Tödliche Prügelattacke Türkische Justiz ermittelt wegen Mordes

Nach der tödlichen Prügelattacke am Alexanderplatz setzte sich der Hauptverdächtige in die Türkei ab. Ausliefern wollen ihn die dortigen Behörden nicht - sie ermitteln nun selbst wegen Mordes.

Knapp ein halbes Jahr ist vergangen, seit der 20-jährige Jonny K. am Berliner Alexanderplatz so heftig mit Schlägen und Tritten attackiert wurde, dass er wenig später an Gehirnblutungen starb. Der Hauptverdächtige setzte sich nach dem Angriff in die Türkei ab.

Monatelang war um eine Auslieferung des mutmaßlichen Schlägers gerungen worden. Nach ihm wurde per Haftbefehl gefahndet. Wie die Berliner Justizverwaltung jetzt mitteilte, steht inzwischen fest, dass der Verdächtige nicht nach Deutschland ausgeliefert wird, weil er neben der deutschen Staatsbürgerschaft auch die türkische besitzt. Die Justiz in der Türkei hat gegen den 19-Jährigen Ermittlungen wegen Mordes aufgenommen.

Die Berliner Polizisten halten den jungen Mann für die treibende Kraft des brutalen Angriffs. Die türkischen Behörden haben ihn nach Angaben des Berliner Justizsenators Thomas Heilmann (CDU) aber noch nicht gefasst.

Der Angriff aus dem Nichts hatte bundesweit Entsetzen und eine Debatte über Jugendgewalt ausgelöst. An diesem Sonntag wäre Jonny K. 21 Jahre alt geworden. Justizsenator Heilmann sagte laut Mitteilung: "Dass die Türkei nun ein eigenes Strafverfahren startet, begrüße ich sehr." Schreckliche Taten wie die am Alexanderplatz dürften nicht ohne Konsequenzen bleiben.

In der Mitteilung der Berliner Justiz wird aus der Verbalnote der türkischen Justiz zitiert: "Die Oberstaatsanwaltschaft Sivas hat auf der Grundlage von Art. 11 des türkischen Strafgesetzes gegen Onur U. wegen 'vorsätzlichen Mordes' und 'vorsätzlicher Körperverletzung' eine Ermittlung eingeleitet."

Bei einer Verurteilung in der Türkei könnte nach Einschätzung von Experten eine höhere Strafe drohen als in Deutschland, auch, weil dort das Jugendstrafrecht nicht angewendet wird. In Deutschland sieht dieses eine Höchststrafe von zehn Jahren vor.

Fünf weitere Verdächtige hatten sich nach dem Angriff der deutschen Justiz gestellt, gegen sie wurde Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung sowie Körperverletzung mit Todesfolge erhoben. Für eine Mordanklage fehlte laut Staatsanwaltschaft der Tötungsvorsatz. Vier der Verdächtigen sitzen in Untersuchungshaft, einer ist gegen Auflagen auf freiem Fuß.

Nach bisherigen Planungen soll der Strafprozess gegen die mutmaßlichen Beteiligten am 13. Mai beginnen. Ein 24-Jähriger, der sich ebenfalls in die Türkei abgesetzt hatte, kam erst Mitte März nach Berlin zurück und stellte sich.