Toilette mit Stromanschluss:Großes Geschäft

Toilette mit Stromanschluss: Die smarte Toilette kann nicht nur Strom erzeugen, sondern auch die Ausscheidungen auf Krankheiten untersuchen.

Die smarte Toilette kann nicht nur Strom erzeugen, sondern auch die Ausscheidungen auf Krankheiten untersuchen.

(Foto: UNIST)

Keine sch...lechte Idee: Ein neuartiges Krypto-Klo transformiert Biogas in digitales Geld. Muss man jetzt weltweit mit einem Shitstrom rechnen?

Von Titus Arnu

Das große Geschäft ist in der Regel kein großes Geschäft. Im Gegenteil, der Toilettengang kostet viel Zeit und Geld. 20 Minuten pro Tag verbringt der Mensch durchschnittlich auf dem Klo, auf die gesamte Lebenszeit gerechnet sind das fast zwei Jahre. Man mag sich die kumulierte Menge der Ausscheidungen lieber nicht vorstellen. Aber was man sich mal ausrechnen sollte, ist der finanzielle Verlust, der dabei entsteht. Fäkalien verursachen Kosten: für Abwassergebühren, Toilettenpapier, Putzmittel, Reparaturen und so weiter.

Eine Toilette mit Wasserspülung ist eine saubere Sache, aber aus ökologischer und energetischer Sicht ein ziemlicher Sch...marrn. Denn im Prinzip sind Exkremente und Urin Stoffe, die man sinnvoll nutzen könnte. Das ist jedenfalls der Ansatz von Wissenschaftlern, die seit Jahren grob gesagt daran arbeiten, aus Scheiße Geld zu machen. Nach vielen Griffen ins Klo ist es dem südkoreanischen Forscher Cho Jae-Weon nun gelungen, eine funktionsfähige Toilette zu konstruieren, die aus menschlichen Ausscheidungen Energie gewinnt - und den Benutzer dafür auch noch entlohnt. Er hat sozusagen einen Shitstrom ausgelöst.

Auf dem Campus des Ulsan National Institute of Science and Technology in Südkorea hat Cho Jae-Weon die ersten drei Toiletten in Betrieb genommen, die Kot in Kohle transformieren. Das Modell BeeVi sieht auf den ersten Blick aus wie eine normale Toilette und wird auch so benutzt. Nach dem Spülen landen die Produkte aber nicht in der Kanalisation, sondern in einem Tank. Mikroorganismen zersetzen den Tankinhalt und erzeugen Methan. Mit dem Biogas können Brennstoffzellen und Boiler betrieben werden. Laut dem Erfinder können aus den Ausscheidungen eines Menschen eine halbe Kilowattstunde Strom pro Tag gewonnen werden - das reicht, um einen Laptop einen Tag lang zu betreiben. "Fäkalien sind wertvolle Rohstoffe, um Energie und Dünger zu erzeugen", sagte Cho der Nachrichtenagentur Reuters, "ich speise diesen Wert wieder in den ökologischen Kreislauf ein."

Eine Sch...napsidee? Eine unappetitliche Spielerei gelangweilter Nerds? Überhaupt nicht. Denn das vermeintlich hochmoderne Abwassersystem in westlichen Ländern ist veraltet und ineffizient. Jeder Deutsche verbraucht etwa 120 Liter Wasser pro Tag, ein Großteil davon mit der Klospülung. US-Amerikaner verschwenden bis zu 400 Liter täglich, der Großteil der Menschheit kommt dagegen mit lediglich 20 Litern aus. Wassersparende Toiletten, die auch noch Strom und Dünger erzeugen, wären für rund ein Drittel der Weltbevölkerung ein Riesenfortschritt. 2,5 Milliarden Menschen leben ohne Zugang zu sanitären Anlagen, etwa in Westafrika und im Nahen Osten.

Der Bau von sanitären Anlagen mit Kanalisation und Kläranlagen ist teuer und für ländliche Regionen in Afrika eher unrealistisch. Die Anschaffung eines smarten Bio-Klos scheint da eher eine passende Lösung zu sein, zumal sich damit langfristig Strom und Geld generieren lassen. Wer BeeVi benutzt, kann den Vorgang per QR-Code bei einer App registrieren, dafür gibt es dann eine Gutschrift in der virtuellen Währung Feces Standard Money (FSM). Das Krypto-Klo-Geld kann bisher nur auf dem Uni-Campus in Ulsan eingelöst werden. Digitales Geld stinkt ja nicht.

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