Tod von Kim Wall:Foltervideos auf einer Festplatte

In Madsens Werkstatt fand die Polizei zusätzlich eine Festplatte mit Videos, auf denen Frauen gefoltert, enthauptet und verbrannt wurden. Die Aufnahmen könnten laut Staatsanwaltschaft echt sein, sie stammen offenbar aus dem Ausland und sind nicht von Madsen aufgenommen worden. Der war bei der Anhörung per Video aus dem Gefängnis zugeschaltet und erklärte, dass mehrere Menschen Zugang zu seiner Werkstatt hätten. Die Aufnahmen gehörten ihm nicht. Zu Kim Wall habe er keinerlei sexuelle Beziehung gehabt. Er habe sie vor dem 10. August nie getroffen.

Seine Anwältin sagte da noch, es gebe keinerlei Beweise dafür, dass ihr Mandant Kim Wall getötet habe. Nichts widerlege dessen Aussage, dass die Journalistin bei einem Unfall gestorben sei. Zu diesem Zeitpunkt war Walls Kopf noch nicht gefunden. Ihn bargen Taucher jetzt gemeinsam mit ihrer Kleidung, einem Messer und den beiden Beinen aus der Køge-Bucht, alles verpackt in Plastiktüten und mit Gewichten versenkt.

Erinnerung an eine mutige und warmherzige junge Frau

Angehörige und Freunde von Kim Wall haben einen Spendenfonds in ihrem Namen organisiert und damit bereits knapp 100 000 Dollar gesammelt. Mit dem Geld möchten sie Journalistinnen unterstützen, die Geschichten recherchieren, wie Kim Wall sie schrieb: über "Subkultur" und über die "Unterströmungen von Rebellion", so habe Kim Wall sie genannt, heißt es auf der Internetseite für den Fonds. Dort erinnern sich Freunde an eine mutige und warmherzige junge Frau, die in New York lebte, nach Peking ziehen wollte und für ihre Geschichten schon in Uganda, in Sri Lanka und auf den Marshallinseln unterwegs gewesen war. Sie habe gerne über Außenseiter und Verrückte geschrieben, erzählen Menschen, die sie kennen. Für ihren Artikel über den dänischen U-Boot-Bauer hatte sie, wie häufig, keinen festen Auftraggeber. Sie hatte ihn dem Magazin Wired bisher nur vorgeschlagen.

Kim Wall war nicht die erste Journalistin, die Peter Madsen interviewte. Madsen war mit seiner Nautilus bekannt geworden - das größte selbstgebaute U-Boot der Welt, so sprach man von ihr. Seit einigen Jahren arbeitete er daran, mit der ersten von Privatleuten finanzierten bemannten Rakete die Erdatmosphäre zu verlassen. An beiden Projekten hatte er zusammen mit Gruppen aus Freiwilligen gebastelt, mit denen er sich später zerstritt. Nun steht Raketen-Madsen, wie er in Dänemark auch heißt, unter Mordverdacht. Er soll psychologisch untersucht werden. Die Untersuchungshaft hat das Gericht zunächst bis Ende Oktober verlängert. Dann könnte er erneut aussagen.

© SZ vom 09.10.2017/sks/cat
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