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Silvester in Sydney:Feuerwerk im Buschbrand-Gebiet

Silvesterfeuerwerk in Sydney

Das Silvesterfeuerwerk in Sydney (Archivbild).

(Foto: dpa)

Trotz weiterhin heftiger Buschbrände geben die Behörden den Weg frei: In Sydney soll das spektakuläre Feuerwerk in der Silvesternacht wie immer stattfinden.

Von Max Sprick

Australiens Premierminister Scott Morrison wählte pathetische Worte. "Am Silvesterabend schaut die Welt nach Sydney. Jedes einzelne Jahr", sagte er. "Und sie schaut auf unsere Lebendigkeit, schaut auf unsere Leidenschaft, schaut auf unseren Erfolg und denkt sich: Was für ein einmaliger Ort."

Nun, da die Welt schon länger als nur für einen Abend auf sein brennendes Land schaut, in dem die schlimmsten Buschbrände seit Langem wüten, musste Morrison sich positionieren. In einer Frage, die viele Australier umtrieb: Soll das berühmte Silvesterfeuerwerk in Sydney wegen der Brände abgesagt werden?

Eine Online-Petition, die das gefordert hatte, sammelte bis zum Montagmorgen mehr als 270 000 Unterschriften. Geld, das sonst für Feuerwerkskörper ausgegeben wird, solle lieber der Feuerwehr sowie betroffenen Landwirten und Tierschutzorganisationen zugute kommen. Sydneys Stadtverwaltung hatte Berichten zufolge im vergangenen Jahr rund 5,8 Millionen Australische Dollar (3,6 Millionen Euro) für die Feuerwerksshow ausgegeben.

"Das Risiko ist zu hoch. Wir müssen die erschöpften Freiwilligen der Feuerwehr respektieren", twitterte der stellvertretende Premierminister des Bundesstaates New South Wales, John Barilaro.

Vollständige Evakuierung

Und tatsächlich: Im nahen Bundesstaat Victoria forderten die Behörden alle Einwohner und rund 30 000 Touristen in der Region Gippsland auf, ihre Häuser und Wohnungen zu verlassen. Wer bis zum Montagmittag nicht aus dem Urlaubsort Lakes Entrance rund 320 Kilometer östlich von Melbourne entkommen sei, dem sei der Weg durch die Flammen versperrt, warnte der Chef der örtlichen Rettungsdienste, Andrew Crisp.

Die Premierministerin von New South Wales, Gladys Berejiklian, hingegen beschwichtigte: "New South Wales war immer ein Staat, der hoffnungsvoll in die Zukunft blickt, der belastbar und optimistisch bleibt." Die Silvestershow dürfe daher ruhig veranstaltet werden, fand sie. Man müsse stark bleiben, um jene Gemeinden zu unterstützen, die es gerade schwer haben. Gemeinden wie Balmoral, ein Dorf 120 Kilometer südwestlich von Sydney, das quasi komplett von den Flammen zerstört wurde.

Premierminister Scott Morrison jedenfalls entschied sich schließlich für das Silvesterfeuerwerk. Mehr als eine Milliarde Menschen weltweit verfolgen das Spektakel in Sydney jedes Jahr im Fernsehen, mehr als eine Million vor Ort im Hafen. Die Stadt nimmt eigenen Angaben zufolge rund 130 Millionen Australische Dollar mit dem etwa 20-minütigen Lichtfeuer ein.

Dieses abzusagen, hätte "für die betroffenen Gemeinden nur einen geringen praktischen Nutzen", teilte der Stadtrat mit. Schließlich liefen die Vorbereitungen bereits seit 15 Monaten, der überwiegende Teil des Budgets sei längst aufgebraucht. Auch die Feuerwehr hatte am Ende keine Einwände mehr - obwohl Meteorologen im Westen Sydneys Temperaturen von bis zu 44 Grad und starke Winde erwarten.

© SZ vom 31.12.2019

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