Flüchtlingsheim:Mehr Prominente sollen sich einbringen

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Osterodes Bürgermeister Klaus Becker ist zwar privat "kein großer Schweiger-Gucker", doch sei der Fall für ihn klar: "Es ist gut, dass er sich äußert, und er hat mir aus der Seele gesprochen."

Der Schauspieler möge "etwas ruppig" gewesen sein, "aber es klang aufrichtig", es sei wichtig, dass Prominente sich einbringen in die Flüchtlingsdebatte, bei der so viel falsch laufe, findet der Kommunalpolitiker.

Becker, 55, ist seit elf Jahren Bürgermeister der 22 000-Einwohner-Stadt am Fuße des Harzes. Er sagt, dass er sehr europäisch denke und dass Osterode hart an einer Willkommenskultur arbeite. Es existiere hier "keine braune Szene", die Beziehungen zu beiden Moscheen in der Stadt seien hervorragend, die Sparkasse lade zum Fastenbrechen ein, und für die 250 Asylsuchenden, welche die Stadt bereits aufgenommen hat, gebe es ein ehrenamtliches Patenprogramm.

Der Bürgermeister hat es also befürwortet, als das niedersächsische Innenministerium anregte, in der ehemaligen Rommel-Kaserne in Osterode eine sogenannte Erstaufnahmeeinrichtung für bis zu 600 Flüchtlinge unterzubringen.

Kaserne wird renoviert

Wenn nun der Eindruck entstanden ist, dass Til Schweiger bald mit Baumaterial und Gulaschkanone in den Harz fährt, um Flüchtlinge zu versorgen, dann sei das natürlich nicht ganz richtig, sagt Becker.

"Unter Dach und Fach" ist lediglich eine Vereinbarung zwischen dem Schauspieler und dem Eigentümer der Kaserne, dem auf die Umwidmung von Militärliegenschaften spezialisierten Unternehmen "Princess of Finkenwerder", das die Kaserne Ende 2014 aus einer Konkursmasse erworben hat.

Das Land will die laut Becker als Flüchtlingsunterkunft "sehr gut geeigneten" Gebäude nach der Renovierung von der Firma mieten, das sei üblich. Ein Vertrag sei noch nicht unterzeichnet und nach einem Betreiber, wohl ein Sozialverband, werde per Ausschreibung gesucht, teilt das Ministerium mit.

"Junge Leute für das Thema sensibilisiert"

Die Kooperation mit Til Schweiger begrüße man im Übrigen sehr, sagt Ministeriumssprecher Philipp Wedelich, dessen Telefon in der Sache seit Anfang der Woche nicht mehr stillsteht. Bereits am Montag hat sich Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius für ein Treffen mit dem Schauspieler verabredet.

Und auch beim Flüchtlingsrat Niedersachsen begrüßt man prinzipiell die Einmischung Prominenter in die Diskussion: "Pro Asyl etwa arbeitet mit Bands zusammen, vor allem junge Leute sind so für das Thema sensibilisiert worden", heißt es in der Geschäftsstelle in Hildesheim.

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