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Taifun "Haiyan":Auch die Behörden sind Opfer des Sturms

Frau Llanado kam wenige Stunden nach dem Sturm in diese Kirche, und auch ihr Mann hatte es hierher geschafft. Am nächsten Tag machten sich beide auf die Suche in den Trümmern. Sie gingen zurück zu ihrem Haus, das nicht mehr da war. Und in die Schule, in der sich Frau Llanado an den Balken geklammert hatte. Am Samstag um 11 Uhr vormittags fanden sie ihre jüngste Tochter Jean Pearl, sie lag tot in den Trümmern. Von ihrem älteren Kind Jessa Marie fehlte jede Spur.

Begraben konnten sie ihr Mädchen nicht. Männer haben sie in einen schwarzen Plastiksack gepackt und mitgenommen, um sie in einem Massengrab zu bestatten. Jeden Tag kommen nun Überlebende mit Listen zu Vater Edwin. Der Priester segnet die Toten auf der Liste, die in schwarzen Plastiksäcken liegen und auf Lastwagen abtransportiert werden. Mehrere Tausend Menschen sind alleine in Tacloban gestorben.

Im Kirchenschiff von Vater Edwin leben nun 325 Familien, die rätseln, wie es weitergeht. Sie brauchen Wasser und etwas zu essen, aber die Hilfe läuft sehr schleppend an, und noch ist nur wenig in Tacloban angekommen. Alles ist verwüstet, Bagger müssen die Straßen räumen, und Hilfslieferungen können nur mit dem Flugzeug oder mit dem Schiff hierhergelangen. Aber Behörden in den Städten gibt es nicht mehr, alle sind Opfer des Sturms. Deshalb geht so wenig voran.

So sind viele der Überlebenden durch die Straßen gezogen und haben die Geschäfte ausgeräumt, die großen und die kleinen, wo immer etwas zu holen war. "Man kann das Plündern nennen", sagt Vater Edwin. "Ich nenne es Überleben." Leider hätten manche allerdings auch Fernseher gestohlen, was Priester Edwin in dieser Lage weder nachvollziehen noch gutfinden kann.

Manche fürchten, dass die Not in Gewalt umschlagen könnte

Und wie steht es mit der Hilfe? Beamte kommen zu ihm und bitten ihn um eine Liste, wer hier etwas braucht. Zwei Tage später kommt der Nächste und fragt, ob er nicht eine Liste habe, damit sie helfen könnten. "Angekommen ist bisher nichts", sagt Vater Edwin, der an diesem Morgen karierte Shorts trägt und an einer Mentholzigarette zieht. "Es ist frustrierend, aber ich habe es nicht anders erwartet."

Ein spanischer Nothelfer, der für Care international arbeitet, sagt, dass die Logistik bei dieser Katastrophe besonders schwierig sei. Überall, in den Häfen wie auf den Flugplätzen, gibt es Engpässe. Nirgendwo gibt es Lagerhäuser, und die Behörden des Staates haben selbst alle so sehr gelitten, dass auch sie erst einmal wieder in Gang kommen müssen. "Mein Büro ist ein einziger Schutthaufen, und ich muss mich als erstes um meine Familie kümmern", sagt ein Beamter der Stadtverwaltung in Tacloban. So ist es jetzt überall in den Taifun-Gebieten der Philippinen.

Der Staat, den diese Katastrophe überfordert, hat die Armee nach Tacloban geschickt und den Notstand ausgerufen. Manche fürchten, dass die große Not umschlagen könnte in Gewalt. Erste Vorfälle hat es bereits gegeben. Verzweifelte Überlebende versuchten, den Flughafen zu stürmen, nur um wegzukommen von diesem Ort des Verderbens. Am Mittwoch fielen Schüsse im Hafen, Soldaten jagten ein paar jungen Männern hinterher.

Nachts gilt eine Ausgangssperre

"Aber wir haben das im Griff", sagt Oberstleutnant Leo Madronal, ein bulliger Mann in einem Tarnanzug. Er versichert, dass große Mengen Hilfsgüter längst auf dem Weg seien. Drei Flughäfen im Krisengebiet könnten wieder angeflogen werden, und es legen inzwischen Frachtschiffe mit großen Ladungen in den Häfen an. Aber niemand, den man in Tacloban spricht, hat davon bis jetzt etwas gesehen.

Die Armee fährt nachts sogar vier Panzer auf, um Plünderungen zu verhindern. Es herrscht Ausgangssperre. "Wer sich nicht daran hält, den scheuchen wir in die Häuser." Madronal meint die Ruinen von Tacloban, in denen es nicht einmal Planen gibt, um den Regen abzuhalten.