Tagebuch aus Muzaffarabad (letzer Teil) "Ist das normal?"

Ich gehe - und es wäre schön, wenn sich noch mehr Leute für eine solche Arbeit im Ausland interessieren würden.

Von Hanne Fleischmann

Heute Morgen um fünf Uhr ist der Vater von einem unserer lokalen Mitarbeiter gestorben. Die Beerdigung findet bereits heute Nachtmittag statt.

Unsere Gesundheitsstation ist für einige Zeit unterbesetzt, da einige pakistanische Kollegen ebenfalls der Beerdigung beiwohnen werden. Der Betrieb muss dennoch weiterlaufen, jede verfügbare Kraft wird daher mithelfen.

Seit gestern haben wir keine warme Dusche mehr, der Brenner ist defekt. Da fällt mir der Abschied von den anderen Auslandsdelegierten und lokalen Kollegen nicht ganz so schwer.

"See you at the next mission"

Ich putze mir schon jeden Tag mit dem kalten Wasser die Zähne, das ist eine Überwindung, ich habe auch schon meine Haare gewaschen, aber meinen gesamten Körper unter das eisige Wasser zu stellen, das übersteigt meine Überwindungskraft.

Keiner weiß genau, warum die heiße Dusche ausgefallen ist. Vor zwei Tagen ging ich um 0.15 Uhr auf die Toilette und aus dem Schlauch, der dem Brenner angeschlossen ist, schoss eine heiße Fontäne.

Ein Kollege aus Kenia stand irritiert davor und fragte: Is that normal? Nun, das konnte ich ihm nicht bestätigen. Dem rasch herbei gerufenen Techniker des IKRK Krankenhauses (er war rasend schnell aus seinem Schlafsack gehüpft) blieb nur das Wasser abzustellen. Jetzt waren wir erst mal ganz ohne Wasser.

Bis zum ersten Duschdurchgang am Morgen ging das kalte Wasser wieder - leider kein entscheidender Fortschritt für mich.

Der Countdown läuft, ich bin noch zwei Tage Stellvertreterin von Haide, der Teamleiterin.

Mein pakistanischer Kollege kann inzwischen viele Tests in unserem einfachen Labor selbst durchführen. So habe ich Luft, zusätzliche Arbeiten zu übernehmen.

Ich wusste nicht wie anstrengend so ein Job sein kann. Da kommen Vertreter die etwas an die Frau bringen wollen, da kommen die Kollegen mit ihren Sorgen und die einheimischen Kollegen, die gerne ihre Verwandten besuchen möchten und kurzfristig Urlaub benötigen.

Am Nachmittag muss ich mich im kubanischen Hospital erkundigen, ob die Mitarbeiter des Labors dort Laboruntersuchungen übernehmen würden, wenn wir vom 29. Januar bis 3. Februar keinen internationalen Experten im Labor haben.

Ich bin etwas traurig, dass ich meine Arbeit nicht übergeben kann an einen neuen Laboranten aus dem IKRK Team.

Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, ich hatte von meinen Kollegen (Ärzten und Hebamme) die Rückmeldung, dass meine Untersuchungen hilfreich waren, auch wenn sich die klinische Diagnose nicht immer bestätigt hat.

Es wäre schön wenn sich mehr Leute für eine Arbeit im Ausland interessieren würden und für diese Zeit zur Verfügung stünden.

Übermorgen ist mein Einsatz hier zu Ende: "End of mission". Samstag früh geht es voraussichtlich mit dem Auto nach Islamabad, um gegen 18 Uhr den Flieger nach Frankfurt zu bekommen.

Ich freue mich auf meine Wohnung, eine Toilette neben meinem Schlafzimmer, eine Küche mit der Möglichkeit fränkische Bratwürste zu brutzeln und eine Heizung die immer dann läuft, wann ICH es will.

Auch freue ich mich darauf, meine Kolleginnen und Kollegen in Berlin wieder zu sehen, um Ihnen über den Einsatz zu berichten.

"See you at the next mission", so lautet hier der übliche Abschiedsgruß.