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Südtirol:Siebtes Todesopfer nach Verkehrsunfall in Südtirol

Am Unglücksort in Luttach entzündet ein Trauernder Kerzen für die sechs von einem Auto getöteten deutschen Urlauber.

(Foto: AP)
  • Der 27-Jährige, der betrunken mit seinem Auto in eine Urlaubergruppe gerast war, wird vom Krankenhaus ins Gefängnis nach Bozen verlegt.
  • Der Unfallfahrer soll dort verhört werden, erklärte ein Polizeisprecher der SZ.
  • Am Wochenende hatte der aus der norditalienischen Region stammende Mann in Luttach sieben junge Deutsche getötet.

Unten, auf dem Schotter vor dem Bretterzaun, flackern auch zwei Tage danach noch Grablichter, an einen Nagel, der aus der obersten Latte ragt, hat jemand einen Teddy gebunden, und dort hängen auch Zettel, DIN A4 in Klarsichthülle: "Wir sind fassungslos und erschüttert." Direkt hinter dem Zaun sind auf Fotos ein paar Wegweiser zu sehen - und ein Tempo-50-Schild, versehen mit Blinklichtern, die aufleuchten, wenn man schneller fährt.

Hier, im Wintersportort Luttach in Südtirol, ist in der Nacht zum Sonntag ein betrunkener 27-Jähriger mit seinem Sportwagen in eine Gruppe junger Skitouristen gerast, sechs Deutsche starben noch am Unfallort, drei Frauen, drei Männer, alle sollen unter 25 Jahre alt gewesen sein. Vier der Toten stammen aus Nordrhein-Westfalen, einer wohnte in Hamburg und der sechste in Niedersachsen. Am Montag erlag eine weitere Frau in einem Krankenhaus in Innsbruck ihren Verletzungen. Zehn Menschen wurden verletzt, drei von ihnen schwer. Unter den Verletzten sind zwei Südtiroler, die übrigen stammen aus Deutschland.

Die Gruppe war auf dem Heimweg von einem Discobesuch. Gegen 1.15 Uhr nachts stiegen die jungen Leute aus einem Shuttlebus und überquerten die Hauptstraße, wie ein Augenzeuge der Deutschen Presse-Agentur erzählte. Laut Staatsanwaltschaft ist die Straße gut beleuchtet. Kurz danach, nahe der Unterkunft der Gruppe, soll es zum Unfall gekommen sein. Der Fahrer soll mit seinem Sportwagen mit hoher Geschwindigkeit unterwegs gewesen sein. Die Schilderung des Augenzeugen deckt sich mit den Erklärungen der Behörden. Am Sonntagabend hatte die Staatsanwaltschaft mitgeteilt: "Aufgrund der gesamten Unfalldynamik ist von einer erheblichen Übertretung der Geschwindigkeitsbegrenzung auszugehen. Es wird ein Gutachten zur genauen Feststellung der Geschwindigkeit in Erwägung gezogen." Der aus der Region stammende Mann war stark betrunken, ein Atemtest ergab 1,9 Promille. Am Montag wurde er vom Krankenhaus Bruneck ins Gefängnis in die Provinzhauptstadt Bozen verlegt. "Hier wird er in den kommenden Tagen von Polizei und Staatsanwaltschaft verhört", sagte ein Polizeisprecher der Süddeutschen Zeitung. Das Unfallauto und sein Handy seien beschlagnahmt worden und würden untersucht. Dem Fahrer wird unter anderem mehrfache Tötung im Straßenverkehr vorgeworfen, ihm drohen wegen der Schwere des Unfalls bis zu 18 Jahre Haft, wie die Staatsanwaltschaft Bozen mitteilte.

Der 27-Jährige war in der Nacht zum Sonntag betrunken mit seinem Sportwagen in eine Gruppe junger Skitouristen gerast. Drei Frauen und drei Männer starben noch am Unfallort, alle sollen unter 25 Jahre alt gewesen sein. Seinem Anwalt sagte der Fahrer laut einem Bericht des Corriere della Sera, er habe sich gerade von seiner Freundin getrennt. "Ich habe gar nicht gemerkt, dass ich betrunken war. Ich dachte, ich hätte gar nicht so viel getrunken." Er sei unterwegs gewesen in eben jene Disco, in der die Skiurlauber zuvor gefeiert hatten.

Bürgermeister Helmut Klammer betonte sein Mitgefühl mit den Angehörigen. "Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Familien", sagte er der dpa. Angehörige reisten am Montag aus Deutschland an und hielten am Unfallort inne. Abgeschirmt von der Polizei besuchten sie auch die Unterkunft, in der die Gruppe übernachtet hatte.

In Italien hat jetzt, nach zahlreichen schweren Unfällen auch in anderen Regionen, ein Bündnis für mehr Verkehrssicherheit zu einer Demonstration aufgerufen. Die Kundgebung soll am 23. Februar in Rom stattfinden.

© SZ.de/dpa/odg/pram/nas
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Die Gruppe war unterwegs von einem Discobesuch in ihre Herberge, als sie der Sportwagen erfasste. Der Unfallverursacher hatte fast zwei Promille und war offenbar viel zu schnell unterwegs.

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