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Super-Taifun "Haiyan" in Südostasien:"Es war furchterregend"

Meterhohe Sturmfluten, zerstörte Häuser, von der Außenwelt abgeschnittene Städte: Taifun "Haiyan" wütet so heftig, dass auf den Philippinen vielerorts Chaos herrscht. Augenzeugen berichten von durch die Luft fliegenden Bäumen. Meteorologen befürchten, der Sturm könne noch den ganzen Freitag andauern. Die Regierung spricht von ersten Toten.

Das Unwetter im Fototicker

So wütet Taifun "Haiyan"

Auf den Philippinen ist man Stürme gewohnt. Doch was gerade über den Inselstaat hereinbricht, übertrifft bisherige Erfahrungen. Taifun "Haiyan" ist einer der stärksten Taifune aller Zeiten und versetzt in Südostasien ganze Landstriche in Chaos.

Böen in Rekordgeschwindigkeit: Mit Spitzengeschwindigkeiten hat der Taifun am Freitagmorgen die Philippinen erreicht. Der philippinische Wetterdienst berichtet von Windgeschwindigkeiten in Höhe von bis zu 275 Kilometern pro Stunde, laut dem Joint Typhoon Warning Center von US-Marine und Air Force kam es in Böen zu Geschwindigkeiten von bis zu 324 km/h. Der gewaltige Sturm mit einem Durchmesser von bis zu 600 Kilometern traf auf der Insel Samar etwa 600 Kilometer südöstlich von Manila auf Land und hinterließ massive Zerstörungen. Laut dem Deutschem Wetterdienst zählt er zu den vier heftigsten Taifunen, die je gemessen wurden. Augenzeugen berichteten von herumfliegenden Bäumen. "Es war furchterregend", schilderte Liwayway Sabuco, eine Verkäuferin in der Stadt Catbalogan, das Unwetter.

Regierung berichtet von Toten und Verletzten: Lange hielten sich die Behörden angesichts der unübersichtlichen Lage mit offiziellen Angaben über Tote und Verletzte zurück. Die Lage war auch spät in der Nacht noch unklar. Am Mittag hatte die philippinische Regierung erstmals von Opfern berichtet. Mindestens drei Tote und sieben Verletzte hat es demnach gegeben. Zwei der Opfer seien von Stromschlägen getötet worden, sagte Eduardo Del Rosario, der Leiter der Behörde für Katastrophenschutz. Der dritte Tote, ein zweijähriger Junge, wurde vom Blitz getroffen. Laut der Nachrichtenagentur Reuters gehen die Behörden von mehr als zwölf Millionen gefährdeten Menschen aus. Die Behörden befürchten, dass der Sturm auf dem Weg über den asiatischen Inselstaat weitere Menschen töten wird.

Zahlreiche Orte von der Außenwelt abgeschnitten: Die Stadt Guiuan war unmittelbar nach dem Eintreffen des Sturms von der Außenwelt abgeschnitten. In der 140 Kilometer entfernten Stadt Tacloban auf der Insel Leyte wurden Straßen überschwemmt und Häuser zerstört. In der Region fielen Strom und Telefone aus. Vielerorts versperren umgefallene Bäume die Straßen, Häuser wurden beschädigt. Der Katastrophenschutz richtete zahlreiche Notunterkünfte ein. Ein US-Sender zeigte Bilder von einer dramatischen Rettungsaktion in der Provinz Bohol, bei der Helfer mehrere Menschen aus dem Meer fischen. Der philippinische Präsident Benigno Aquino III. warnte die Bevölkerung vor der Katastrophe, welcher die Bevölkerung in den kommenden Tagen gegenüberstehe. Besonders gefährdet waren die Einwohner der Insel Bohol, wo seit einem Erdbeben im Oktober mit mehr als 220 Todesopfern noch immer 350.000 Menschen in Zeltstädten leben.

Eumestat/dpa

Der Taifun war selbst aus dem Weltall zu sehen. Hier eine Satellitenaufnahme der Japan Meteorological Agency und der Europäische Organisation für meteorologische Satelliten.

(Foto: dpa)

Sturm soll den ganzen Tag andauern: Das Joint Typhoon Warning Center von US-Marine und Air Force geht davon aus, dass Haiyan (den die Philippiner Yolanda nennen) den gesamten Freitag über auf den Philippinen wüten wird, um am Samstag Richtung Westen abzuziehen. Am Sonntag wird der Sturm voraussichtlich abgeschwächt an der Küste Vietnams erneut auf Land treffen. Das amerikanische Taifun-Warnzentrum auf Hawaii sprach wegen der Windstärke von einem Super-Taifun. Der Verlauf des Sturms lässt sich im Hurricane Tracker von CNN nachvollziehen.

Behörden evakuieren Küstengebiete und gefährdete Regionen: Mehr als 680.000 Menschen mussten ihre Häuser in Küstengebieten oder anderen gefährdeten Regionen verlassen, wie die Behörde für Katastrophenschutz mitteilte. 22 Provinzen seien betroffen. Das Rote Kreuz verteilte, wie an vielen anderen Orten auch, auf der Insel Cebu Lebensmittel in den betroffenen Regionen:

Einschränkungen im Flugverkehr: Wegen des Taifuns sollten sich Reisende in den kommenden Tagen auf Einschränkungen im Flugverkehr einstellen. Darauf weist das Auswärtige Amt in Berlin hin. Die philippinischen Behörden rechnen mit größeren Verwüstungen. Der Flugverkehr im Inland sei in den kommenden Tagen voraussichtlich erheblich gestört. Reisende sollten sich über die Medien ständig auf dem Laufenden halten.