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Tierschutz in der Schweiz:Aus Liebe zum Meerschweinchen

Deshalb gibt es künftig ein "Hunde-Obligatorium": Tier und Herrchen müssen einen zehnstündigen Erziehungskurs absolvieren; für den Halter kommen noch ein paar Theorie-Stunden dazu. Betagte Damen, die sich einen Pudel als Lebensgefährten anschaffen, sind von der Kurspflicht keineswegs ausgenommen.

Freigang für Kühe

Glücklicher werden sollen auch die Kühe. Sie dürfen künftig nicht länger als zwei Wochen ununterbrochen im Stall stehen und müssen pro Jahr mindestens 90 Tage Freigang bekommen, davon 30 Tage im Winter.

Ähnlich ins Detail geht die Regelung bei den Meerschweinchen: Als Nager müssen sie nicht nur etwas zum Fressen, sondern auch etwas zum Nagen bekommen und Streu dazu. "Achtung und Respekt schulden wir auch kleinen Tieren", begründen die Staats-Veterinäre die Vorschriften. Sogar in die Verfassung haben die Eidgenossen die "Würde der Kreatur" aufgenommen.

Kein Herz für Spinnen, Läuse und Fliegen

Ein paar Schranken des Respekts kennt allerdings auch die Schweiz: Bei Spinnen oder Läusen darf auf artgerechte Haltung und die Sorge um deren Wohlergehen verzichtet werden. Denn die Tierschutzverordnung gilt nur für Wirbeltiere, Kopffüßler und Panzerkrebse.

"Fliegen können Sie ebenfalls erschlagen", sagt eine Tierlobbyistin, die sich mit diesem Satz aber keinesfalls zitiert sehen will. Auch Marcel Falk vom staatlichen Veterinäramt wiegelt inzwischen ab: "Stubenkontrollen bei Meerschweinchen-Besitzern sind nicht vorgesehen."

Wenn der Amtsschimmel durchgeht...

Dass ihnen der Staat so stark in ihr Leben hineinregiert, sind die Schweizer ganz und gar nicht gewohnt. Entsprechend spöttisch reagieren Teile der Öffentlichkeit: Von "bürokratischem Aktivismus" ist die Rede, "Regulierungswahn" diagnostiziert die Neue Zürcher Zeitung, und der Tages-Anzeiger hört den "Amtsschimmel im Meerschweinchen-Käfig wiehern".

Die Schweizer mögen Tiere, jede zweite Familie hat mindestens eines. Mit den neuen Vorschriften dürften Haustiere aber an Popularität verlieren. Den Tierschützern ist das nur recht: "Wir hoffen, dass es sich die Leute dreimal überlegen, ob sie sich einen Hund zulegen", sagt Alexandra Spring von der "Stiftung für das Tier im Recht". "Besser gar kein Tier im Haus als eines, das nicht artgerecht gehalten wird."