Festakt zum 77. SZ-Geburtstag:"So könnte es weitergehen"

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Angela Merkel spricht auf dem Festakt zu 77 Jahren Süddeutsche Zeitung

Angela Merkel auf der Bühne des Staatstheaters am Gärtnerplatz.

(Foto: Robert Haas/Robert Haas)

Altbundeskanzlerin Angela Merkel hält die Festrede zum 77. Geburtstag der "Süddeutschen Zeitung" - zum Teil mit erstaunlich persönlichen Worten.

Von Veronika Wulf

Fast hätten sie es geschafft, gemeinsam das Staatstheater am Gärtnerplatz zu betreten, wie es sich gehört für "Mutti und den Schwiegersohn". Dass dieser von Markus Söder vor wenigen Monaten bemühte Vergleich seines Verhältnisses zu Angela Merkel womöglich doch etwas hinkt, das beweist nicht nur der Umstand, dass die beiden am Donnerstagabend kurz nacheinander in schwarzen Limousinen vor dem Münchner Theaterhaus vorfahren, sondern auch ihr Blick auf die Süddeutsche Zeitung.

Vor zahlreichen Gästen aus Politik, Kultur, Journalismus, Verlagswesen, Wissenschaft und Wirtschaft hielt die ehemalige Bundeskanzlerin die Festrede zum 77-jährigen Bestehen der SZ. Da die SZ zwar in der Welt zu Hause ist, ihr Herz aber doch in Bayern hat, wie die Chefredakteure Wolfgang Krach und Judith Wittwer betonten, wurde der bayerische Ministerpräsident Markus Söder gebeten, die Grußworte zu sprechen.

Das tut Söder offenbar gerne und ledert mit einem Augenzwinkern ordentlich über die SZ ab. Söder bemängelt eine "stabile und berechenbare Meinungskultur", stänkert gegen einzelne SZ-Autoren, kurz: Ihm fehle der Lokalpatriotismus und in der Chefredaktion ein bescheidener Franke wie er. Er ringt sich dann aber doch dazu durch, zu sagen: "Gut, dass es die SZ gibt", gerade in Zeiten der Fake-News. "Die SZ ist die einzige ernstzunehmende Opposition." Ohne sie wäre das Regieren in Bayern viel zu einfach.

Man kommt kaum umhin, in der Arie des Tamino aus Mozarts "Zauberflöte", die Kammersänger Lucian Krasznec begleitet vom Orchester des Gärtnerplatztheaters danach vorträgt, eine ironisch-distanzierte Liebeserklärung Söders an die SZ nachklingen zu hören.

Die Bezeichnung "Kohls Mädchen" habe sie als "ziemlich deprimierend" empfunden

Merkel spricht lieber von einer "gewissen kritischen Distanz" der CDU zur SZ. In ihrer Festrede, die nur knapp zehn Minuten länger dauert als das Grußwort Söders, flicht sie die Geschichte der SZ ein in die deutsche Geschichte und ihre eigene. Erstaunlich persönlich beschreibt sie, dass es für sie "ziemlich deprimierend" gewesen sei, am Anfang ihrer politischen Karriere oft als "Kohls Mädchen" und nicht als eigenständige Persönlichkeit gesehen zu werden - "allerdings nicht nur in der SZ".

Die späteren Artikel über die Schwesterpartei hätten jedoch ihr "Interesse geweckt" (das Publikum lacht laut), sie habe dadurch auch noch einiges über die "nicht sehr auskunftsfreudige" CSU lernen können. Die SZ-Meinungsseite schaffe es immer wieder - da gebe es einen kleinen Dissens mit Söder -, sie zu überraschen.

"Ihre Zeitung ging und geht mit der Zeit. Sie war und ist erfolgreich und meinungsstark." Die Vielfalt der Meinungen innerhalb der SZ sei "erfreulich hoch". "Deshalb feiern wir heute nicht allein 77 Jahre Süddeutsche Zeitung und eine der bedeutendsten deutschen Tageszeitungen, sondern gleichsam stellvertretend den Wert der Freiheit der Presse." Der sei keinesfalls selbstverständlich. Zur Pressefreiheit gehöre auch zwingend der Auftrag des Staates, Journalistinnen und Journalisten zu schützen.

Zu Beginn hatte SZ-Geschäftsführer Christian Wegner erwähnt, dass die Zeitung noch nie so viele Abonnentinnen und Abonnenten hatte wie heute. Dazu gratulierte Merkel: "So könnte es weitergehen, aus Ihrer Sicht, und aus meiner meinetwegen auch."

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Angela Merkel bei 77-Jahre-SZ-Feier
:"Ihre Zeitung ging und geht mit der Zeit"

Die "Süddeutsche Zeitung" war für Altbundeskanzlerin Angela Merkel ein ständiger Begleiter. Bei der 77-Jahr-Feier betont sie den hohen Wert der Pressefreiheit, lobt die Meinungsvielfalt in der SZ und sagt, worüber sie sich vor allem zu Beginn ihrer politischen Karriere geärgert hat.

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