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Südafrika:Urteil gegen Oscar Pistorius: Sechs Jahre Haft für "murder"

Die Berufungsrichterin schickt den Ex-Sprinter wegen des Totschlags an seiner Freundin nur ein Jahr länger ins Gefängnis als die erste Instanz - zum Entsetzen von Kritikern.

Es könnte der letzte Akt in dem jahrelangen Justizdrama um den früheren Sprinter Oscar Pistorius gewesen sein: Sechs Jahre Gefängnis lautet das Strafmaß für den 29-jährigen Südafrikaner, wie Richterin Thokozile Masipa am Mittwoch in Pretoria verkündete. Der unterschenkelamputierte Pistorius hatte seine Freundin Reeva Steenkamp, ein Fotomodel, am Valentinstag 2013 durch die Badezimmertür erschossen. Während die Staatsanwaltschaft Pistorius absichtliche Tötung vorwarf, hatte dieser während des gesamten Verfahrens beteuert, er habe hinter der Tür einen Einbrecher vermutet und seine Freundin aus Versehen erschossen.

In erster Instanz hatte Richterin Masipa den Sportler wegen fahrlässiger Tötung zu fünf Jahren Haft verurteilt, doch ein Berufungsgericht wandelte das Urteil im Dezember 2015 in "murder" um - ein Straftatbestand, der etwa dem deutschen Totschlag entspricht. Die Richterin musste deshalb ein neues Strafmaß festlegen - und blieb mit sechs Jahren deutlich unter der gesetzlich festgelegten Mindeststrafe von 15 Jahren.

Die mildernden Umstände

Pistorius hatte sich während der jüngsten Anhörung nicht geäußert. Ein psychologischer Gutachter hatte vor Gericht erklärt, er leide unter schweren Depressionen und posttraumatischem Stress und könne deshalb nicht aussagen. Sein Verteidiger ließ ihn aber vor der Richterbank auf seinen Stümpfen auf- und abgehen, um zu zeigen, wie hilflos der Sportler ohne seine Prothesen sei - ein zentrales Argument der Verteidigung, denn Pistorius soll auch in der Tatnacht keine Prothesen getragen haben. Er sei durch die Geräusche im Badezimmer in Panik geraten und habe in seiner Angst vier Schüsse abgegeben, ohne zu bemerken, dass seine Freundin gar nicht neben ihm lag.

Prozess Pistorius zeigt seine "Verwundbarkeit" Video
Südafrika

Pistorius zeigt seine "Verwundbarkeit"

Der Ex-Sprinter erschoss seine Freundin Reeva Steenkamp. Nun geht es erneut um das Strafmaß, Pistorius läuft dafür im Gerichtssaal ohne Prothesen.   Von Tobias Zick

Richterin Masipa folgte der Linie der Verteidigung und begründete ihr Urteil mit den mildernden Umständen, die bei Pistorius vorliegen würden: seine Behinderung, sein mentaler Zustand und auch seine Reue, die er im Gericht unter Beweis gestellt habe, als er sich bei der Familie von Reeva Steenkamp entschuldigte.