SZ-Serie "Ein Anruf bei ...":Treffen sich 2326 Kyles

SZ-Serie "Ein Anruf bei ...": Kyle ist nicht nur die selbsternannte Kuchen-Hauptstadt von Texas, sondern hat auch einen hübschen Wasserturm zu bieten.

Kyle ist nicht nur die selbsternannte Kuchen-Hauptstadt von Texas, sondern hat auch einen hübschen Wasserturm zu bieten.

(Foto: Masterfile / Jeremy Woodhouse/mauritius images / Masterfile /)

Im Städtchen Kyle in Texas sollen am Wochenende möglichst viele Menschen namens Kyle zusammenkommen - für einen Weltrekord. Die Organisatorin appelliert auch an deutsche Namensträger: Macht euch auf den Weg.

Interview von Marcel Laskus

Die kleine Stadt Kyle im US-Bundesstaat Texas will einen Weltrekord brechen. Am Wochenende sollen sich mindestens 2326 Menschen in der Stadt versammeln, die den Vornamen Kyle tragen. Bisher liegt der Guinness-Rekord für ein Treffen gleichnamiger Menschen in Bosnien-Herzegowina, wo 2017 einmal 2325 Männer mit dem Namen Iwan zusammenkamen. Geht der Titel also bald nach Texas? Mariana Espinoza, Tourismuschefin von Kyle, rührt im Telefonat mit der SZ ein letztes Mal die Werbetrommel.

SZ: Frau Espinoza, warum machen Sie das?

Mariana Espinoza: Unsere Stadt heißt Kyle. Wir dachten uns, es wäre eine schöne Idee, einmal alle Kyles in Kyle zusammenzubringen. Es wird eine Bühne und Musik geben. Außerdem gibt es einen Wettbewerb, wer die besten Margaritas machen kann. Es ist ein kleines Festival, drei Tage lang. Der Eintritt ist kostenlos.

Wer nicht gerade in Texas wohnt, für den kann es ein weiter Weg sein nach Kyle. Was macht Sie so sicher, dass genug Kyles kommen?

Wir wissen nicht, wie viele Kyles kommen werden. Aber ich kann Ihnen eines sagen: Wir bekommen jeden Tag Anrufe und Mails von interessierten Kyles. Die New York Times berichtete über uns. Wir brauchen 2326 Kyles, um den Rekord von 2017 zu schlagen.

Gibt es Kyles, auf die Sie auf jeden Fall setzen können?

Unser Feuerwehrchef heißt Kyle.

SZ-Serie "Ein Anruf bei ...": Mariana Espinoza, die in Kyle ein Treffen von Menschen namens Kyle organisiert Foto: City of Kyle

Mariana Espinoza, die in Kyle ein Treffen von Menschen namens Kyle organisiert Foto: City of Kyle

(Foto: City of Kyle)

Was sind die Voraussetzungen, um mitzumachen? Reicht es schon, dass ich mich als Kyle identifiziere?

Zunächst müssen Sie ein Mensch sein. Tiere namens Kyle zählen nicht. Außerdem muss Kyle der erste Vorname sein. Die Leute müssen uns ihren Ausweis zeigen. Wir hatten schon Leute, die enttäuscht waren, weil sie Kyle nur mit Zweit-, Dritt- oder Nachnamen heißen. Das reicht aber leider nicht.

Werden Sie am Wochenende "Kyle"-rufend durch die Stadt ziehen und schauen, wie viele Leute sich gleichzeitig umdrehen?

Wir haben darüber nachgedacht (lacht). Aber das brauchen wir gar nicht: Wer dabei ist, bekommt ein Shirt, auf dem steht: "My name is Kyle". Übrigens muss man Kyle heißen, also in genau dieser Schreibweise. K-Y-L-E. Kylie Minogue darf also nicht mitmachen.

Zum Namen Kyle gehören in den USA einige Klischees. Die New York Times beschreibt Leute, die so heißen, als "aggressive junge Männer, die Monster-Energy-Drinks mögen und gegen Wände schlagen". Macht Sie das nicht nervös, wenn Hunderte, vielleicht Tausende Kyles durch Ihre Straßen laufen?

Nein, das sind doch nur Witze. Wir heißen alle Kyles willkommen. Alle Kyles, die ich kenne, sind sehr freundlich.

Was hat Ihre Stadt den Besucher-Kyles zu bieten?

Wir sind die bekannte Kuchen-Hauptstadt von Texas. Wir waren mal klein, aber wachsen schnell. Es könnten sich aber noch einige Kyles hier niederlassen.

Es gibt etliche andere Städte in Texas, die ebenfalls verbreitete Vornamen tragen. Anna, Josephine, Leonard. Haben Sie Sorge, dass Sie den Rekord bald wieder verlieren?

Darüber denken wir nicht nach. Wir müssen uns den Rekord erst mal holen, bevor wir darüber nachdenken, ihn zu verteidigen.

In Deutschland ist der Name nicht sehr verbreitet, dennoch gibt es wohl auch hier ein paar Leute, die so heißen. Was ist Ihre Botschaft an die Kyles in Deutschland?

Leider haben wir kein Budget, um Sie bei Ihrer Anreise zu unterstützen. Aber: Sie sind herzlich willkommen in Kyle! Kommen Sie vorbei!

Zuletzt noch eine persönliche Frage an Sie: Waren Sie je auf den Mariana Islands?

Nein. Aber wenn ich könnte, würde ich sofort hin!

Weitere Folgen der SZ-Serie "Ein Anruf bei ..." finden Sie hier.

Zur SZ-Startseite

Hitler-Rede im Zug
:Die Macht des Vierkantschlüssels

In Österreich war plötzlich Hitler im Railjet zu hören. Die Akustik-Terroristen hatten die Sprechstelle im Zug mit einem Standardwerkzeug geöffnet. Droht jetzt Gefahr für die Demokratie?

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: