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Tigerattacke:"Es verfolgt mich, dass ich ihn überredet habe"

FILE: Siegfried and Roys White Tiger Mantecore has Died

Siegfried (links) und Roy mit einem ihrer weißen Tiger vor der Attacke im Jahr 2003.

(Foto: Peter Bischoff/Getty Images)
  • Zum ersten Mal spricht der Raubkatzentrainer Chris Lawrence über seine Version der Tiger-Attacke auf Roy Horn.
  • Seine öffentliche Äußerung fällt kurz vor den Start eines biografischen Films über das Künstlerpaar Siegfried und Roy, in dem Lawrence als Tigertrainer nicht gut wegkommen könnte.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Es beginnt schon mit dem Namen des Tigers. Mantacore hieß er, und nicht Montecore, wie er häufig und noch immer im Wikipedia-Eintrag über die Illusionisten Siegfried & Roy genannt wird. Dieser Mantacore, mehr als zwei Meter lang und mehr als 180 Kilogramm schwer, war es also, der das Showbusiness auf dem Las Vegas Strip grundlegend veränderte.

3. Oktober 2003, eine Zaubershow im Hotel Mirage zum 59. Geburtstag von Roy Horn. Der gewaltige Tiger beißt seinen Dompteur in den Hals und zerrt ihn von der Bühne. Wochenlang kämpft der Magier ums Überleben, ist seither halbseitig gelähmt. Der Unfall bedeutet das Ende des alten, des glamourösen Las Vegas.

Es hat zahlreiche Lesarten zum Hergang gegeben, darunter auch wilde und abstruse Theorien wie jene, dass ein homophober Gast den Tiger mit einem Laserpointer geblendet habe. Die bis heute allgemein gültige Version, die auch vom deutsch-amerikanischen Künstlerpaar selbst gestützt wird: Horn habe einen Schlaganfall erlitten, das Tier sich um seinen menschlichen Freund gesorgt und Horn von der Bühne in Sicherheit bringen wollen.

Es ist, insofern es das bei einer derartigen Tragödie geben kann, eine Wohlfühldeutung, weil sie sowohl Mantacore (der 2014 im Alter von 17 Jahren starb) als auch Horn von Schuld freispricht. Diese Version, die in Las Vegas in Hintergrundgesprächen immer wieder angezweifelt wird, dürfte wohl auch im biografischen Film vorkommen, den das Künstlerpaar angekündigt hat.

Roys Tiertrainer äußert sich nun zum ersten Mal zu der Attacke

Es gibt nun eine neue Darstellung, und sie stammt von einem, der damals ebenfalls auf der Bühne gewesen ist und den Vorfall unmittelbar erlebt hat: Tigertrainer Chris Lawrence hat sich im Magazin The Hollywood Reporter zum ersten Mal über diesen Abend geäußert. "Ich erlebe diesen Abend seit 15 Jahren jeden Tag und jede Nacht, das wird mich niemals loslassen", sagt er: "Roy ist sicherlich der, der körperlich unter der Attacke zu leiden hat - aber er ist definitiv nicht der einzige, der mit den Nachwirkungen zu kämpfen hat." Seit fünf Jahren leide er an posttraumatischem Stress. Er habe Albträume, in denen sein Hals verletzt werde. "Meistens ist es ein Tiger, manchmal auch jemand mit einem Messer. Ich wache auf, fühle den Schmerz und kann nicht mehr atmen."

Siegfried und Roy

Bei solchen Auftritten ist vor allem Routine wichtig.

(Foto: dpa)

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