SZ-Kolumne "Bester Dinge":Schöne Spinnerei

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(Foto: Koen van Weel/ANP/AFP)

Im Amsterdamer Rijksmuseum gehören Spinnweben und Ameisenstraßen zum Ausstellungskonzept, deshalb heißt es nun: Putzen verboten!

Von Titus Arnu

Ist das Kunst oder kann das weg? Diese Frage spaltet Reinigungskräfte und Kulturschaffende schon lange. Eine Installation von Martin Kippenberger wurde 2011 im Dortmunder Museum Ostwall aus einem Gummitrog geschrubbt. Das Werk "Behausung 6/2016" von Romana Menze-Kuhn, das aus zerknüllten Rettungsfolien bestand, landete im Mülleimer. Wie verworren die Lage auf diesem Gebiet ist, zeigt auch der Klassiker dieses Genres, Joseph Beuys' Fettwanne: Das mit Mullbinden und Fett verzierte Werk wurde 1973 versehentlich auf Hochglanz gebracht.

An das Reinigungspersonal des Rijksmuseums in Amsterdam erging nun die Anweisung, keine Staubsauger und Staubwedel mehr zu verwenden. Alle Spinnweben oder Ameisennester sollen für ein paar Monate erhalten bleiben. Im Rahmen einer Ausstellung, die sich mit der Wahrnehmung von Krabbeltieren in Kunst und Wissenschaft befasst, werden Spinnweben auf Wunsch des Künstlers Tomás Saraceno wie Gemälde von Rembrandt oder Vermeer behandelt.

Spinnt der? Ja, das kann man so sagen, ohne ihn zu beleidigen. Saraceno züchtet in seinem Berliner Atelier Spinnen, die Netze für seine filigranen Skulpturen weben. Er gilt im Genre der Natur-Kunst als versierter Strippenzieher und schlägt vor, die Spinnen selbst als Künstler anzuerkennen. In einem offenen Brief für die Rechte der Wirbellosen plädiert er für ein friedliches Zusammenleben mit den nützlichen Tierchen, anstatt sie als Schädlinge zu betrachten. Das ist eine sehr gute Nachricht: Filigran verknüpfte Netzkunst, in mühevoller achtbeiniger Kleinarbeit angefertigt, sollte man nicht achtlos mit dem Besen zerstören.

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