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Lesbisches Pinguin-Paar:Die verliebten Pinguinweibchen und ihr Baby

lesbisches Pinguin-Paar, das vor einer Woche ein Ei im spanischen Ozeaneum Oceanogràfic Valencia adoptiert hat
(Foto: Emilio Badillo/Oceanogràfic Valencia)

Im Ozeaneum in Valencia ist die Freude groß: Zum ersten Mal hat ein gleichgeschlechtliches Pinguin-Paar das Ei eines anderen Paares adoptiert und ausgebrütet. Schaffen es Viola und Electra, das Kleine zusammen großzuziehen?

Von Marija Barišić

Wie Viola und Electra mit dem Ruhm umgehen, ist noch nicht bekannt, aber dieses Posieren für die Fotografen, das ist schon echt anstrengend. Die beiden sind ja jetzt berühmt, ach was, sie sind die derzeit berühmtesten Pinguine der Welt. Viola und Electra, beide Weiblein, sind ein Pärchen, und ihre Geschichte ist ja wirklich herzerwärmend.

Unlängst hatten die beiden Turtelpinguine das Ei eines anderen Paares adoptiert und ausgebrütet. Das frisch geschlüpfte Pinguin-Baby wollen sie jetzt gemeinsam aufziehen - und in Valencia, wo das Paar im Aquarium Oceanogràfic beheimatet ist, ist die Freude natürlich riesengroß: "Zum ersten Mal" in der Geschichte des Oceanogràfic habe ein homosexuelles Pinguin-Paar ein Ei adoptiert, lässt das Aquarium mitteilen.

Dabei ist Homosexualität im Tierreich schon lange nichts Neues mehr. Dem Aquarium Oceanogràfic zufolge kommt die Bildung von gleichgeschlechtlichen Paaren bei mehr als 450 Tierarten vor - und damit es da keine Missverständnisse gibt, "sowohl in der Natur als auch im Zoo".

Homosexuelles Verhalten sei nicht nur bei Pinguinen relativ häufig zu beobachten, sagt die Biologin Ilse Tutter, Zoopädagogin im Münchner Tierpark Hellabrunn. "Sondern bei allen koloniebildenden Vögeln, aber auch bei Giraffen, Löwenmännchen oder etwa Schwänen." Lange habe man das homosexuelle Verhalten im Tierreich allerdings negiert, um zu verhindern, dass dieses als etwas "vollkommen Natürliches" dargestellt werde, so die Biologin. Wobei es wichtig sei, bei Tieren nicht von Homosexualität, sondern von "homosexuellem Verhalten" zu sprechen: "Wir können bei Tieren keine sexuelle Identität feststellen, weil wir die Tiere ja nicht nach ihr fragen, sondern sie nur im Verhalten beobachten können."

Ein Nest aus Kieselsteinen? Typisches Zeichen für Fortpflanzungswunsch!

Ob homosexuelle Tierpaare dann aber auch Lust auf Nachwuchs haben, das sei - wie beim Menschen - von Fall zu Fall unterschiedlich, sagt Tutter. Oft könne das am Verhalten der Tiere beobachtet werden, so wie bei Viola und Electra, die laut Mitarbeitern des Aquariums plötzlich damit angefangen hatten, aus Kieselsteinen ein Nest zu bauen - bei Pinguinen offensichtlich ein typisches Zeichen für den Wunsch nach Fortpflanzung. Die Tierpfleger beschlossen daraufhin, dem Paar das befruchtete Ei eines anderen Pinguinen-Paares unterzujubeln. Wann das kleine Küken geschlüpft ist? Das verrät das Ozeaneum in seiner Mitteilung nicht. Ein bisschen Privatsphäre, bitte!

Und was müssen die beiden Mamas nun tun, um das Küken ordentlich großzuziehen? "Füttern!", sagt Biologin Ilse Tutter. Das könnten gleichgeschlechtliche Tierpaare genauso gut wie heterosexuelle. Bei einigen Tierarten könne es allerdings auch ein Nachteil sein, wenn zwei Weibchen sich um den Nachwuchs kümmern: "Männliche Trauerschwäne etwa sind kräftiger und können die Küken demnach besser verteidigen", so Tutter. Nicht selten komme es vor, dass zwei Männchen sich einen weiblichen Trauerschwan holen, der für sie Eier legt, nur um die Mutter kurz darauf wieder aus dem Nest zu vertreiben und den Nachwuchs selbst aufzuziehen.

Aber keine Angst, liebe Viola und liebe Electra, bei Pinguinen ist das nicht der Fall. Weibliche Pinguine seien nur minimal schwächer als ihre männlichen Artgenossen, sagt Tutter. Weshalb die beiden ihr Kleines mindestens genauso gut gegen Eindringlinge verteidigen werden. Ihrem Baby-Glück steht damit rein gar nichts mehr im Wege. Also: Herzlichen Glückwunsch!

© SZ/moge

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