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Südafrika:Falsches Signal an Gewaltopfer - und Täter?

Dass das mehr als drei Jahre dauernde Verfahren Pistorius schwer zusetzte, war auf den Fernsehbildern aus dem Gericht deutlich zu sehen. Als Steenkamps Vater im Juni mit brüchiger Stimme den Schmerz über den Tod seiner Tochter beschrieb, brach Pistorius in Tränen aus. Überhaupt verlor der einstige Sportstar, der als erster beidseitig beinamputierter Sprinter an den regulären Olympischen Spielen teilgenommen hatte, vor Gericht häufig die Fassung. Am Mittwoch allerdings nahm er den Richterspruch reglos entgegen; er umarmte seine Angehörigen und wurde kurz darauf in ein Gefängnis in Pretoria gebracht.

Dass das neue Strafmaß nur ein Jahr über dem alten liegt, empört in Südafrika viele, darunter die Frauenorganisation der Regierungspartei ANC, die in dem Tod Steenkamps ein Beispiel für die in Südafrika alltägliche Gewalt gegen Frauen sieht. Die Richterin lehnte diese Interpretation der Tat ab; die Staatsanwaltschaft habe dazu keinerlei Beweise vorlegen können.

Oscar Pistorius Prozess

Von der Darstellung der Verteidigung überzeugt: Richterin Thokozile Masipa.

(Foto: dpa)

Drittes Verfahren möglich

Auch vor dem Hintergrund der extrem hohen Mordrate in Südafrika halten viele Beobachter die milde Strafe für ein falsches Signal - noch dazu in einem Fall, der wegen der Prominenz von Täter und Opfer so viel globale Aufmerksamkeit erhalten hat wie kein anderer in Südafrika.

Noch ein letztes Mal können Anklage und Verteidigung Rechtsmittel gegen Masipas Entscheidung einlegen. Pistorius' Verteidigerteam teilte bereits mit, man werde das Urteil akzeptieren. Was die Anklage tun wird, war am Mittwoch noch offen; sie hat 14 Tage Zeit, über ihr Vorgehen zu entscheiden. Zum dritten Mal könnte alles wieder von vorne beginnen.

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