bedeckt München 18°

Flüchtlingsheim:Wie Til Schweigers Vorzeigeprojekt entsteht

Schauspieler Til Schweiger

Wenn er für sein Engagement "viel auf die Fresse" kriege, sei ihm das egal: der Schauspieler und Aktivist Til Schweiger (Archivbild von 2013).

(Foto: dpa)

Der Schauspieler und Neu-Aktivist hat angekündigt, ein Flüchtlingsheim zu bauen. Klappt das? Zu Besuch in Osterode am Harz.

Von Thomas Hahn und Marten Rolff

Ursprünglich war der Plot dieser Geschichte ganz harmlos: Ein zwölfjähriges Mädchen bittet einen Schauspieler und Regisseur darum, einen Spendenaufruf für Flüchtlinge auf seiner Facebook-Seite zu teilen. Gefragt, getan. So nett, so gut.

Doch weil das Thema polarisiert, der Filmmann Til Schweiger heißt und seine Seite offiziell 1,3 Millionen Fans hat, dauert es nicht lange, bis sich das Drehbuch angemessen heftig dramatisiert.

Die Action im Zeitraffer: Auf der Facebook-Seite entbrannte binnen Kürze eine unschöne Rassismus-Debatte. Schweiger sah sich gezwungen, besonders aggressive verbale Scharfschützen durch einen gezielten Sondereinsatz aus dem Verkehr zu ziehen ("Verpisst euch von meiner Seite. (. . .) Ihr braucht euren Hass und eure Dummheit nicht bei mir abzulassen.").

Am Wochenende kündigte er dann im Interview mit Bild am Sonntag eine weitere Offensive an: Er verstehe nicht, dass die Deutschen gegen Islamisierung und Radikalisierung auf die Straße gingen und dann "denen, die davor fliehen, nicht helfen", sagte Schweiger.

Wenn er für sein Engagement "viel auf die Fresse" kriege, sei ihm das egal. Er werde jetzt mit Freunden "ein Vorzeigeflüchtlingsheim bauen". Im niedersächsischen Osterode am Harz. In einer ehemaligen Kaserne. Der Vertrag dafür sei "unter Dach und Fach". Darüber hinaus plane er eine Stiftung für traumatisierte Kinder. Ende der Durchsage.

Hilfe oder Eigen-PR?

Danach war Funkstille, weitere Stellungnahmen gebe es nicht, zum Thema sei vorerst alles gesagt, teilte das Büro des Filmemachers am Montag der SZ mit. Und so durfte Deutschland nun rätseln, wie denn das genau gemeint sei mit den schmissigen Ankündigungen zur Flüchtlingshilfe. Und ob es gut oder schlecht sei, wenn sich einer wie Schweiger, ebenso bekannt für seine Rolle als krachiger "Tatort"-Kommissar wie für erfolgreiche Kinokomödien, in die Asyldebatte einmische.

Auch, weil das Engagement von Prominenten stets ein Drahtseilakt ist: Eigen-PR oder Weckruf?

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema