Trauerkundgebung in Paris Gegen die Bestialität der Mörder

Tausende gehen in Paris auf die Straße, um der Opfer des Anschlags zu gedenken.

(Foto: dpa)
  • Auf der Place de la République in Paris haben sich am Mittwochabend Zehntausende versammelt, um der Opfer des Anschlags auf die Redaktion der Zeitung Charlie Hebdo zu gedenken.
  • Sie wollen mit ihrer spontanen Demonstration illustrieren, dass sich Frankreich von Terror nicht einschüchtern lässt und an seinen demokratischen Werten festhält.
Von Hilmar Klute, Paris

Es ist der Abend des Tages, an dem Paris eine andere Stadt geworden ist. Eine, die einen tiefen Stich in ihr Herz bekommen hat und in der nun die Angst herrscht, die Unsicherheit und wenn die Tage der Trauer und des Entsetzens vorbei sind, womöglich auch der Hass seinen Platz finden könnte.

Mehrere Tausend Menschen strömen seit dem frühen Abend auf die Place de la République. Die Smartphones leuchten, Tweets werden verschickt, eine Frau schreibt, es sei nun egal, ob man Araber oder Franzose sei - dieser Anschlag treffe alle Menschen, welche die Freiheit lieben. Die Freiheit - da oben steht sie als Monument, und als gegen 19 Uhr ein junger Mann auf eine der drei Allegoriefiguren klettert, die auch die anderen großen Werte Frankreichs symbolisieren - die Brüderlichkeit und die Gleichheit - brandet Applaus auf. Der Mann bindet einer der Figuren ein schwarzes Tuch um den steinernen Arm.

Frankreich trauert um die zwölf Menschen, die am späten Vormittag von drei Männern nur wenige Meter von hier im Büro des Satiremagazins Charlie Hebdo bestialisch niedergemetzelt worden sind. Darunter jene hierzulande sehr bekannten Karikaturisten, die seit Jahren mit ihren Zeichnungen den Hass der radikalen Islamisten auf sich ziehen. Ihre drastischen Bilder werden stolz gezeigt an jenem Mittwochabend. Sie sollen illustrieren, dass ein ganzes Volk hinter dem Prinzip steht, dass jeder in einem freien Land alles sagen darf - in Wort, Schrift und Bild.

Es ist ein kalter Abend, die Straßen sind voller Menschen, unablässig tönen die Sirenen der Polizeiwagen - die höchste Alarmstufe gilt nach wie vor in Paris. Eigentlich hätte dieser Tag ein schöner Einkaufstag werden können, die Soldes begannen heute, der große Winterschlussverkauf, der die Menschen in die Kaufhäuser und Boutiquen locken sollte. Stattdessen sperrte die Polizei Straßen und Eingänge, Menschen konnten ihre Wohnungen nur über Umwege erreichen.

Zehntausende trauern um Opfer Bilder

Terror in Paris

Zehntausende trauern um Opfer

35.000 Menschen versammeln sich am Abend in Paris, um der Opfer des Terror-Anschlags zu gedenken. Auch in anderen französischen Städten kommen Zehntausende zusammen, in Berlin erweisen Hunderte den Toten vor dem Brandenburger Tor die Ehre.

Sie singen die Marseillaise und hissen die Trikolore

Jetzt am Abend wollen die Menschen den Zusammenhalt ihrer schon seit Langem immer brüchiger werdenden Nation beschwören. Sie stimmen die Marseillaise an, die Nationalhymne, sie hissen die Trikolore am Monument und beschwören lautstark die freie Meinungsäußerung. Anne Hidalgo, die neue Bürgermeisterin, sagt, sie wolle Charlie Hebdo die Ehrenbürgerwürde der Stadt verleihen. Gegen die "Bestialität" der Mörder setzt die Zivilgesellschaft ihre traditionellen Grundwerte. Ein Demonstrant hat einen Zeichenstift und ein Radiergummi auf sein Plakat gemalt und daneben die Frage gestellt: "Ist das eine Kalaschnikow, ist das eine Granate?"

Am späten Abend ist das Monument der Republik von Hunderten Lichtern erhellt, die Pariser haben getrauert, sie trauern weiter, aber sie trauern mit Trotz und immer noch mit einem Rest von jenem Stolz, der heute einen tiefen Riss bekommen hat.

Das Gefühl, das die Kundgebung ausdrücken soll, heißt: Wir sind alle Charlie Hebdo - so steht es auf den Plakaten, die viele in den Abendhimmel halten, so steht es auf den schnell angefertigten Klebestreifen, die einige an der Brust tragen.