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Fußball und Covid-19:Südamerikas Spritzensportler

Facundo Torres, Stürmer beim uruguayischen Verein Peñarol, wird mit Sinovac geimpft, live im Stadion in Montevideo.

(Foto: Pablo Porciuncula/AFP)

Während Corona in der Region unbarmherzig wütet, besorgen sich Fußballer exklusiven Zugang zu Impfungen - frei nach dem Motto: Es lebe der Sport!

Von Christoph Gurk

Im internationalen Fußball hat Paraguay bisher noch nicht allzu viel erreicht: Die beiden Siege bei den Südamerikameisterschaften sind lange her, bei der Weltmeisterschaft scheiterte man spätestens im Viertelfinale, dazu ein paar bekannte Export-Spieler. Das war's.

Nun aber das: "Paraguay ist das erste Land, das den Profifußball impft!", schrieb der Präsident des nationalen Fußballverbandes APF in der vergangenen Woche begeistert auf Twitter. Die komplette erste Liga soll bald gegen Covid-19 immunisiert sein, dank einer extra organisierten Kampagne. Von Stolz ist bei der APF die Rede und dass man alles erreichen kann, wenn man nur fest daran glaubt.

Bleibt ein Problem: Für Teams, Trainer und sogar Schiedsrichter gibt es zwar Dosen, der Rest der Menschen in Paraguay ging aber bisher leer aus. Erst 175 000 Dosen wurden in dem Land verabreicht - bei sieben Millionen Einwohnern und Infektions- und Todeszahlen, die zuletzt so hoch waren wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Ähnlich dramatisch ist die Lage in der gesamten Region: Nirgendwo auf der Welt wütet Covid-19 derzeit so unbarmherzig wie in Südamerika.

Drei Messi-Trikots für 50 000 Impfdosen

Dennoch plant der südamerikanische Fußballverband Conmebol, alle Profispieler impfen zu lassen, nicht nur in Paraguay, sondern auch in allen anderen Mitgliedsländern, in Argentinien genauso wie in Ecuador, Peru oder Chile. Möglich macht diese Form der Priorisierung ein einzigartiger Deal mit dem chinesischen Hersteller Sinovac Biotech. 50 000 Dosen seines Vakzins spendete dieser im April an die Conmebol, im Gegenzug bekam er drei handsignierte Trikots von Lionel Messi und dazu das Recht, mit der Copa América zu werben, die in einem Monat stattfinden soll.

Eigentlich war die Südamerikameisterschaft schon für vergangenes Jahr geplant, dann aber kam Covid-19. Der Erreger hat die sonst gut geölte Fußballmaschinerie in Lateinamerika ins Stottern gebracht. Für die Vereine und Verbände war die Pandemie ein Desaster: leere Stadien, verschobene Partien und Fans, die sich Mitgliedsbeiträge nicht mehr leisten können.

Umso mehr werden die Impfungen darum zum Lichtblick. In Mexiko fliegen ganze Teams einmal über die Grenze in die USA, um sich dort immunisieren zu lassen. In Brasilien verspricht der Club Athletico Paranaense nicht nur seinen Spielern eine Impfung, sondern auch allen Fans mit Mitgliedskarte. Den dafür erforderlichen Impfstoff hat man allerdings noch nicht - ganz im Gegensatz zur Conmebol.

Wo bleiben Teamgeist und Fairness?

Deren Dosen werden gerade in der Region verteilt, in Paraguay wird schon geimpft, ebenso in Uruguay. Andere Länder warten noch auf ihre Lieferungen, auch, weil das chinesische Vakzin mancherorts noch gar nicht zugelassen ist. Doch von so etwas will man sich bei der Conmebol nicht aufhalten lassen. Ein paar kolumbianische Teams haben sich vor wenigen Tagen einfach in Paraguay impfen lassen. Auf dem Rasen und im Leben muss man zusammenhalten.

Bei den Fans kommt die exklusive Impfkampagne nicht ganz so gut an. Viele freuen sich zwar auf Ablenkung von der teils immer noch strikten häuslichen Quarantäne. Andere fragen sich aber auch, was denn aus Idealen wie Teamgeist oder Fairness geworden ist. "Unglaublich", schrieb ein Fan des argentinischen Teams Independiente auf Twitter. "In der Welt stapeln sich die Leichen, aber in Südamerika werden Impfdosen an Fußballer gespendet."

© SZ/nas
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