SZ-Kolumne "Bester Dinge":Endlich einsam

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(Foto: Imago Images)

Zwei Männer verlieren bei einem Bootsausflug die Orientierung und treiben 29 Tage in der Südsee umher. Aber das ist kein Grund für schlechte Stimmung.

Von Nadeschda Scharfenberg

Die Kokosnuss hat ein Imageproblem. Ein Krankenhausarzt aus Papua-Neuguinea hat einmal ausgerechnet, dass die Aufprallwucht fallender Kokospalmenfrüchte bei mehr als einer Tonne liege. Hartnäckig hält sich seither das Gerücht von 150 Kokosnuss-Toten pro Jahr, dabei ist die Zahl grob geschätzt bis frei erfunden. Wie viele Menschen tatsächlich sterben, weil ihnen eine Nuss auf die Nuss fällt, wird statistisch nicht erfasst.

Was hingegen verbrieft ist: Kokosnüsse können Leben retten, konkret das Leben von Livae Nanjikana und Junior Qoloni von den Salomoninseln. Die Männer waren am 3. September mit ihrem Boot zu einem Ausflug aufgebrochen, gerieten dann aber in einen Sturm und in Seenot, wie sie dem Rundfunk in ihrer Heimat sagten. Ihr GPS-Gerät versagte den Dienst, sie verloren die Orientierung. Die Orangen, die sie als Proviant dabei hatten, waren nach neun Tagen aufgegessen. Doch glücklicherweise treiben im Südpazifik Kokosnüsse herum, die sich mithilfe eines Ankers knacken lassen. 20 weitere Tage und Dutzende schwimmende Kokosnüsse später wurden Nanjikana und Qoloni gerettet, 400 Kilometer von zu Hause entfernt.

Kokosnüsse enthalten neben Ballaststoffen und mittelkettigen gesättigten Fettsäuren jede Menge Mineralstoffe - und offenbar auch stimmungsaufhellende Substanzen. Die Männer beschwerten sich nach 29 Tagen Einsamkeit an Bord nicht etwa über Langeweile oder die einseitige Ernährung, sondern freuten sich über einen ganzen Monat ohne Corona-Nachrichten. "Ich habe endlich mal nichts mehr mitbekommen", sagte Nanjikana dem Guardian. "Es war eine nette Pause." Auf diese Lebenseinstellung einen Coconut Kiss!

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