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Teenager-Schwangerschaften:Von wegen aufgeklärt

Wenn minderjährige Mädchen schwanger werden, dann fast immer ungewollt. Schuld daran ist häufig Unwissen: Bei geringer Bildung ist eine Schwangerschaft wahrscheinlicher. Und Gymnasiastinnen entscheiden sich eher für eine Abtreibung.

Die Schwangerschaft hat angeblich viele Mädchen überrascht. Beim Sex hätten sie mit einem Kondom verhütet, erzählten sie in den Beratungsstellen, und immer brav die Pille genommen. Trotzdem sind vergangenes Jahr in Deutschland 11902 minderjährige Frauen schwanger geworden.

Kein Einzelfall: Mütter werden immer jünger

(Foto: Foto: dpa)

In neun von zehn Fällen ungewollt, wie eine Studie der Initiative Pro Familia und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zeigt. Schuld daran ist häufig Unwissen: Bei geringer Bildung ist eine Schwangerschaft wahrscheinlicher. Gymnasiastinnen entscheiden sich dafür eher für eine Abtreibung.

Ungereimtheiten bei Befragungen

Mit statistisch 8,3 schwangeren Teenagern pro 1000 Frauen liegt Deutschland zwar im internationalen Vergleich am unteren Ende der Skala. Und Elke Thoß, Geschäftsführerin von Pro Familia, sagt: "Seit vier Jahren stagnieren die Schwangerschaftsraten in Deutschland."

Wenn Gunter Schmidt, Professor am Institut für Sexualforschung der Uni Hamburg, durch die Studie blättert, findet er aber eine Zahl bemerkenswert: "Zwei Drittel der Befragten gaben an, mit Kondom oder Pille verhütet zu haben."

Manches Mädchen müsse bei der Umfrage in den Beratungsstellen geschwindelt haben. Der Wert zeige aber Aufklärungsbedarf in Sachen Verhütung, so Schmidt. Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale, spricht von Anwendungsfehlern bei Pille und Kondomen, "in der ganzen Aufregung" beim Geschlechtsverkehr.

Soziale Benachteiligung entscheidender Faktor

Die Studie weist auf deutliche Unterschiede zwischen den Mädchen hin. "Soziale Benachteiligung erhöht die Wahrscheinlichkeit, minderjährig schwanger zu werden", sagt der Sexualwissenschaftler.

Soziale Benachteiligung bedeutet etwa schlechte Schulbildung, Arbeitslosigkeit, fehlende Perspektiven. Bei Hauptschülerinnen ist die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft im Teenageralter nach Angaben der Studie fünfmal höher als bei Gymnasiastinnen.