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"Haussklavin"-Prozess:Neun Jahre Haft nach Geständnis

Im Fall der "Haussklavin" von Haßmersheim haben die zwei Angeklagten ausgesagt - und die Geiselnahme einer jungen Frau gestanden. Das Gericht kam danach viel schneller als ursprünglich geplant zu seiner Entscheidung.

Eigentlich waren vier Prozesstage angesetzt, doch der Richter am Landgericht Mosbach hatte keine Zweifel und entschied bereits nach den Aussagen der Angeklagten am zweiten Prozesstag: Im Fall der "Haussklavin von Haßmersheim" wurden mehrjährige Haftstrafen gegen das Ehepaar Horst K. und Lilia K. verhängt.

Haussklaven-Fall

Haßmersheim in Nordbaden: In diesem Haus soll ein Paar eine damals 20-Jährige ein Jahr lang wie eine Sklavin gefangen gehalten haben.

(Foto: dpa)

Weil er in seinem Haus in Haßmersheim eine heute 21 Jahre alte Frau eingesperrt und misshandelt hat, verurteilte das Gericht den 51-jährigen Ehemann zu acht Jahren und zehn Monaten Gefängnis. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

Lilia K. erhielt eine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren. Die beiden hatten die aus Würzburg stammende Ex-Freundin ihres Sohnes bei sich zu Hause wie eine Sklavin gefangen gehalten und dabei auch körperlich misshandelt.

Geiselnahme und Körperverletzung

Nachdem es die Vorwürfe zum Prozessauftakt noch bestritten hatte, legte das Ehepaar am Montag nach Angaben einer Gerichtssprecherin ein Geständnis ab. Der gegen den Ehemann erhobene Vorwurf der sexuellen Nötigung wurde vom Gericht fallen gelassen. Er wurde wegen Geiselnahme in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung in fünfzig Fällen in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung in 71 Fällen verurteilt. Die Ehefrau wurde wegen Geiselnahme verurteilt.

Mit dem Urteil blieb das Gericht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die für den Ehemann zehn Jahre Haft und für die Ehefrau vier Jahre und neun Monate gefordert hatte, die Anwälte der Angeklagten hatten auf niedrigere Haftstrafen plädiert.

Die Frau war in die Familie gekommen, nachdem sie über das Internet eine Freundschaft mit dem minderjährigen Sohn des Ehepaars begonnen hatte und eine Beziehung mit ihm eingegangen war. Im März 2010 zog sie bei der Familie ein, ein Vierteljahr später begann nach ihrer Schilderung ihr Martyrium. Im Juni diesen Jahres gelang ihr schließlich die Flucht, das Ehepaar wurde daraufhin festgenommen.