Trinkgeld Stimmt so!

Ja, wer wird denn darüber schon twittern? Amy Schumer hat 1000 Dollar Trinkgeld verschenkt.

(Foto: Capital Pictures)

Wer wenig Trinkgeld gibt, gilt als geizig. Das hat sich wohl auch Amy Schumer gedacht. Die amerikanische Komikerin schenkte einer Tresenkraft 1000 Dollar.

Von Verena Mayer

Wie ein Mensch wirklich ist, zeigt sich auch daran, wie er Leute behandelt, die er im Leben nicht zweimal sehen wird. Also Taxifahrer, Reinigungspersonal oder Servicekräfte. Insofern scheint die amerikanische Schauspielerin und Komikerin Amy Schumer eine wirklich nette Person zu sein. Als sie neulich in einer New Yorker Bar war, hat sie auf ihre Rechnung, die 77 Dollar betrug, 1000 Dollar draufgeschlagen. Trinkgeld, einfach so. Wir wissen das, weil die Tresenkraft, kaum dass Schumer "Stimmt schon" sagen konnte, ein Foto der Rechnung im Netz veröffentlichte. Damit war die Welt informiert. Auch das SZ-Panorama verbreitete die Meldung. Wobei das mit dem Trinkgeld an sich eine heikle Sache ist. Gibt man zu wenig, ist man geizig, gibt man zu viel, gilt man als herablassend. Bei Stars kommt hinzu, dass sie jeden Drink praktisch vor Publikum bezahlen, was dazu geführt hat, dass Trinkgeld-Geschichten berühmter Menschen mittlerweile eine eigene Textgattung sind. Dabei dominieren zwei Narrative: Die einen schmeißen mit Geld um sich, die andern geben keinen Cent. Zur ersten Gruppe gehören etwa die Moderatorin Ellen DeGeneres (600 Euro für den Pizzamann), Bruce Willis (800 Euro im Hotel), George Clooney (1000 Dollar im Café) oder Brad Pitt und Angelina Jolie. Letztere ließen, als sie mal bei einem Besuch der deutschen Hauptstadt Angelinas 38. Geburtstag feierten, in Berlin das Geld regnen, als kämen sie vom Länderfinanzausgleich.

Noch interessanter ist allerdings, wer angeblich in die zweite Kategorie fällt. Etwa Jennifer Lopez, Paris Hilton oder Victoria Beckham. Kein Trinkgeld für niemanden, heißt es, nicht den Friseur, nicht den Kofferträger. Britney Spears wiederum soll nicht mal einen feuchten Händedruck für die Kellner übriggehabt haben, die ihr im Restaurant halfen, ihre verlorene Kamera wiederzufinden. Und von Harrison Ford heißt es, dass er beim Bezahlen sogar Seniorenrabatt verlangt. Da fragt man sich natürlich, was das über einen Schauspieler aussagt, der als draufgängerischer Abenteurer Indiana Jones in die Filmgeschichte einging.

Leider sind die Geschichten von den Fieslingen klar in der Unterzahl. Wo man doch so gern wüsste, wie eigentlich der Darsteller von Lord Voldemort einen Kofferträger im Alltag behandelt. Oder was Christoph Waltz so als Trinkgeld im Hotelzimmer liegen lässt, seit er in die Oberliga der Hollywood-Bösewichte aufgestiegen ist. Vermutlich liegt das daran, dass eine Geschichte wie die von Amy Schumer nun mal plausibler ist: Man ist weltberühmt, also tut man Gutes und lässt das Personal im Sinne aller Beteiligten hinterher freundlich darüber reden. Zumal in einer Stadt wie New York, in der sich das Ganze zugetragen hat, der Unterschied fließend ist zwischen Schauspielern und Servierkräften. Man weiß nie, auf welcher Seite des Tresens man sich eines Tages wiedersieht.