Bistum Limburg "Die Badewanne können Sie nicht sehen"

Ahnengalerie im Limburger Diözesanmuseum: Hier darf auch der frühere Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst nicht fehlen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Besucher können die Gemächer des ehemaligen Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst besichtigen. Ein für die Protz-Legende wichtiger Raum jedoch fehlt im Rundgang.

Von Susanne Höll, Limburg

Nein, es ist kein Zufall, dass die jüngste Sonderausstellung im Limburger Diözesanmuseum ausgerechnet der Bauerntochter Katharina Kasper gewidmet ist. Katharina war schließlich im Herbst von Papst Franziskus heiliggesprochen worden. Ihr Leben hatte sie Gott und den Bedürftigen im Westerwald gewidmet, im 19. Jahrhundert eine Schwesterngemeinschaft ins Leben gerufen, die sich um all jene kümmerte, die hungerten, litten, sterbenskrank waren. Katharina ist die erste Heilige des Bistums Limburg, eben jenes Bistums, dem der frühere Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst über die Grenzen Deutschlands hinaus äußerst zweifelhafte Prominenz verschafft hatte.

In der Ausstellung sieht man geflickte Kinderschuhe, erfährt, wie elend das Leben der meisten Westerwälder seinerzeit war. Es ist dunkel in den engen Räumen. Durch eine schmale Glastür gelangt man in ein helles Nebenhaus. Dort, ganz oben über der Stadt, gleich neben dem Dom, hatte Tebartz-van Elst seinen privaten Bischofssitz errichten lassen. Es war ein verhängnisvolles Unterfangen: Alsbald als "Protz-Bau" verschrien, hatte es ihn selbst, das ganze Bistum und die katholische Kirche in üblen Verruf gebracht. Eingangs waren einmal fünf Millionen Euro für den Bau veranschlagt gewesen, schlussendlich kostete er mehr als 30 Millionen. Der auch sonst recht eigentümliche Bischof hatte hohe Ansprüche an Material und die Innenausstattung. Hinzu kamen Sonderwünsche, wie künstlich beleuchtete Holztreppen und Vorhänge, die man per Tablet auf- und zuziehen konnte.

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Das Fiasko kostete die Kirche nicht nur Geld, sondern auch sehr viel Vertrauen. Tebartz zahlte schlussendlich mit seinem Bischofsamt. Über die Jahre hinweg waren finanzielle Ungereimtheiten beim Bau publik geworden, seine Kritiker warfen ihm Verschwendungssucht vor. Er allein konnte aber offiziell nicht über die Finanzierung bestimmen, er hatte Unterstützer im kirchlichen Kreis. Im Oktober 2013 wurde er von seinen Pflichten entbunden, im März 2014 nahm der Papst sein Rücktrittsangebot an. Und niemand wusste, was man mit der Wohnung anfangen sollte.

Dass ein anderer Würdenträger in das Doppelgeschoss einziehen würde, war angesichts der Vorgeschichte undenkbar. Zwischenzeitlich wurde überlegt, Flüchtlinge dort unterzubringen. Dafür aber war der auf die Wünsche von Tebartz - und die Bedürfnisse eines Singles - zugeschnittene Bau ungeeignet. Schließlich wurden die Bitten des benachbarten Kirchenmuseums erhört, das mehr Platz zur Präsentation seiner Sammlungen brauchte. Für drei Euro Museumseintritt kann jeder Interessierte heute nicht nur Kirchenschätze besichtigen, sondern auch einige der Tebartz-Räume mitsamt der früheren Privatkapelle.

"Die Badewanne können Sie nicht sehen", warnt der freundliche Museumsführer die Besucher schon bei der Ankunft. Ach ja, das Badezimmer. Es liegt, so wie das frühere Schlafzimmer, im düsteren, alles andere als anheimelnden Tiefgeschoss des Hauses. Es war, das muss man sagen, komfortabel. Von ostentativem Prunk konnte - allen Legenden zum Trotz - aber keine Rede sein. Es steht noch dort wie früher, dient inzwischen als Depot des Museums, ist aber dem Publikum nicht zugänglich. Die Wasserhähne sind nicht aus Gold, und die bundesweit bekannte, freistehende Badewanne dürfte man auch in der ein oder anderen Wohnung hierzulande finden. Aus den schmalen Fenstern dieses Souterrains konnte Tebartz einst auf seinen legendenumwobenen Fischteich blicken. Bis heute wird gestritten, ob er dort Kois oder Goldfische schwimmen ließ.

Im einstigen Arbeitszimmer, gewidmet der Geschichte aller heimischen Bischöfe, finden sich Erinnerungen an den ehemaligen Hausherren. Ein Büchlein etwa, mit Texten, Liedern und Gebeten zum Gottesdienst zu seiner Amtseinführung als Bistumsoberhaupt 2008. Damals hätte niemand gedacht, wie schnell und unrühmlich diese Ära enden würde. Ein einfacher Rosenkranz hängt daneben, aus Kunststoff, Metall und Leder, ein frühes Geschenk von Papst Franziskus. Zudem ein kleines Altarkreuz, teils versilbert, teils vergoldet. Von Bling-Bling keine Spur.

Die Trouvaillen aus den Hinterlassenschaften der zwölf ehemaligen Limburger Bischöfe stehen, geschützt von Plexiglasscheiben in dem weißen handgefertigten Regal, das die gesamte Wand des Arbeitszimmers füllt. Tebartz hatte dort seine private Bibliothek untergebracht.

Das Bistum verschweigt Tebartz nicht

Unter den Exponaten ist auch eine Ausgabe des Spiegel aus dem Oktober 1973, mit den seinerzeit zerstrittenen Sozialdemokraten Willy Brandt und Herbert Wehner auf dem Titelbild. Hier in Limburg geht es nicht um die beiden, auch nicht um die SPD. Sondern um einen Artikel auf den inneren Seiten über den letztendlich gescheiterten Versuch des damaligen Vatikan-Botschafters in der damaligen Hauptstadt Bonn, Corrado Bafile, den liberalen Limburger Bischof Wilhelm Kempf zu stürzen. Etliche der Kirchenführer an der Lahn waren, jeweils in ihrer Zeit, reformerische, den Menschen zugetane Männer. Nicht wenige sind stolz auf diese Tradition, mit der Tebartz gebrochen hatte.

In Limburg gab es, wie überall im Leben, unter den Kirchenoberen solche und solche. Auch andere hatten längst vor Tebartz Gefallen an schönen Dingen und Insignien der Macht. Von Antonius Hilfrich, Bischof von 1930 bis 1947, ist eine silberne Garderobengarnitur erhalten, drei Bürsten und ein Spiegel sind graviert mit dem Bistums-Wappen. Das sei außergewöhnlich, sagt der Museumsführer.

"Du sollst kein falsches Zeugnis abgeben": Das Gebot ist in den Augen vieler dem Bischof Tebartz-van Elst zum persönlichen Problem geworden.

(Foto: Fredrik von Erichsen/dpa)

Ein Bild Hilfrichs findet sich in der Ahnengalerie auf der anderen Seite des ehemaligen Arbeitszimmers. Auch ein Foto von Tebartz hängt dort, in einem Rahmen, verziert mit einer Klöppelarbeit mit stilisierten Trauben und Reben aus silberweißem Garn. Man verschweigt Tebartz nicht im Bistum. Sein Nachfolger, der kluge, aufgeschlossene Bischof Georg Bätzing, früher Generalvikar in Trier, hatte auch ihn zu einem Dankgottesdienst zur Heiligsprechung Katharinas in Rom eingeladen. Dort arbeitet Tebartz jetzt in Dingen der Neuevangelisierung. Von Versöhnung mit ihm will man im kirchlichen Limburg nicht sprechen. Zu groß sind immer noch die Wunden, die der harsche, aufbrausende und rechthaberische Tebartz in seiner Amtszeit bei Mitarbeitern und Gläubigen geschlagen hatte.

Vom Arbeitszimmer gelangt man in die einstige Privatkapelle. Viele fragten sich, ob die eigentlich nötig war, bis zum Dom sind es vom Haus aus gerade einmal zwei Steinwürfe. Den Besuchern steht sie offen. Tebartz-Nachfolger Bätzing feiere dort wöchentlich mit Ordensschwestern eine Andacht, gelegentlich auch eine Messe, sagt der Museumsführer. Sein Blick schweift an die Decke. Dort hängt noch immer jener Seilzug für einen Adventskranz, den sich Tebartz wünschte. Deshalb wurde das neue Kapellendach abermals aufgerissen. Kostenpunkt: 100 000 Euro. In Limburg ist Tebartz also immer noch da.

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