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Tote bei Zwangsräumung in Karlsruhe:Geiselnehmer hat Bluttat geplant - und sich bewaffnet

Fesseln und Waffen lagen bereit: Die Ermittler in Karlsruhe gehen davon aus, dass der Mieter die Tat vor der Zwangsräumung seiner Wohnung vorbereitet hat. Eine der Geiseln durfte gehen, bevor die Schüsse fielen und fünf Menschen starben. Auf ihre Schilderungen beruft sich die Polizei.

Die Polizeipräsidentin räuspert sich immer wieder, die Worte bleiben ihr im Hals stecken. "Wir alle stehen noch unter dem Eindruck dieses schrecklichen Geschehens", sagt sie. Fünf Menschen sind bei einer Geiselnahme in Karlsruhe ums Leben gekommen, darunter auch der Täter selbst. Dort war am Mittwochmorgen die Zwangsräumung einer Wohnung eskaliert. Fünf Menschen hatte dort ein Mann zwischenzeitlich in seiner Gewalt, eine Geisel ließ er jedoch gehen. Diese Person war es, die die Polizei informierte und den Ermittlern eine exakte Rekonstruktion der Tat ermöglichte.

Mehrere Tote bei Geiseldrama in Karlsruhe

Die Spurensicherung geht in das Haus, in dem bei einer Geiselnahme am Mittwoch fünf Menschen ums Leben kamen.

(Foto: dapd)

"Ich gehe davon aus, dass der Mann die Tat geplant hat", sagt der ermittelnde Staatsanwalt auf einer Pressekonferenz am Nachmittag. Dafür spräche, dass der Geiselnehmer sowohl Waffen als auch Fesseln bereitgehalten hatte. Die Geiselnahme: geplant; und auch die Morde: geplant. Oder zumindest in Kauf genommen. Zwei Menschen starben durch einen Kopfschuss, die Ermittler sprechen von einer "regelrechten Hinrichtung".

Polizei und Staatsanwaltschaft schildern den Ablauf der Tat bis ins letzte Detail.

Es ist acht Uhr am Mittwochmorgen, als der Gerichtsvollzieher an der Wohnungstür klingelt. Der 47-Jährige Familienvater soll für das Amtsgericht Karlsruhe die Wohnung räumen. Sie wurde zwangsversteigert, der neue Besitzer will selbst dort einziehen. Ein Schlosser ist bei ihm und ein Sozialarbeiter der Stadt, wie in solchen Fällen üblich. Er soll den Bewohnern Hilfe anbieten, verhindern, dass sie auf der Straße landen.

Ein Mann öffnet die Tür und bittet die drei herein. Als sie sich weigern, im Wohnzimmer Platz zu nehmen, bewaffnet sich der 53-Jährige, es ist der Mieter der Wohnung. Er hat ein Schrotgewehr, ein Gewehr mit langem Magazin, zwei Pistolen und eine Übungshandgranate bei sich, dazu reichlich Munition.

Er zwingt den Schlosser, die anderen Männer zu fesseln. Auch der neue Eigentümer des Apartments, der wenige Minuten später ebenfalls an der Wohnungstür klingelt, wird gefesselt. Als der Täter den Schlosser zuletzt selbst fesseln will, versucht dieser, ihm die Schusswaffe zu entreißen, doch der mutige Versuch misslingt, der Geiselnehmer gibt mehrere Schüsse ab, der Schlosser bricht zusammen.

Nach gut 40 Minuten erlaubt der Mann dem Sozialarbeiter, zu gehen. Im Weglaufen hört er, wie weitere Schüsse fallen. Er alarmiert die Polizei.

Wenig später rücken die Beamten mit einem Großaufgebot an. Die Nordstadt, erst 1996 nach dem Umbau ehemaliger US-Kasernen entstanden, ist eine beliebte Wohngegend für Familien. Aus den Soldatenquartieren sind bezahlbare Wohnungen im Grünen entstanden. Die Beamten räumen drei Wohnblocks in der unmittelbaren Nachbarschaft. Ein Gymnasium wird abgeschlossen, Kinder und Lehrer werden aufgefordert, die Räume nicht zu verlassen.

SEK, Hubschrauber, Rettungsfahrzeuge

Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) bezieht Position. Die Männer sind maskiert, zum Teil mit Helm und Schild geschützt. Über dem Gelände kreist in großer Höhe ein Hubschrauber, nur leise ist sein Rotor zu hören. In Seitenstraßen gehen etliche Rettungsfahrzeuge in Stellung.