Grundschule in Texas:Gouverneur sagt Teilnahme an Waffenlobby-Treffen ab

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Grundschule in Texas: Kreuze für die getöteten Grundschulkinder: Eine Frau am Gedenkort in Uvalde.

Kreuze für die getöteten Grundschulkinder: Eine Frau am Gedenkort in Uvalde.

(Foto: Dario Lopez-Mills/AP)

Dennoch will er sich in einer Videobotschaft an die Teilnehmer wenden. Unterdessen wächst die Kritik an der Polizei. Sie konnte den Attentäter offenbar erst nach einer Stunde überwältigen.

Der republikanische Gouverneur von Texas, Greg Abbott, hat US-Medienberichten zufolge seine Teilnahme an der Jahrestagung der mächtigen Waffenlobby NRA abgesagt. Stattdessen werde er am Freitag an einer Pressekonferenz im texanischen Uvalde teilnehmen, berichteten mehrere US-Medien unter Berufung auf das Büro des Gouverneurs. In der Kleinstadt hat ein 18-Jähriger am Dienstag in einer Grundschule 19 Kinder und zwei Lehrerinnen getötet, bevor er von der Polizei erschossen wurde.

Der frühere US-Präsident Donald Trump hatte seinen Auftritt bei der Tagung der Waffenlobby-Organisation nach dem Massaker bestätigt. "Amerika braucht in diesem Moment echte Lösungen und echte Führung, nicht Politiker und Parteilichkeit", schrieb er auf der von ihm mitbegründeten Social-Media-Plattform Truth Social. Abbott, so heißt es in den Medienberichten, werde sich dagegen per Videobotschaft an die Teilnehmer wenden.

Auf der Internetseite der NRA stand Abbott in der Nacht zum Freitag zunächst noch als bestätigter Redner auf dem Programm. Nach dem Massaker an der Grundschule hatten Medienberichten zufolge mehrere Musiker ihre Auftritte bei der Veranstaltung abgesagt. Abbotts Absage kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das Massaker die nationale Debatte über den Zugang zu Schusswaffen neu entfacht hat.

Bei einer früheren Pressekonferenz Abbotts zu dem Amoklauf war es zu einem politischen Eklat gekommen. Der Demokrat Beto O'Rourke hatte am Mittwoch die laufende Pressekonferenz Abbotts unterbrochen und diesen für seine Haltung zu den Waffengesetzen im Land kritisiert. O'Rourke, der im November bei der nächsten Gouverneurswahl in Texas als Herausforderer gegen Abbott antreten will, warf dem Republikaner vor, nichts gegen die grassierende Waffengewalt in den USA zu unternehmen. Abbott reagierte nicht auf die Vorwürfe. Er hatte bei der Pressekonferenz argumentiert, strengere Gesetze seien nicht die Lösung, um Taten wie in Uvalde zu verhindern.

Sicherheitskräfte seien vor Ort gewesen, aber zunächst nicht in das Klassenzimmer gegangen

Mittlerweile nimmt auch die Kritik an dem Polizeieinsatz an der Grundschule in Uvalde immer weiter zu. Denn der Todesschütze hat offiziellen Angaben zufolge rund eine Stunde in dem Klassenzimmer verbracht, in dem er das Blutbad anrichtete. Erst dann sei Verstärkung eingetroffen und habe den Amokläufer ausschalten können, sagte Victor Escalon vom Ministerium für öffentliche Sicherheit in Texas bei einer Pressekonferenz am Donnerstag.

Der 18 Jahre alte Attentäter habe etwa um 11.40 Uhr (Ortszeit) am Dienstag die Schule in der Kleinstadt Uvalde und schließlich ein Klassenzimmer in der Nähe des Eingangs betreten. Sicherheitskräfte seien vor Ort gewesen, aber zunächst nicht in das Klassenzimmer gegangen, weil sie beschossen worden seien. Die Polizisten hätten dann Verstärkung angefordert, so Escalon. Ihnen habe es an Spezialausrüstung gefehlt. Sie hätten Schulkinder und Lehrkräfte in Sicherheit gebracht und versucht, mit dem Schützen zu verhandeln. Dieser habe einen Großteil der Schüsse ganz zu Anfang abgefeuert.

"Während der Verhandlungen wurde nicht viel geschossen, außer dass er versuchte, die Polizisten auf Abstand zu halten", sagte Escalon. Es wurde außerdem bekannt, dass die Schule nicht abgeschlossen war. Die Polizei sei bereits gerufen worden, als Zeugen den bewaffneten Schützen vor der Schule gesehen hätten.

Zuletzt hatte es lautstarke Kritik von Eltern am Vorgehen der Einsatzkräfte gegeben. Sie werfen der Polizei vor, zu lange untätig gewesen zu sein. Es sei eine "komplexe Situation" gewesen, sagte Escalon. Er bat um mehr Zeit, um die Ereignisse genauer zu analysieren.

Ehemann getöteter Lehrerin offenbar an Herzinfarkt gestorben

Derweil berichten mehrere US-Medien, dass auch der Ehemann einer der getöteten Lehrerinnen gestorben sei. Der etwa 50-Jährige habe am Donnerstagmorgen eine Gedenkstätte für seine Ehefrau besucht, um Blumen abzulegen, zitierte die New York Times einen Neffen der Lehrerin. Als der Mann wieder nach Hause kam, sei er einfach umgefallen. Das Paar war den Berichten nach rund 24 Jahre verheiratet und hinterlässt vier Kinder.

Auf einer eingerichteten Spendenseite schrieb eine Frau, bei der es sich um eine Cousine der getöteten Lehrerin handeln soll, dass der Ehemann infolge eines medizinischen Notfalls gestorben sei. Der Sender ABC berichtete, dass der Ehemann an einem Herzinfarkt gestorben sei.

Biden will am Sonntag nach Texas reisen

Das Schulmassaker fachte die Debatte über schärfere Waffengesetze in den USA erneut an. Präsident Joe Biden hatte mit deutlichen Worten schärfere Waffengesetze gefordert. Entsprechende Initiativen seiner Demokraten scheitern jedoch regelmäßig am Widerstand der Republikaner und an der mächtigen Waffenlobby. "Das waren Grundschulkinder, sie sollten ihre ersten Zähne verlieren, nicht ihr Leben", sagte Bidens Sprecherin Karine Jean-Pierre. Sie kündigte an, dass der US-Präsident am Sonntag in Begleitung seiner Ehefrau Jill nach Uvalde reisen wolle.

Grundschule in Texas: Herzogin Meghan reiste am Donnerstag nach Uvalde.

Herzogin Meghan reiste am Donnerstag nach Uvalde.

(Foto: CHANDAN KHANNA/AFP)

Am Donnerstag gedachte dort ein anderer prominenter Gast der Opfer. Herzogin Meghan besuchte die kleine Gemeinde und legte Blumen nieder. Die 40-Jährige sei in ihrer persönlichen Rolle als Mutter nach Uvalde gereist, erklärte eine Sprecherin. Die Ehefrau von Prinz Harry hat mit dem Queen-Enkel zwei kleine Kinder - Archie und Lilibet.

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