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Südkorea:Achtjährige Youtuberin schlägt Katze - und kassiert Shitstorm

Kind haut Katze

Kater Louis wurde von Youtuberin Koo Sarang geohrfeigt. (Symbolbild)

(Foto: Mikhail Vasilyev/Unsplash)

Im Umfeld des Mädchens keimt nun die Angst, seine Mutter hat in zwei Posts bereits um Vergebung gebeten.

Koo Sa-rang hat es schon weit gebracht in ihrer südkoreanischen Showkarriere. In Werbefilmen ist sie aufgetreten, war zuletzt die tragende Figur einer Kochshow. Und Ende Dezember überzeugte sie in der Rolle des staunenden Mädchens an der Seite von Mitgliedern der Boyband BTS bei deren Interpretation des Liedes "Santa Claus is coming to town". Koo Sa-rang muss trotzdem nicht alles richtig machen, denn sie ist erst acht Jahre alt, ein Kinderstar. Dass sie ihren Kater Louis geohrfeigt hat, ist nicht gut. Aber sicher kein Grund, sie landesweit als Tierquälerin hinzustellen.

Genau das ist aber passiert wegen eines Videos auf ihrem Youtube-Kanal, das Koo Sa-rang dabei zeigt, wie sie Louis mit Gewalt daran hindert, in ein Paket zu klettern, das sie gerade aufgemacht hat. Das Paket stammte vom BTS-Sänger Jimin, deshalb hatte seine Ankunft einen gewissen Nachrichtenwert. Dass der Kater in den Karton wollte, war nicht geplant, Koo Sa-rang reagierte, wie Kinder eben manchmal reagieren, und blaffte: "Ich hab' gesagt, du sollst das nicht anfassen!" Ein Sturm der Entrüstung wehte durch die Kommentarspalten. Aus dem harmlosen Vorgang, ein Geschenk aufzumachen, wurde eine mahnende Episode über die Risiken des Internets.

Südkorea ist ein Weltmacht des schnellen Datenflusses. Das Leben vieler Menschen spielt sich hier zu weiten Teilen im virtuellen Raum ab, und wer ein Star werden will, braucht die sozialen Medien erst recht. Es geht ums Gesehen werden und darum, Likes einzusammeln. Koo Sa-rang und die Erwachsenen um sie herum kennen die Regeln, sie wussten: Das BTS-Paket musste rein ins Internet. Wenn dann alles niedlich bleibt, gibt es viele Herzen. Bei enttäuschten Erwartungen hingegen kann Südkoreas anonyme Masse ungemütlich werden.

Die möglichen Folgen sind nicht zu unterschätzen. Erst Ende 2019 war das ein großes Thema, als binnen kurzer Zeit die K-Pop-Stars Sulli und Goo Hara tot aufgefunden wurden. Sulli hatte sich vor ihrem Suizid über Trolle beklagt, die sie wegen einer feministischen Anti-BH-Kampagne mit Hass überschütteten. Goo Hara sah sich einer Lawine aus Gerüchten ausgesetzt. Sie schrieb auf Instagram über ihre Depressionen und stellte die verzweifelte Frage: "Ist da niemand mit einer schönen Seele, der Menschen annehmen kann, die leiden?"

In Koo Sa-rangs Umfeld keimt deshalb die Angst. Was für einen Effekt hat so ein Shitstorm für eine Achtjährige? Die Mutter hat in zwei Posts um Vergebung gebeten. Sa-rang habe sich bei Louis entschuldigt. "Als ihre Eltern, hätten wir sie besser unterrichten sollen." Ihre Agentur J&K Entertainment sagte auf MK news: "Wir machen uns Sorgen." Es heißt, Koo Sa-rang wolle aus der Koch-Show aussteigen. Ihre Konten auf Twitter und Youtube sind gelöscht.

© SZ vom 24.01.2020/mkoh
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