Süddeutsche Zeitung

Hitze und Waldbrände:Auf Sizilien steigt das Thermometer auf 48,8 Grad

So heiß war es am Mittwochmittag nahe der Stadt Syrakus. Es könnte ein europäischer Rekordwert sein. In Griechenland regnet es dagegen endlich - das hilft beim Kampf gegen die Brände.

Es war genau 13.14 Uhr an diesem Mittwochnachmittag, als an einer Wetterstation nahe der sizilianischen Stadt Syrakus das Thermometer 48,8 Grad anzeigte. Sicher, Hitze, auch große Hitze sind sie gewöhnt auf Sizilien. Dass im August mehr als 40 Grad herrschen, ist normal. Doch fast 50 Grad?

"Es ist ein Rekord, der uns besorgt", sagte der Bürgermeister von Syrakus, Francesco Italia, der italienischen Zeitung La Repubblica. "Unser Ökosystem, eines der reichsten und kostbarsten in Europa ist in ernster Gefahr."

48,8 Grad, noch nie ist in Europa eine höhere Temperatur gemessen worden. Der bisherige Rekord stammt von 1956, wie die Weltwetterorganisation (WMO) in Genf am Donnerstag bestätigte. Damals wurden 48 Grad in Athen und Elefsina in Griechenland gemessen. 48,5 Grad wurden dann am 10. August 1999 in Sizilien, nahe der Stadt Enna in der Mitte der Insel gemeldet. Allerdings wurde die Temperatur damals an einer privaten und keiner offiziellen Station gemessen.

Jetzt also: 48,8 Grad. Noch ist der Wert nicht offiziell bestätigt. Noch ist also nicht klar, ob der Wert von Syrakus tatsächlich ein Rekordwert ist. Die WMO sei über die Messung auf Sizilien informiert und schaue sich die Details an, sagte eine Sprecherin der Nachrichtenagentur dpa. Der Vorsitzende des Ausschusses, der Wetterrekorde prüft, verweist aber darauf, dass auch die Messung aus Syrakus nicht von einer offiziellen Stelle - also nicht vom italienischen Wetterdienst, der vom Militär betrieben wird - vorgenommen wurde. Die Prüfungen der WMO dauern meist mehrere Monate.

Regen in Griechenland

Fest steht aber schon jetzt, dass die Hitzewellen dieses Sommers verheerende Auswirkungen haben. Nicht nur auf Sizilien. In vielen südeuropäischen Ländern - in Griechenland, in der Türkei, in Italien, in Algerien - wüten große Waldbrände.

Immerhin: In Griechenland, wo die Feuer besonders heftig tobten, können sie nun ein wenig aufatmen: Regenfälle haben in der Nacht zum Donnerstag bedeutend beim Kampf gegen die Flammen geholfen. Sowohl auf der zweitgrößten Insel Euböa als auch auf der Halbinsel Peloponnes erloschen nach übereinstimmenden Berichten von Reportern vor Ort viele Brände. Es sei viel besser, sagten auch mehrere Bürgermeister auf der Halbinsel Peloponnes im Staatsrundfunk. In vielen Fällen empfingen Autofahrer die ersten Regentropfen mit Hupkonzerten, wie der Nachrichtensender Skai berichtete.

Die Dürre war der Hauptgrund für die verheerenden Brände, bei denen ersten Schätzungen zufolge mehr als 90 000 Hektar Wald und landwirtschaftlich genutztes Land sowie Tausende Häuser zerstört wurden. Die Feuerwehr warnte jedoch, die Gefahr sei noch nicht vorbei. In vielen Fällen brannte es noch im Unterholz und neue Brände könnten ausbrechen. Zudem wehten landesweit starke Winde. Der Wetterumschwung hatte auch noch etwas anderes zur Folge: Durch zahlreiche Blitze wurden kleinere Feuer im Westen Athens und auf der Halbinsel Chalkidiki im Norden des Landes entfacht. Diese konnten aber schnell gelöscht oder unter Kontrolle gebracht werden. Alle Feuerwehreinheiten aus mehr als 20 Nationen blieben am Donnerstagmorgen in höchster Alarmbereitschaft.

Was Italien betrifft, dürfte die Hitze auch in den kommenden Tagen anhalten und sogar noch extremer werden. Das Gesundheitsministerium in Rom gab für Donnerstag und Freitag die höchste Hitzewellen-Warnstufe für viele italienische Städte heraus. Extrem heiß mit Temperaturen von mehr als 38 Grad soll es in der Hauptstadt Rom, in Bari an der Adria und in Palermo auf Sizilien werden. Selbst für Triest im äußersten Nordosten Italiens erwarten die Meteorologen große Hitze.

Diese Hitze, die extreme Trockenheit und der starke Wind in vielen Regionen fachen die Waldbrände immer wieder an. Auf der italienischen Insel Sizilien scheint sich die Waldbrandlage zwar gebessert zu haben. Die Feuerwehr berichtete am Donnerstagmorgen, dass die Situation derzeit unter Kontrolle sei. In der Region Kalabrien im äußersten Süden des italienischen Festlandes sprach die Feuerwehr dagegen von einer kritischeren Lage. Dort starben am Mittwoch zwei Rentner im Zusammenhang mit den Bränden. Vor allem in der Gegend der Metropolitanstadt Reggio Calabria und der Provinz um Catanzaro loderten viele Brände.

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