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Tempelritter rehabilitiert:Ordentlicher Orden

Der Vatikan hat einen Beweis vorgelegt, wonach die Tempelritter doch keine Ketzer waren. Das Kuriose daran: Bereits vor 700 Jahren hatte Papst Clemens V. dem Orden Absolution erteilt.

Erst raubte er ihnen die Ehre, dann rottete er sie aus. Im Jahr 1307 entfesselte Philipp der Schöne eine Schmutzkampagne gegen einen der einflussreichsten Orden der Zeit - die "Arme Ritterschaft Christi vom Salomonischen Tempel", kurz Templerorden genannt.

(Foto: Foto: oh)

Der französische König beschuldigte die mönchischen Ritter mit dem roten Kreuz auf dem weißen Mantel, sie seien Ketzer. In einer Blitzaktion ließ er alle Templer in seinem Herrschaftsbereich einkerkern und ihr Vermögen beschlagnahmen. Dann brachte er Papst Clemens V., einen in Avignon residierenden Franzosen, dazu, den Orden aufzulösen. Bald darauf wurde der letzte Großmeister, Jacques de Molay, als Ketzer in Paris verbrannt.

700 Jahre später erhalten die Tempelritter ihre Ehre von berufener Stelle zurück. Das Vatikanische Geheimarchiv wird am 25. Oktober ein Buch vorstellen, das es in sich hat. Das Werk trägt den Titel "Processus contra Templarios" und wird in 799 Exemplaren verlegt.

Es enthält Reproduktionen der Prozessakten gegen die Tempelritter. Glanzstück aber ist ein brisantes Dokument, das "Pergament von Chinon". Darin erteilt Papst Clemens V. dem Großmeister und den anderen Würdenträgern der Templer die Absolution. Zugleich erlaubte er ihnen, wieder die Sakramente zu empfangen. "Das ist der Beweis, dass die Templer keine Ketzer waren", sagte Barbara Frale vom Vatikanischen Geheimarchiv jetzt der Zeitung Giornale. Die Templer wurden folglich zu Unrecht verfolgt und ausgelöscht.

Die 37 Jahre alte Italienerin hat das Dokument bereits vor ein paar Jahren in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo entdeckt. "Ich konnte es selbst nicht glauben, was ich da gefunden habe", sagte sie. Das Pergament war unter einem späteren Jahrhundert registriert worden und daher verschollen.

Das Kreuz bespuckt

Zusammen mit anderen Schriften, die nun veröffentlicht werden, dokumentiert es, wie Papst Clemens V. unabhängig vom König die Vorwürfe gegen die Templer untersuchte. Dazu ließ er die in der Burg Chinon an der Loire eingekerkerten Ordensoberen befragen. Am Ende akzeptierte er deren Buße und die Versicherung, sie seien keine Ketzer.

Den Dokumenten zufolge praktizierten die Templer seltsame Rituale. Dabei bespuckten sie das Kreuz und verleugneten Christus. Das kam dem König, dem die Macht der Templer suspekt war, gelegen, um seine Vorwürfe zu konstruieren. Die Ritter aber überzeugten den Papst, ihre Riten seien nicht blasphemisch gemeint. Sie sollten nur die Erniedrigungen demonstrieren, denen Templer ausgesetzt wurden, wenn sie von den Sarazenen gefangen wurden.

Der päpstliche Spruch nutzte den Rittern aber nichts. Philipp der Schöne hatte den Papst in der Hand und erzwang die Vernichtung des Ordens. Um die Templer aber sprossen fortan die Legenden wie die Ranken um Dornröschen. So hieß es, sie hätten die jüdische Bundeslade gefunden, den Heiligen Gral besessen und Silber in Gold verwandelt. Romane und Verschwörungstheorien nähren sich bis heute vom Mythos der Templer, etwa Dan Browns "Sakrileg".

Zudem berufen sich allerlei Gruppen - von christlichen Gemeinschaften bis zu Logen und esoterischen Vereinen - auf den Namen der Templer. Der alte Orden aber ist tot. Nicht Macht und Reichtum, nur die Ehre kann er zurückerlangen.

Doch das wäre Jacques de Molay und seinen Rittern womöglich nicht so wichtig gewesen. Schließlich lautete ihr Motto: "Nicht uns, oh Herr, nicht uns, sondern Deinem Namen gib Ehre!"