Tirol:Die Milch macht's

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Tirol: Milchkühe am Großglockner.

Milchkühe am Großglockner.

(Foto: Eibner-Pressefoto/EXPA/Groder/www.imago-images.de)

Ein Krampus bestellt in einem Werbevideo des Landes Tirol Hafer- statt Kuhmilch - und empört die lokalen Bauern.

Von Felix Haselsteiner, Kitzbühel

Die überwiegende Mehrheit empfindet Krampusse als furchteinflößende Kreaturen, insbesondere wenn sie nachts durch einen finsteren Wald laufen. Monströs, zottelig, mit finsterer Miene und Hörnern am Schädel, davor darf man sich selbstverständlich auch als erwachsener Mensch fürchten. Bemerkenswert ist allerdings, dass deren Hörner der Landwirtschaftskammer Tirol offenbar weniger Schrecken einjagen als deren Trinkgewohnheiten. Ein Krampus, der einen Hafermilch-Latte-macchiato bestellt, hat zumindest gerade einige Tiroler Bauern ziemlich empört.

Es geht um ein Video der landeseigenen Werbeagentur, in dem ein Krampus namens Sven durch einen finsteren Wald läuft und dann ein Gasthaus betritt, um einem kleinen Mädchen einen verlorenen Handschuh wiederzugeben. Als er von der Wirtin gefragt wird, ob man ihm etwas Gutes tun könnte zum Dank, bestellt Sven einen Latte macchiato mit Hafermilch - und natürlich ist das eine Aussage, die so in Tirol nicht zulässig ist. Tirols Hafermilch-Gate fasst die Essenz des Bundeslandes auf so pointierte Art und Weise zusammen, wie das nur Tiroler selbst hinbekommen.

Ein "Affront gegenüber der Tiroler Landwirtschaft" sei das, findet die Landwirtschaftskammer. Die "tägliche Arbeit der Bauernfamilien" werde nicht "entsprechend respektiert", erklärte Präsident Josef Hechenberger dem ORF. Hafer habe man nicht in Tirol, diese Form von Milch werde woanders hergestellt und liefere damit auch nicht "die Grundlage für den Tourismus", so wie das die Kuhmilch täte, beziehungsweise die Bauern und Kühe, die für diese Milch verantwortlich zeichnen. Dass neben dem Hafer auch die Kaffeebohne nicht im Defereggen- oder Stubaital beheimatet ist, sei an dieser Stelle erwähnt, auch wenn das für die Argumentation der Landwirtschaftskammer eine untergeordnete Rolle spielt.

Der Werbespot läuft inzwischen nicht mehr im Fernsehen, in das er ohnehin erst verspätet gekommen war: Eigentlich war das Video seit 2020 fertig, dann kam die Pandemie über Tiroler Hüttenpartys nach Europa und verhinderte so nebenbei auch die Ausstrahlung des Videos, das bei einer Werbepreisverleihung in Cannes dennoch für seinen herausragenden humoristischen Ansatz ausgezeichnet wurde.

Für seinen fehlenden Realismus müsste man es allerdings kritisieren. Finster ist es oft in Tirol, Krampusse im Wald gibt es freilich zuhauf, erst recht Anfang Dezember in Begleitung des Nikolaus. Aber wie Veganer, Vegetarier und laktose-intolerante Touristen berichten können, grenzt es an ein Wunder, wenn man in Tirol in einer abgeschiedenen Hütte auf einen Kaffee mit Hafermilch stößt.

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