Teneriffa Vater soll Frau und Sohn in Höhle erschlagen haben

  • Ein Fünfjähriger wird von einer Einheimischen in den Bergen Teneriffas aufgefunden. Er berichtet von einer Attacke des Vaters auf Bruder und Mutter.
  • Nach einer groß angelegten Suche finden die spanischen Behörden die beiden tot in einer Höhle auf.
  • Die Polizei verhaftet den Vater, dieser streitet die Vorwürfe ab.
Von Thomas Urban, Madrid

Am Mittwoch entdeckten Suchtrupps von Feuerwehr und Polizei die Leichen einer 39-jährigen Deutschen und ihres zehnjährigen Sohnes in einer Höhle im Südwesten Teneriffas. Am Donnerstag nun hat die spanische Polizei erste Ergebnisse der Ermittlungen bekannt gemacht. Offenbar hat sich auf der Kanareninsel eine Familientragödie ereignet. Die beiden Toten seien erschlagen worden, als dringend tatverdächtig gelte der 43-jährige Familienvater. Der zweite Sohn der aus Sachsen-Anhalt stammenden Familie, fünf Jahre alt, war es, von dem die entscheidenden Hinweise kamen, die zur Verhaftung des Vaters führten.

Der Fünfjährige hatte vom Tatort fliehen können. Offenbar waren die Eltern zuvor über die bevorstehende Scheidung und das Sorgerecht für die Kinder in Streit geraten. Die Frau war mit den beiden Söhnen erst am Montag auf Teneriffa eingetroffen, wo der Familienvater seit einiger Zeit in der Gemeinde Adeje lebte, nach Angaben des Bürgermeisteramtes aber nicht gemeldet war.

Die spanischen Behörden hatten irrtümlicherweise zunächst ein Familienfoto veröffentlicht, das vom Facebook-Konto eines Mannes mit demselben Namen aus Traunstein in Oberbayern stammt.

Nachbarn des Mannes berichteten lokalen Medien, dass die Frau und die beiden Söhne, die ständig in Deutschland lebten, ein paar Ferientage bei ihm verbringen wollten. Der Mann habe ein unauffälliges Leben geführt, er habe mit niemandem im Ort näheren Umgang gepflegt. Nach Angaben der Polizei war er bislang weder in den deutschen noch in spanischen Strafregistern geführt.

Der Vater will von einer Attacke nichts wissen

Der Fünfjährige war am Dienstagnachmittag von einer Einheimischen auf einem Pfad in den Bergen sieben Kilometer östlich von Adeje entdeckt worden, zufällig. Er habe geweint, sei völlig verstört gewesen, seine Kleidung verschmutzt, offenbar war er hingefallen. Da sie sich mit ihm nicht verständigen konnte, brachte sie ihn zu einer Nachbarin, die Deutsch spricht. Dort erzählte der Junge, sein Vater habe die Mutter und den Bruder geschlagen. Er selbst sei deshalb weggelaufen.

Die beiden Frauen brachten den Jungen daraufhin zur örtlichen Polizei, die seinen Angaben schnell entnahm, wer sein Vater ist. Zwei Beamte klingelten diesen aus dem Schlaf. Der Mann berichtete, die Familie haben einen Ausflug in die Berge gemacht, er habe seine Frau und die beiden Söhne nach einem Streit zum Aussteigen aus dem Auto gedrängt und sei davongefahren. Er habe nach seiner Rückkehr zu seinem Haus ein Beruhigungsmittel genommen und sich hingelegt. Mehr wisse er nicht.

Die Polizei suchte daraufhin mit einer Hundertschaft und einem Hubschrauber nach den beiden zunächst als vermisst Geltenden. Anhaltspunkt waren die vagen Angaben des Jungen und jener Ort, an dem er aufgefunden worden war. Anhaltender Nebel und die Vielzahl kleinerer und größerer Höhlen im Südwesten der Insel erschwerten die Suche. Sie dauerte 24 Stunden und brachte schließlich die erschütternde Gewissheit vom Tod der beiden Gesuchten. Ihre Leichen sollen zahlreiche Verletzungen aufgewiesen haben, die von Schlägen herrührten.

Was ein Polizeipsychologe mithilfe eines Übersetzers von dem fünfjährigen Sohn in Erfahrung gebracht hat, legt weitere Zweifel an der Version des Vaters nahe: Offenbar habe der Junge geschildert wie die Mutter nach der Attacke des Vaters stark geblutet und Zähne ausgespuckt habe und schließlich gestürzt sei. Der Junge sei daraufhin fortgerannt. Die Befragung des Jungen ergab auch, dass dieser nichts von der bevorstehenden Trennung der Eltern gewusst habe.

Der örtliche Polizeikommandant ließ den Vater aufgrund der Erzählungen des Jungen verhaften. Dabei habe sich dieser heftig gewehrt und bei der Vernehmung abgestritten, für den Tod seines älteren Sohnes und seiner Frau verantwortlich zu sein. Doch Wunden in seinem Gesicht und an den Händen - die Ermittler halten sie für Kampfspuren - sprechen ebenfalls gegen ihn.

Vor Gericht Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen gegen Jugendamt ein

Missbrauchsfall in Staufen

Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen gegen Jugendamt ein

Der Staufener Missbrauchsfall hatte eine Debatte über Behördenversagen ausgelöst. Gegen einen Behördenmitarbeiter wurde ermittelt. Eine strafrechtlich relevante Mitverantwortung trifft ihn nicht, heißt es nun.