Südostasien Fahndung nach den Toten

Spezialisten des Bundeskriminalamtes versuchen, die Identität der deutschen Flutopfer in Thailand und anderen Katastrophengebieten zu ermitteln. Was sie dort finden, geht an die Grenzen dessen, was man sich vorstellen kann.

Von Von Joachim Käppner

Die Beamten aus Deutschland hatten schon vieles gesehen, Leichen in allen Formen der Entstellung, Zerstückelung und Verwesung.

Was das Vorauskommando des Bundeskriminalamts (BKA) aber in Thailand erblickte, ging auch an die Grenzen dessen, was es sich hatte vorstellen können: Massengräber, vom Wasser aufgedunsene Körper, Hallen und Plätze voller Toter.

Inzwischen sind schon 31 Spezialisten der "Identifizierungskommission" (IDKO) nach Phuket, Khao Lak und an andere thailändische Orte geflogen, an denen die große Flut die Ferienressorts überschwemmt hatte.

Weitere Beamte werden wohl noch folgen. Die BKA-Leute versuchen nun, speziell die deutschen Opfer zu identifizieren.

Aufgabe der 150 Beamte starken Einheit ist es, Katastrophenopfer zu identifizieren, wie 1998 beim ICE-Unglück in Eschede oder beim Flugzeugabsturz in Überlingen 2002.

Bisher war die Erfolgsquote hoch: Bei 24 Einsätzen fand die IDKO die Identität von 1316 unter 1397 Opfern heraus.

Kein Unglück ist wie das andere; aber die Flutkatastrophe unterscheidet sich in einem von all den vorherigen Fällen, mit denen die IDKO bisher zu tun hatte: Sonst waren die Opfer bald gefunden, und es gab, wie in Überlingen, auch Passagierlisten. Das BKA wusste, wen es wo suchte.

In Thailand aber gibt es Leichen überall entlang der Küste. Manche Deutsche, die vermisst werden, haben sich ins Landesinnere geflüchtet oder sind auf eigene Faust nachhause geflogen.

Und vor allem müssen die Beamten unter all den vielen Toten die Leichen ihrer Landsleute heraussuchen. Auch die Niederlande und Frankreich haben ähnliche Teams geschickt, andere sollen unterwegs sein.

Typische Narben, Male wie Leberflecken

Die ersten Toten ließen sich erkennen durch Schmuck oder Kleidung. Andere wurden durch Angehörige identifiziert, was rechtlich übrigens nicht genügt, um einen Menschen für tot zu erklären; die IDKO muss trotzdem den Beweis führen, um wen es sich handelt.

Bei unbekannten Leichen prüfen die BKA-Leute, ob die Körper typische Narben, Male wie Leberflecken oder auch Operationsspuren an inneren Organen aufweisen. Selbst stark verweste Leichen lassen sich meist über Zahnbehandlungen identifizieren, die beim Zahnarzt des Opfers dokumentiert sind. Das erfolgversprechendste Mittel ist heute die DNA-Probe aus Haaren oder Hautpartikeln der Toten.

Ihre Erkenntnisse vergleichen die Ermittler mit den Daten, die in Deutschland erhoben werden. In der Heimat suchen Polizisten die Angehörigen auf, lassen sich Fotos geben und die Namen von Ärzten, bei denen die Vermissten in Behandlung waren.

Auch in den Wohnungen der Gesuchten sammeln die Beamten Spuren: Fingerabdrücke an Türen, Haare an Matratzen oder Bürsten für eine DNA-Probe. In der BKA-Zentrale werden alle diese Erkenntnisse abgeglichen.

Es ist eine lange, mühselige Arbeit, die starke Nerven erfordert. Und wie die Beamten an die Zentrale berichten, wird sie täglich schwerer: Wegen des schwülen Klimas verwesen die Leichen schnell. Und was mit jenen Menschen geschah, die der Sog der großen Welle zurück ins Meer zog, werden wohl auch die BKA-Experten nur selten klären können.