tschad ist das ein ziemlich guter Preis, auf den Viehmärkten des zentralafrikanischen Landes kostet ein Tier zwischen 400 und 1000 Dollar. Für Angola ist es wohl dennoch billiger, als die teuren Tiere aus Südafrika oder Namibia zu importieren.

Der Kuhhandel mag aus europäischer Sicht ungewöhnlich erscheinen, aus afrikanischer ist er es nicht. Kühe und andere Tiere sind in vielen Gesellschaften nichts anderes als eine Währung, die zudem noch stabiler ist als die offizielle. Mit Kühen wird die Mitgift für Heiraten bezahlt, sie dienen als Altersvorsorge und bestimmen die Stellung in der Gesellschaft. Nur gegessen werden sie selten, sie sind viel zu wertvoll.

Viele Menschen in Tschad leben als Nomaden oder Halbnomaden, aber auch die, die in den Städten sesshaft geworden sind, halten sich ein paar Tiere. In den vergangenen Jahren ist das Leben der Viehzüchter schwieriger geworden, es kommt immer wieder zu Konflikten um Land, das auch Farmer für sich beanspruchen. Nicht selten enden diese tödlich.

© SZ/nas
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