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T-Shirts mit Aufdruck:"Auf jeden Fall nichts Perverses"

Ob "Route 87" oder "Las Americas Beach Spirits" - viele Männer haben keine Ahnung, was auf ihren T-Shirts steht. Womöglich sollten sie mal wieder Kettcar hören.

Klamotten sind ein Spiegel der Seele. Der Träger möchte mit seiner Kleidung etwas ausdrücken, so die gängige Meinung vieler Soziologen und Psychologen. Wenn das stimmt, muss es sich zumindest bei Männern um einen sehr unbewussten Prozess handeln, wie ein charmantes Video anschaulich beweist.

Die befragten Herren in der Düsseldorfer Innenstadt haben nämlich keine Ahnung, was auf ihren T-Shirts steht. Nur wenn es um den Namen der jeweiligen Marke geht, ist das den meisten geläufig. Keine überraschende Erkenntnis: Solange eine Modemarke genug Geld in Werbung und Imagepflege investiert, stellen viele Menschen ihren Oberkörper gerne als kostenlose Werbefläche zur Verfügung.

Viele Slogans haben gar keine Botschaft

Was sich die Modehersteller sonst noch für Aufdrucke ausdenken, scheint dagegen vielen Käufern egal zu sein. "Auf jeden Fall steht nichts Perverses drauf", verteidigte einer der Befragten in dem Video sein Outfit. Mehr konnte er dazu aber nicht sagen. Vielleicht hat er bereits resigniert. Vermutlich zu recht! In Slogans wie "Oakwood E.B.U", "Route 87" oder "Las Americas Beach Spirit" scheint schließlich auch nicht allzu viel Hirnschmalz investiert worden zu sein. Ein Comic zeigt recht entlarvend, wie es in vielen Mode-Ateliers zugehen könnte.

In dem Comic wirft ein Affe mit Dartpfeilen auf eine Weltkarte und trifft zufällig die Stadt San Jose in Kalifornien. Anschließend zieht ein Mann zieht mit verbundenen Augen das Wort "Disco Club" aus einem Hut. Und ein dritter Mitarbeiter steuert das Ablaufdatum eines uralten Joghurts bei. Fertig ist der Slogan. Alle drei Elemente werden kombiniert und wenig später hängt in einem Klamottenladen das T-Shirt mit dem wundervoll nichtssagenden Aufdruck: "San Jose Disco Club 1983".

Frauen haben aus der Vergangenheit gelernt

Womöglich wäre das Ergebnis der Videoumfrage in der Düsseldorfer Innenstadt etwas differenzierter ausgefallen, wenn auch Frauen zu Wort gekommen wären. Sie scheinen in Sachen T-Shirt-Aufdrucke zurückhaltender zu sein.

Vermutlich haben sie auch aus der Vergangenheit gelernt. Um die Jahrtausendwende trugen viele Frauen T-Shirts mit Botschaften wie "Drecksstück", "Luder" oder "Zicke". Vermutlich wollten sie - total ironisch - ihr Modebewusstsein und ihre sexuelle Unabhängigkeit ausdrücken. Sie wurden schnell durchschaut.

Die Hamburger Band Kettcar fachsimpelte 2005 in ihrem Song "Stockhausen, Bill Gates und ich":

"Auf deinen Shirts, stehen die Dinge, die du gerne wärst, nicht die du bist, was im Grunde völlig in Ordnung ist, nur: wir - können alle lesen und du bist nie ein Dreckstück gewesen"

Auch wenn sie ihren Shirts zufolge Surfer, Basketballer oder Stundenten an einer imaginären US-Uni sein müssten und keine Dreckstücke: Auch Jungs mit Aufdruck auf dem Shirt sollten vielleicht mal wieder Kettcar hören.

© Süddeutsche.de/leja
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