bedeckt München 15°

Thronfolger Willem-Alexander:Tochter eines Diktatorenhelfers als Königin der Niederlande?

Sein Examen hatte Willem-Alexander schon zwei Jahre zuvor mit der Gesamtnote "befriedigend" abgelegt - und den Niederländern ein ganz eigenes Politiker-als-Wissenschaftler-Skandälchen beschert. Der Königssohn lehnte es ab, dass seine Abschlussarbeit wie üblich in der Universitätsbibliothek ausgelegt wurde. Mutmaßlicher Grund: mangelnde Qualität. "Ach, eigentlich wussten wir schon alles, die Arbeit enthält keine Sensation", sagte der betreuende Professor des Prinzen damals, der seinen Studenten als "intelligent aber nicht intellektuell" charakterisierte.

Königin Beatrix dankt ab

Hüterin der Kopftorten

Doch so groß die Zweifel an der Herrschaftskompetenz des großen blonden Mannes bisweilen waren, irgendwann in den Jahren nach dem Studium schien er endgültig für sich die Entscheidung getroffen zu haben, sich in Würden den Bürden seines zukünftigen Amtes zu ergeben. Nach einem gescheiterten Ehrenamt im skandalumwitterten Internationalen Olympischen Kommitee widmete sich der Prinz der deutsch-niederländischen Versöhnung und der Problematik der weltweiten Wasserknappheit. Zweifellos wichtige Themen, und so wurde das Engagement des Thronfolgers durchweg positiv aufgenommen.

Stilkritik: Kronprinzessin Máxima

Prinzessin zum Pferdestehlen

Es wurde ruhiger um "Prinz Pils", ja, fast ein bisschen langweilig. Bis sich Willem-Alexander 2001 mit dem einzigen richtigen Skandal seines Lebens zurückmeldete: seiner Verlobung mit der argentinischen Bankerin Máxima Zorreguieta. Im April 1999 hatte er sie bei einem Fest im spanischen Sevilla kennengelernt, auf dem Eis hinter dem Haager Königsschloss hielt er um ihre Hand an. Der Skandal war nicht, dass sie eine Bürgerliche war. Auch nicht, dass sie Katholikin war oder keine Niederländerin. Sondern dass sie die Tochter von Jorge Zorreguieta war: Landwirtschaftsminister in der gefürchteten argentinischen Militärjunta von Jorge Videla. Die Tochter eines Diktatorenhelfers als Königin der Niederlande?

So rigoros sich Königin Beatrix sonst bei ihrem Privatleben zurückhielt, so vorbehaltlos stellte sie sich nun hinter ihren ältesten Sohn. Und Máxima tat alles, um die Niederländer für sich zu gewinnen: Sie lernte binnen kürzester Zeit ihre Sprache, tourte an der Seite ihres Verlobten durch jeden Winkel seines Reiches, lächelte und lächelte. In das Gästebuch des Amsterdamer Stadttheaters, wohin während des Zweiten Weltkriegs viele Juden vor ihrer Deportation gebracht wurden, schrieb sie: "Lasst das 21. Jahrhundert ein Jahrhundert des Vergebens werden. Aber vergessen dürfen wir niemals."

Erst nachdem ihr umstrittener Vater Ministerpräsident Wim Kok zugesichert hatte, den Feierlichkeiten in Europa fernzubleiben, stimmte das niederländische Parlament der Eheschließung zu - das muss es, damit der Thronfolger je König werden darf.

Seit der Trauung im Kleid von Valentino und mit der sechsspännigen Hochzeitskutsche von Willem-Alexanders Großmutter Wilhelmina sind elf Jahre vergangen. Inzwischen hat das Paar drei Töchter - Catharina-Amalia, Alexia und Ariane. Máxima ist nicht nur bei den Niederländern so beliebt wie nie, sondern führt auch in Deutschland Umfragen zu den populärsten Prinzessinnen an. Und der einzige Skandal, den sich Willem-Alexander noch zuschulden kommen lässt, ist ein Foto, dass ihn während der Olympischen Spiele im Peking beim Nasebohren zeigt.

Die Jahrzehnte des Wartens auf den Thron - denn anders als etwa sein Bruder im Geiste, Prinz Charles, ging Willem-Alexander stets davon aus, irgendwann König zu werden - dürften den künftigen Regenten der Niederlande verändert haben. Vor vielen Jahren hat er einmal gesagt, er wolle sich als Monarch eher am entspannteren Stil seiner Großmutter Juliana orientieren als an der distinguierten Zurückhaltung seiner Mutter. Was dem ersten männlichen Nachkommen im Königshaus nach 116 Jahren von diesem guten Vorsatz geblieben ist, werden die Niederländer schon bald beobachten können.