bedeckt München 20°

Bilder vom Wrack:Keine Panik, Titanic

Von eisenfressenden Bakterien befallen und seit 107 Jahren der Meeresströmung ausgesetzt: das Wrack der Titanic.

(Foto: AP)

Erstmals seit 14 Jahren haben Taucher Aufnahmen in 3800 Meter Tiefe gemacht. Vielleicht eine der letzten Expeditionen dieser Art, denn Bakterien zerfressen das Wrack. Titanic-Fans finden das nicht schlimm.

107 Jahre nachdem sie von einem Eisberg vor der Küste Neufundlands aufgeschlitzt wurde und im Atlantik versunken ist, stirbt die Titanic ein zweites Mal. Diesmal immerhin kommen keine Menschen zu Schaden, es ist nur eine Hülle aus Stahl, die einem langsamen Tod entgegengeht.

Wissenschaftlern ist schon seit Jahren bekannt, dass das Wrack der Titanic, das seit dem Unglück in 3800 Metern Tiefe auf dem Meeresgrund liegt, zu zerfallen droht. Eisenfressende Bakterien setzen der Außenhülle des Schiffes zu, außerdem ist sie starken Meeresströmungen ausgesetzt. Erstmals seit 14 Jahren sind nun Taucher mit einem U-Boot hinabgestiegen und es gibt Bilder und Videos, die dokumentieren, wie schlecht der Zustand der Titanic tatsächlich ist. Beziehungsweise das, was noch davon übrig ist.

Titanic Ein Titanic-Nachbau in Originalgröße
Titanic

Ein Titanic-Nachbau in Originalgröße

Für 136 Millionen Euro wird in China die Titanic nachgebaut, inklusive Ballsaal und Theater. Es ist die erste Kopie seit dem Untergang des Schiffs 1912. Die soll bald Konkurrenz bekommen.   Von Christian Zaschke

Auf den Aufnahmen, die ein Team um den Ozeanforscher Victor Verscovo gemacht hat, sieht man, dass sich auf dem Wrack ein viele Zentimeter dicker grünlich-grauer Belag abgesetzt hat, der ein wenig aussieht wie die Formationen in einer Tropfsteinhöhle. Wie die Taucher berichten, sei vor allem an der Steuerbordseite der Verfall schon sehr weit fortgeschritten. Die Badewanne in der Kapitänskabine etwa sei vollständig verschwunden.

Ein Anruf bei Malte Fiebing-Petersen vom "Deutschen Titanic-Verein von 1997", einer Gruppe von Menschen, die alles sammeln und dokumentieren, was sie über den Untergang des legendären Schiffsuntergangs finden können. Und Wert darauf legen, dass es den Verein schon ein Jahr vor dem Hollywood-Film gab. Ist er nun geschockt, dass bald der Vereinszweck abhandenkommen könnte?

"Nö", sagt Fiebing-Petersen. Denn erstens sei die Erforschung des Wracks nur ein kleiner Teil der Arbeit. Und zweitens werde der Rumpf der Titanic noch einige Jahrzehnte erhalten bleiben, denn die Außenhülle sei aus dickerem Stahl gefertigt als die Deckaufbauten, die inzwischen großflächig weggefressen und wahrscheinlich in ein paar Jahren verschwunden seien.

Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, Biografiearbeit zu leisten und die deutschen Bezüge zur Titanic zu erforschen. Von insgesamt etwa 2200 Passagieren habe nur etwa ein Dutzend die deutsche Staatsbürgerschaft gehabt. "Warum geht ein Deutscher damals auf ein englisches Schiff? Das ergab keinen Sinn, denn es gab ja zwei Reedereien, deren Schiffe nach Amerika fuhren, eine von Hamburg und eine von Bremerhaven aus", erklärt Fiebing-Petersen.

Spannend sei auch, dass gleich mehrere deutsche Firmen am Bau der Titanic beteiligt gewesen seien. Die Fliesen im Badezimmer kamen von Villeroy & Boch, die Klaviere von Steinweg und Söhne und der Schwimmkran für die Produktion der Titanic wurde aus Benrath geliefert, heute ein Teil von Düsseldorf.

Die Frage, warum die Welt bis heute so fasziniert ist vom Untergang der Titanic, hat sich Fiebing-Petersen auch gestellt, ist aber dabei nicht zu einer befriedigenden Antwort gekommen. "Es ist komisch, denn die Titanic ist weder das erste Schiff, das bei seiner Jungfernfahrt unterging, noch ist es die Schiffskatastrophe mit den meisten Todesopfern." Vielleicht ist es auch einfach das Versprechen der Unsinkbarkeit dieses Schiffes, das dann doch sank.

Die Nachrichtenagentur Reuters hat Videoaufnahmen des Wracks veröffentlicht. Allerdings war die Titanic, anders als es im Sprechertext gesagt wird, nie ein Kreuzfahrtschiff, sondern ein Linienschiff, das zwischen Southampton und New York unterwegs sein sollte.

Kurioses "Die beiden hätten überlebt, wenn sie ihre Rettungswesten unter der Tür fixiert hätten"

Ein Anruf bei ...

"Die beiden hätten überlebt, wenn sie ihre Rettungswesten unter der Tür fixiert hätten"

Hätte Jack am Ende des Schnulzenfilms "Titanic" doch nicht ertrinken müssen? Ein Anruf bei der australischen Schülerin Abigail Wicks, deren Berechnungen das nahelegen.   Von Thilo Adam