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Suche nach MH370:Wie geht es weiter, wenn das Wrackteil von MH370 stammt?

Am Donnerstagmittag hatten Medien auf La Réunion gemeldet, dass am gleichen Strand auch Überreste einer Reisetasche angeschwemmt worden seien. Ob ein Zusammenhang mit dem gefundenen Wrackteil besteht, ist bislang unklar.

Wie es danach weitergehen könnte

Experten halten es für plausibel, dass das Wrackteil angesichts der Strömungsverhältnisse im Indischen Ozean bis zur Insel La Réunion treiben konnte. Seine Reise könnte mithilfe von Satellitenaufnahmen der Strömungen und durch Simulationen zurückverfolgt werden. Auf diese Weise wäre es möglich, die Zone der wahrscheinlichen Absturzstelle zu ermitteln. Allerdings könnte diese Zone Experten zufolge weitläufig sein, weil die Strömungen turbulent verlaufen.

An der bisherigen Suche unter der Leitung Australiens waren ein Dutzend Länder mit Schiffen und Aufklärungsflugzeugen beteiligt. 55 000 Quadratkilometer des Indischen Ozeans sind bereits abgesucht, der Suchkorridor wurde immer wieder verlegt - ohne Erfolg. Schon jetzt gilt die Suchaktion als die teuerste der Luftfahrtgeschichte. Wer die Kosten am Ende übernimmt, ist dabei noch unklar.

Sollte es sich bei dem Wrackteil tatsächlich um eine Flügelklappe handeln, wäre eine Bestimmung der Herkunft grundsätzlich möglich. Flugzeugkomponenten sind auch deshalb so teuer, weil ihre Luftfahrttauglichkeit mit einem Zertifikat nachgewiesen werden muss. Derartige Baukomponenten müssen über eine Typnummer lückenlos bis zum Hersteller nachverfolgbar sein. Das gilt auch für alle Ersatzteile, die bei Wartungs- und Reparaturarbeiten eingebaut werden. Zwar könnte auch eine andere Maschine eine Flügelklappe verloren haben, diesen Verlust hätte eine Fluglinie allerdings anzeigen müssen. Für die Region ist kein entsprechender Hinweis bekannt.

Hintergrund: das mysteriöse Verschwinden von MH370

Am späten Abend des 8. März 2014 besteigen 227 Passagiere aus 14 Ländern und zwölf Crew-Mitglieder in Kuala Lumpur die Boeing der Malaysia Airlines. Ziel des sechsstündigen Nachtfluges ist Peking. Doch die Machine wird dort nie ankommen. Um 0.41 Uhr Ortszeit (MEZ 17.41 Uhr) startet die Maschine planmäßig in Kuala Lumpur. Das Wetter ist nach Angaben des meteorologischen Dienstes Accu Weather gut, der Himmel nahezu wolkenlos. Die Maschine, eine Boeing 777, ist zwölf Jahre alt, der Flugzeugtyp gilt als sehr sicher.

Der letzte Funkkontakt

38 Minuten nach dem Start um 1.19 Uhr haben malaysische Fluglotsen zum letzten Mal Kontakt zum Cockpit. Die Besatzung bestätigt einen letzten Funkspruch, mit dem die Flugsicherung von Kuala Lumpur sich ausklinkt und MH370 an die vietnamesischen Kollegen in Ho-Chi-Minh-Stadt übergibt. Die Piloten verabschieden sich formal mit den Worten: "Good Night, Malaysia Three Seven Zero". Zu diesem Zeitpunkt gibt es keine Hinweise auf Probleme. Gegen 1.30 Uhr bricht der Funkkontakt zum Flugzeug ab, die Maschine verschwindet plötzlich vom Sekundärradar. Der Transponder an Bord, der Funkwellen von einer Bodenstation empfängt und Signale zurücksendet, muss zu diesem Zeitpunkt ausgeschaltet worden sein. Als sicher gilt, dass die Maschine bis zum Abbruch des Funkkontakts auf Autopilot geflogen ist.

Plötzliche Kursänderung

Die normale Route des Flugs MH370 geht zunächst in Richtung Nordosten über Vietnam bis zum südchinesischen Macau, von dort aus Richtung Norden bis nach Peking. Funkdaten ergeben aber, dass die Maschine kurz vor dem Eintritt in den vietnamesischen Luftraum abrupt ihren Kurs ändert. Sie weicht aus bis heute ungeklärten Gründen von der ursprünglichen Route ab und fliegt erst nach Westen, dann nach Süden. Satellitenauswertungen ergeben später, dass das Flugzeug noch etwa sieben Stunden weiterfliegt. Experten vermuten die Absturzstelle daher im Indischen Ozean knapp 2000 Kilometer westlich von Perth an der australischen Westküste. Genaue Richtung und Geschwindigkeit der Maschine sind jedoch bis heute nicht bekannt.

Letzte Ortung

Ihre letzte Position wird über dem Ozean auf halber Strecke zwischen Malaysia und Vietnam geortet. Aus dem Cockpit wird zu keinem Zeitpunkt ein Notsignal abgegeben. Das malaysische Militär hat etwa 45 Minuten nach dem letzten Funkkontakt eine Maschine über der nördlichen Straße von Malakka westlich von Malaysia auf dem Radar geortet. Das Areal liegt Hunderte Kilometer von der letzten Ortungsstelle im Nordosten von Malaysia entfernt.

Diese Spekulationen gibt es

Angesichts der Tatsache, dass es bislang weder Trümmer noch Daten gab, die Spezialisten bei MH370 auswerten konnten, geistern Dutzende Theorien durch die Branche. Ein technischer Defekt gilt bei den meisten, die sich mit Absturztheorien befasst haben, als eher unwahrscheinlich - das Flugzeug ist schließlich noch mehrere Stunden weitergeflogen, dies beweisen die Triebwerksdaten, die über Satelliten noch so lange zu empfangen waren. Als wahrscheinlich gilt vielen daher irgendeine Form der Sabotage oder Entführung.

Ein Jahr nach dem Verschwinden der Maschine erklärte die malaysische Regierung die 239 Insassen offiziell für tot.

Linktipp: Die New York Times hat umfassendes Kartenmaterial zum verschwundenen Flug MH370 zusammengestellt.

Mit Material von dpa

© SZ.de/jana/feko/dd/jobr
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