Nach dem schweren Erdbeben in den Ausläufern des Himalaya-Gebirges sind mehr als 400 Verschüttete gerettet worden. Das berichteten chinesische Staatsmedien am Mittwoch unter Berufung auf die örtlichen Behörden. Mehr als 30 000 Menschen seien in Sicherheit gebracht worden.
Die Suche nach Überlebenden dauert den Angaben zufolge an. Rund 24 Stunden nach dem Beben drohen den noch immer eingeschlossenen Menschen Unterkühlung und Dehydrierung. Die Temperaturen in der hochgelegenen Region fielen in der Nacht auf bis zu minus 18 Grad Celsius.
Bei dem Erdbeben der Stärke 6,8 kamen nach Behördenangaben mindestens 126 Menschen ums Leben. Zudem seien mindestens 166 weitere Menschen verletzt worden. Mehr als 1000 Häuser seien beschädigt worden, heißt es.
Erschütterungen in der ganzen Region zu spüren
Die Erschütterungen waren bis weit über die autonome chinesische Region Tibet hinaus zu spüren: Selbst in der etwa 400 Kilometer entfernten nepalesischen Hauptstadt Kathmandu rannten Bewohner aus ihren Häusern. Auch im benachbarten Nepal, Bhutan und Nordindien war das Beben zu spüren. Das Geologische Institut der USA bezifferte die Stärke des Bebens sogar auf 7,1.
Es ereignete sich am Dienstag gegen neun Uhr morgens (Ortszeit) in der Region um die Stadt Shigatse (Xigazê) auf der Nordseite des Himalaya, wie das chinesische Erdbebenzentrum mitteilte. Das Epizentrum lag in einer Tiefe von zehn Kilometern. Nach Angaben des chinesischen Staatsfernsehens CCTV liegen sechs Dörfer im Umkreis von fünf Kilometern um das Epizentrum. Laut Xinhua leben etwa 20 Kilometer um das Epizentrum etwa 6 900 Menschen. Die Behörden stünden in engem Kontakt mit den Gemeinden, um die Auswirkungen des Bebens abzuschätzen.
Auch in Bhutans Hauptstadt Thimphu und im indischen Bundesstaat Bihar, der an Nepal grenzt, waren die Erdstöße zu spüren. „Wir haben ein sehr starkes Erdbeben gespürt. Bisher haben wir keine Berichte über Verletzte oder Sachschäden erhalten“, sagte Anoj Raj Ghimire, Bezirksvorsteher des Distrikts Solukhumbu in Nepal, am Fuße des Mount Everest. Sicherheitskräfte und die lokale Bevölkerung seien mobilisiert worden, um Informationen über mögliche Schäden zu sammeln.

Das Gebiet ist ein Ausgangspunkt für Trekking-Touren zum etwa 80 Kilometer entfernten Mount Everest, dem höchsten Gipfel der Erde. Nach dem Beben schlossen die Behörden den Landschaftspark für Touristen. Shigatse ist zudem Sitz des Pantschen-Lama, einer der wichtigsten Persönlichkeiten des tibetischen Buddhismus.
Die südwestlichen Teile Chinas, Nepals und Nordindiens werden häufig von Erdbeben heimgesucht, die durch die Kollision der indischen und der eurasischen Erdplatte verursacht werden. Im Jahr 2008 kamen bei einem verheerenden Erdbeben in der chinesischen Provinz Sichuan fast 70 000 Menschen ums Leben. Im Jahr 2015 forderte ein Erdbeben der Stärke 7,8 in der Nähe von Kathmandu im benachbarten Nepal rund 9000 Todesopfer.

