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"Titanic"-Regisseur taucht in den Marianengraben:Cameron in den Tiefen des Weltmeeres

James Cameron hat seine persönliche Tour in den Abyss gewagt. Er ist als erster Mensch allein mit einem Spezial-U-Boot in den Marianengraben im Westpazifik getaucht. "Alle Systeme okay", teilte der "Titanic"-Regisseur aus 10.898 Metern Tiefe mit. Drei Stunden lang sammelte der Kanadier Daten und Proben und filmte die Tiefseewelt, dann tauchte er wieder auf - früher als geplant.

"Titanic"-Regisseur James Cameron ist am Montagmorgen von einer Tauchfahrt zum Challengertief im Marianengraben wieder zurückgekehrt. Zuvor war er nach Mitteilung der National Geographic Society mit dem Deepsea Challenger genannten U-Boot in eine Tiefe von fast elf Kilometern vorgedrungen. "Alle Systeme okay", teilte Cameron aus 10.898 Metern Tiefe mit, hieß es vom Team der National Geographic Society.

Der Marianengraben ist der tiefste Graben am Meeresboden. Dort ist wiederum die tiefste Stelle das Witjastief 1 mit 11.034 Metern.

Etwa drei Stunden verbrachte Cameron auf dem Meeresgrund unter anderem mit Filmaufnahmen von der dortigen Unterwasserwelt. Geplant hatte er einen Aufenthalt bis zu sechs Stunden. Berichte über das Wohlergehen des 57-jährigen Regisseurs lagen zunächst nicht vor. Expeditionsmitgliedern zufolge war aber ärztliches Personal vor Ort. Zu den Risiken einer Tauchfahrt in so großer Tiefe gehört unter anderem der extreme Wasserdruck.

Als erster Mensch tauchte Cameron allein in einem U-Boot in das Challengertief im Westpazifik hinunter. Dort, rund 500 Kilometer südwestlich der Insel Guam, sammelte der 57-Jährige Kanadier Daten und Proben und filmte die Tiefseewelt, die nach Angaben von Forschern dem Menschen fremder ist als die Mondoberfläche.

Die ersten, die in diese Tiefe vorgedrungen waren, waren der Schweizer Ingenieur Jacques Piccard und der US-Kapitän Don Walsh, die 1960 das Challengertief erreichten. Sie verbrachten etwa 20 Minuten auf dem Meeresgrund, konnten jedoch nicht viel sehen, weil ihr U-Boot Sand aufgewirbelt hatte. Seit ihrer Expedition waren Forschungsroboter wie das japanische Tauchboot Kaiko und der amerikanische Tauchroboter Nereus, aber nie wieder Menschen in diese Tiefe vorgedrungen.

"Es war ein großer Moment, ihn im Club willkommen zu heißen", sagte Walsh laut National Geographic Society, als er telefonisch vom Erfolg der Tauchfahrt des "Titanic"-Regisseurs unterrichtet wurde.

Cameron brauchte zwei Stunden und 36 Minuten, um auf 10.898 Meter hinabzutauchen. Das sieben Meter lange U-Boot ist mit einem Sediment-Sammler, einem Roboter-Greifarm, einer "Saugpistole" zum Einsammeln von kleinen Tiefseebewohnern sowie mit diversen Sensoren etwa zur Messung von Temperatur, Salzgehalt und Wasserdruck ausgestattet.

Der Druck in einer Tiefe von fast elf Kilometern liegt bei etwa 1100 bar. Damit lastete auf dem Tauchboot etwa eine Tonne pro Quadratzentimeter.

"Die Tiefseegräben sind die letzte unerforschte Grenze unseres Planeten", hatte der Regisseur vor seiner Tauchfahrt erklärt. "Sie bieten Wissenschaftlern ein Forschungsfeld für 100 Jahre."

Der Kanadier wusste auch, dass sein Abenteuer nicht ungefährlich ist: "Ja, natürlich mache ich mir Sorgen", sagte er vor der Fahrt. Schließlich wisse niemand, was da unten passiere. "Aber Angst ist eine gute Sache, wenn man ein Forscher ist."

Der 57-jährige Cameron gilt als Tiefseefan und war schon Dutzende Male einige tausend Meter tief getaucht. Er hatte auch das Wrack der Bismarck im Nordatlantik besucht und eine Dokumentation über das im Zweiten Weltkrieg von der britischen Royal Navy versenkte deutsche Schlachtschiff gedreht.

Cameron ist mit seinem Tauchgang drei Konkurrenten zuvorgekommen. Auch der britische Multi-Millardär Richard Branson, Eric Schmidt, einer der Direktoren von Google Inc., und der U-Boot-Hersteller Bruce Jones arbeiten an ähnlichen Projekten.

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