Tiere als Geschenk Warum Tierheime zu Weihnachten eine Adoptionssperre verhängen

Frauchen oder Herrchen wider Willen: Tierheime wollen verhindern, dass unbedacht Hunde oder Katzen verschenkt werden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Leiterin des Hamburger Tierheims erklärt, wie sie unbedachte Spontangeschenke verhindern will - und was die bessere Lösung ist, wenn man ein Tier verschenken möchte.

Interview von Magdalena Pulz

Im Tierheim des Hamburger Tierschutzvereins gibt es eine Adoptionssperre. Vom 20. Dezember an bis einschließlich zum 2. Weihnachtsfeiertag darf man kein Tier aus dem Heim holen. Schon mehr als zehn Jahre hält das Tierheim das so, als eines von vielen in Deutschland. Susanne David arbeitet seit 1992 dort und leitet das Heim seit einem Jahr. 1254 Tiere sind dort derzeit untergebracht. Die Sperre dient dazu, voreilige Tiergeschenke zu verhindern. Im Gespräch erklärt sie, warum sich ihr Haus zu diesem Schritt entschieden hat.

SZ: Eigentlich ist es doch schön, wenn eine Familie ein Tier aus dem Tierheim aufnimmt. Warum verhindern Sie das?

Susanne David: Wir möchten vermeiden, dass Tiere unterm Weihnachtsbaum liegen, die vielleicht gar nicht von allen Familienmitgliedern gewollt sind oder unüberlegt angeschafft wurden. Das sind Tiere, um die sich dann niemand richtig kümmert, oder sie werden einfach wieder zu uns zurückgebracht. Deshalb raten wir: Wer unbedingt ein Tier verschenken will, füllt besser einen Gutschein aus. Dann kann die ganze Familie nach Weihnachten kommen und sich zusammen ein Tier aussuchen.

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Wären die Feiertage nicht ganz praktisch, um einen Hund an ein neues Zuhause zu gewöhnen?

Eine Eingewöhnungszeit von drei, vier Feiertagen, selbst eine Woche reicht sicherlich nicht aus, um einen Hund an eine neue Umgebung zu gewöhnen. Und an jemanden, der nach den Ferien direkt wieder Vollzeit arbeitet, seinen Hund nicht mitnehmen kann und sich alleine um den Hund kümmern möchte, würden wir auch kein Tier vermitteln.

So eine Adoptionssperre stoppt doch niemanden - wer wirklich ein Tier will, holt es sich einfach in einer Tierhandlung.

Klar, das kann man nicht verhindern. Aber als Tierheim sind wir dem Tierschutz und der Aufklärung verpflichtet. Da ist eine Adoptionssperre zumindest ein Signal, das die Leute zum Nachdenken anregt.

Was ist das am häufigsten zurückgegebene Tier?

Katzen und Hunde. Ein Kaninchen, auf das man keine Lust mehr hat, lässt man halt in der Ecke stehen. Da kriegen nur wenige Leute mit, wenn es dem Tier nicht gut geht. Einmal am Tag wirft man Futter rein, das Tier hat kaum Auslauf und der Käfig wird auch nicht regelmäßig sauber gemacht. Das ist nicht wie mit einem Hund, der regelmäßig raus muss. Der mir vielleicht auch was kaputt macht, oder der in die Wohnung pinkelt, wenn ich ihn zu lange alleine lasse.

Susanne David, 26 Jahre Erfahrung in der Vermittlung von Tieren an neue Halter.

(Foto: Hamburger Tierschutzverein)

Machen Sie gar keine Ausnahme?

Höchstens dann, wenn wir uns ganz sicher sind, dass das Tier kein Geschenk sein soll. Zum Beispiel, wenn die Vermittlung schon länger läuft, bei schwierigen Tieren etwa. Dann hat mancher Halter seinen künftigen Hund schon öfter besucht, und wenn dann die Abholung zufällig in die Weihnachtszeit fällt, ist das halt so.

Ist es Menschen, die Tiere direkt nach Weihnachten wieder abgeben, nicht peinlich?

In den allermeisten Fällen outen sich die Menschen nicht, sondern kommen unter einem falschen Vorwand. Viele bringen etwa "Fundtiere" zu uns und wir wundern uns dann, dass sich niemand nach diesen Tieren erkundigt. Wenn ein Haustier vermisst wird, sucht das normalerweise jemand. Da sind wir die erste Anlaufstelle. Und bei einem acht Wochen alten Welpen muss man sich fragen, wie soll so ein kleiner Hund abhauen? Der läuft einem doch eher die ganze Zeit hinterher. Es kommt auch vor, dass Menschen Tiere zurückgeben, die sie ungefragt geschenkt bekommen haben. Oder die Tante gibt dem Neffen ein Tier und hat die Eltern vorher nicht gefragt. Da gab's sogar einmal ein Pferd, das keiner wollte. Die riefen hier an und sagten, sie könnten es nirgends unterbringen.

Und das Pferd hat dann bei Ihnen im Tierheim gelebt?

Das war der Notfallplan. Doch zum Glück haben wir es woanders hin vermitteln können. Das ist ein extremes Beispiel, aber sowas kommt vor. Auch, dass Leute hier am Fischmarkt in Altona ein Huhn kaufen und aus Spaß jemandem schenken - der damit völlig überfordert ist.

Die Tiere, die zurückgegeben werden, freuen die sich, wieder im Tierheim zu sein?

Klar, die freuen sich, wenn sie hierher zurückkommen, gerade bei Hunden merkt man das. Wenn die wieder in unsere Hundeschule kommen oder uns nach der Vermittlung besuchen, gehen die hier freudig rein, wedeln mit dem Schwanz und springen die Tierpfleger an. Wir waren ja nett zu denen. Aber es gibt auch Tiere, die traurig sind, wenn sie wieder hinter Gittern müssen und der Ausflug in ein echtes Zuhause nur kurz war.

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