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Totes Frühchen in der Berliner Charité:Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung

Wer ist verantwortlich für den Tod eines Säuglings und die Erkrankung sieben weiterer Babys? Nachdem sich in der Berliner Charité mehrere Frühchen mit Serratien-Keimen infiziert haben, hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet. Als Auslöser der Infektionen ist ein Babybadeschaum in Verdacht.

Nach dem Tod eines Babys auf einer Frühchenstation in der Berliner Charité hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung gegen unbekannt aufgenommen. Der herzkranke Säugling hatte sich mit einem Darmkeim infiziert und war an einer Blutvergiftung gestorben. Es gelte zu klären, wie die nachgewiesenen Darmkeime, sogenannte Serratien, in das Krankenhaus kommen konnten, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Eine Häufung von Serratien war am 8. Oktober am Campus Virchow der Charité festgestellt worden. Bei sieben Frühchen wurde eine Infektion diagnostiziert. Ihr Zustand ist den Angaben zufolge mittlerweile stabil. Bei weiteren 15 frühgeborenen Babys wurde der Keim nachgewiesen, ohne dass es zu einer Erkrankung kam.

Das später gestorbene Baby war auf der Frühchenstation erstversorgt und später für eine Operation ins Deutsche Herzzentrum verlegt worden. Nach dem erfolgreichen Eingriff starb es dort an einer Blutvergiftung, wie die Charité bekannt gab.

Babybadeschaum unter Verdacht

Zwischenzeitlich kämpften die Ärzte um das Leben eines weiteren infizierten Frühchens. "Der Zustand des Babys ist sehr besorgniserregend", wurde die Sprecherin der Charité in Medienberichten zitiert. "Dem Kind geht es schlechter." Mittlerweile ist das Frühchen nach Angaben der Ärzte aber außer Lebensgefahr.

Noch gibt es keine Erkenntnisse, wie es zu den Infektionen kommen konnte. Derzeit werde jeder "Stein" auf den betreffenden beiden Stationen gewendet, sämtliche Vorgänge überprüft und mit den Mitarbeitern gesprochen, sagte Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU). Unter anderem werde ein Babybadeschaum auf eventuelle Übereinstimmungen mit Proben von den betroffenen Stationen hin untersucht. Das Robert-Koch-Institut (RKI) unterstützt die Charité bei der Suche nach der Infektionsquelle.

Erstmals in diesem Jahr war der Keim im Juli bei einem Frühchen in der Charité nachgewiesen worden. Das Kind sei behandelt worden und inzwischen gesund, hieß es.

Serratien gehören nach Angaben der Klinikums bei vielen Menschen zur Darmflora und sind mit Antibiotika gut behandelbar. Bei Patienten mit eingeschränkter Immunabwehr und bei extrem unreifen Frühgeborenen oder schwerstkranken Neugeborenen könnten sie allerdings Infektionen verursachen.