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Tötungsstatistik:Tijuana ist die wohl gefährlichste Stadt der Welt

Ein Migrant lehnt an einer Mauer in Tijuana, Mexiko

Flüchtlinge aus Honduras nahe einer behelfsmäßigen Flüchtlingsunterkunft in Tijuana.

(Foto: AFP)
  • Die mexikanische Nichtregierungsorganisation "Seguridad, Justicia y Paz" hat eine Statistik der Städte mit den meisten Tötungsdelikten pro 100 000 Einwohner (ausgenommen Kriegsgebiete) erstellt.
  • Auf Platz eins ist die mexikanische Grenzstadt Tijuana, auf Platz zwei und drei folgen Acapulco (Mexiko) und Caracas (Venezuela).
  • Insgesamt befinden sich unter den ersten zehn Plätzen der Rangliste ausschließlich lateinamerikanische Städte, europäische tauchen in der Statistik gar nicht auf.

Tijuana ist der Rangliste einer Nichtregierungsorganisation (NGO) zufolge außerhalb von Kriegsgebieten die Stadt mit der höchsten Tötungsrate weltweit. Demnach habe es im Jahr 2018 in der mexikanischen Grenzstadt 138,3 Tötungsdelikte pro 100 000 Einwohner gegeben, hieß es in dem Bericht der gemeinnützigen Organisation "Seguridad, Justicia y Paz" (übersetzt: "Sicherheit, Gerechtigkeit und Frieden").

Auf Platz zwei und drei folgen die mexikanische Küstenstadt Acapulco (110,5) und die venezolanische Hauptstadt Caracas (100). Zum Vergleich: In Deutschland kamen 2015 auf 100 000 Einwohner laut Statistischem Bundesamt 0,8 Tötungsdelikte. Unter den ersten zehn Plätzen der Rangliste befinden sich ausschließlich lateinamerikanische Städte: fünf in Mexiko (Tijuana, Acapulco, Ciudad Victoria, Ciudad Juárez, Irapuato), drei in Venezuela (Caracas, Ciudad Guayana, Ciudad Bolívar) und zwei in Brasilien (Natal, Fortaleza). Mexiko und Brasilien sind mit 15 und 14 Nennungen auf der Liste mit insgesamt 50 Städten am häufigsten vertreten, Europa taucht gar nicht auf.

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Tijuana liegt unmittelbar an der Grenze zu den USA bei San Diego an der US-Westküste. Ursache für die vielen Tötungsdelikte in Tijuana sind vor allem Bandenkriminalität und Drogenhandel. Die Stadt wird von zahlreichen Migranten auf dem Weg in die USA passiert. Auch viele, die von dort nach Mexiko abgeschoben werden, landen in Tijuanas Notunterkünften. Die Lebensumstände dort sind Nichtregierungsorganisationen zufolge miserabel. Viele Migranten werden Opfer von Gewalt oder landen in den Fängen der Kartelle. Das Mexiko-Institut des US-Forschungszentrums Wilson Center hatte bereits Anfang des Monats davor gewarnt, dass an der US-Grenze eine humanitäre Krise drohe, sollten die Vereinigten Staaten vermehrt mittelamerikanische Migranten in mexikanische Grenzstädte abschieben.

Das Auswärtige Amt rät derzeit dringend von Reisen in die Grenzregion zu den USA und auch nach Tijuana ab. Auch vor dem Besuch anderer mexikanischer Städte auf der Rangliste wird gewarnt, darunter etwa vor Aufenthalten in der südmexikanischen Urlaubsdestination Acapulco sowie vor Besuchen der im Norden des Landes gelegenen, an El Paso im US-Bundesstaat Texas angrenzenden Stadt Ciudad Juárez.

Um die Gewalt zu stoppen, fordert "Seguridad, Justicia y Paz" unter anderem eine Legalisierung von Drogen und die Aufnahme von Verhandlungen mit kriminellen Banden. Eine positive Entwicklung sieht die Organisation in der honduranischen Stadt San Pedro Sula. Während diese bei der Auflistung von 2011 bis 2014 noch den ersten Platz belegte, sank die Zahl der Tötungsdelikte dort in den vergangenen Jahren um 75 Prozent.

Das Ranking der Organisation basiert auf offiziellen Statistiken, Pressedaten und statistischen Prognosen. Berücksichtigt werden Städte mit mehr als 300 000 Einwohnern, die nicht in einem Kriegsgebiet liegen.

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