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Trennung von Tom Cruise und Katie Holmes:Scientology-Schulen mit Drill und absolutem Gehorsam

Dass die 33-jährige Holmes ihren fast 17 Jahre älteren Ehemann ausgerechnet jetzt verlassen hat, könnte ebenfalls mit den Strukturen der Scientology-Organisation zusammenhängen. Spätestens im Alter von sechs Jahren, sagt Caberta, werden Kinder in die Hände der Sekte übergeben. Unter anderem übernimmt Sea Org, eine Art Eliteeinheit mit paramilitärischer Marine-Anmutung, die Ausbildung im Sinne von Sektengründer L. Ron Hubbard. "Dort herrscht absolute Kontrolle, alles ist reglementiert", sagt Caberta. Die Kinder würden gedrillt und zu absolutem Gehorsam erzogen, lebten von ihren Familien getrennt.

Nach der Logik von Scientology gibt es keine Kinder, sondern nur Thetane - Geistwesen -, die in kleinen Körpern leben. Daher würden Kinder wie Erwachsene behandelt und in die Macht- und Befehlsstrukturen der Sekte integriert, erklärt die Autorin von Schwarzbuch Scientology. Dass Holmes ihrer Tochter Suri, solche Kadettenschulen à la Scientology offenbar gerade noch rechtzeitig ersparen wollte, kommt nach Einschätzung von Beobachtern für die Organisation zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt.

Seit der Affäre um Debbie Cook, einem früheren hochrangingen Scientology-Mitglied, die in einer E-Mail an Tausende Mitglieder Sektenchef Miscavige offen angriff, verliert die Organisation ein prominentes Mitglied nach dem anderen. Wie die New Yorker Wochenzeitung Village Voice online berichtete, distanzierten sich zuletzt sogar Miscaviges eigene Eltern und die Enkelin von Sektengründer L. Ron Hubbard von Scientology.

Dass nun ausgerechnet die Frau ihres berühmtesten Botschafters ein derart schlechtes Licht auf die Organisation werfen könnte, dürfte dem angeschlagenen Image weiter schaden - und könnte tatsächlich vehemente Gegenwehr befeuern. Die Prominenz, die Cruises Noch-Ehefrau genießt, sei in diesem Fall kein Schutz, im Gegenteil. "So potentiert sich der Imageschaden noch", sagt Caberta.

Ihr Rat an Katie Holmes: das Kind packen und abhauen. Oder noch besser: reinen Tisch machen, alles auspacken und so möglichen, von Scientology lancierten Schmutzkampagnen zuvorkommen. "So könnte sie als Heldin dastehen."

Weder Tom Cruise noch Katie Holmes haben ihre Trennung bislang persönlich kommentiert. "Tom ist sehr traurig und konzentriert sich auf die Kinder", sagte Cruise Anwalt dem US-Sender CNN. Der Schauspieler, der an diesem Dienstag 50 Jahre alt wird, hat neben Suri auch zwei 17 und 19 Jahre alte, adoptierte Kinder aus seiner Ehe mit der Schauspielerin Nicole Kidman. Er hält sich derzeit auf Island auf, wo er für den Action-Thriller Oblivion vor der Kamera steht.

Ergänzung: Scientology dementiert die Medienberichte: In einer E-Mail an die Nachrichtenagentur AFP wies ein Anwalt der Organisation alle Vorwürfe und Mutmaßungen zurück.

© Süddeutsche.de/cag/llala

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