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Suche nach MH370:Angebliches Wrackteil löst Irritationen aus

Am Strand von La Réunion ist ein weiteres Metallteil gefunden worden - möglicherweise stammt es von einem Flugzeug.

(Foto: AFP)
  • Auf der Insel La Réunion im Indischen Ozean wurde Medienberichten zufolge ein weiteres Metallteil gefunden, das zu der verschwundenen Maschine gehören könnte.
  • In der vergangenen Woche war dort bereits ein Trümmerteil gefunden worden.
  • Der malaysische Verkehrsminister erklärte, das Fundstück sei als Teil einer Boeing 777 identifiziert worden.
  • Derzeit wird nur ein Flugzeug dieses Typs vermisst: Malaysia-Airlines Flug MH370.

Medienberichte: Zweites Wrackteil auf La Réunion angeschwemmt

Klärt sich nun das Schicksal von MH370? Auf La Réunion im Indischen Ozean ist möglicherweise ein zweites Flugzeug-Wrackteil gefunden worden. Das melden die britischen Medien BBC und Sky News. Eine offizielle Bestätigung für den Fund gibt es bislang nicht.

Sky News berichtet, das Teil stamme aus dem Inneren einer Maschine. Auf Fotos ist ein stark verbogenes Metallobjekt mit einem bräunlichen Griff zu sehen. Es sind eingestanzte Symbole zu erkennen, möglicherweise handle es sich um chinesische oder malaysische Schriftzeichen, so Sky News. Es könnte sich um eine Flügelklappe handeln. Das Fundstück wurde von der örtlichen Polizei in einer etwa 30 Zentimeter langen Kiste abtransportiert.

Am Strand von La Réunion wurde ein weiteres Metallteil gefunden. Möglicherweise stammt es ebenfalls von einem Flugzeug.

(Foto: AFP)

Vorsichtiger bewertet das Inselmedium Le Journal de l'île de la Réunion den Fund: Es gebe keinen Hinweis darauf, dass das sichergestellte Metallstück in Verbindung zum Wrackteil stehe, das in der vergangenen Woche angeschwemmt worden war. Der Chef der malaysischen Luftfahrtbehörde schloss aus, dass der neuerliche Fund etwas mit Flug MH370 zu tun hat. "Ich habe das bei der Zivilen Luftfahrtbehörde und mit den Leuten in Réunion geprüft; es ist nur eine Haushaltsleiter", erklärte er.

Der Fundort ist demzufolge ein Strand nahe der Hauptstadt Saint-Denis im Norden der Insel. Das erste Wrackteil war östlicher, in Saint-André angeschwemmt worden.

Mittlerweile scheint auch klar, von was für einer Maschine es stammt: Der malaysische Verkehrsminister erklärte, es sei als Teil einer Boeing 777 identifiziert worden. Derzeit wird nur eine einzige Maschine dieses Typs vermisst: Malaysia Airlines MH370. Von dem Flug fehlt seit März 2014 jede Spur. Das zwei Meter lange Trümmerteil wurde zur weiteren Untersuchung ins südfranzösische Toulouse gebracht.

Wie das Trümmerteil nach Frankreich kam

Das erste Wrackteil war am Samstag um 6.17 Uhr in einer Maschine aus La Réunion auf dem Pariser Flughafen Orly gelandet. Das in einer Kiste verpackte Teil wurde mit einer Polizeieskorte zur Analyse in ein Technikzentrum der Rüstungsbehörde DGA in Balma, nahe der südfranzösischen Stadt Toulouse, gebracht. Wie die französische Nachrichtenagentur AFP berichtete, traf das zwei Meter lange Trümmerteil gegen 17.30 Uhr im Labor ein.

Die Experten in Balma arbeiten im Auftrag der französischen Justiz, die im vergangenen Jahr ein Ermittlungsverfahren zum Fall MH370 eröffnet hatte. Unter den 239 Menschen an Bord waren vier Franzosen. Bereits am Mittwoch sollen die Spezialisten mit der Untersuchung Wrackteils beginnen.

Was die Experten herausfinden wollen

An dem Wrackteil wurde die aufgedruckte Markierung "657-BB" gefunden. Das Flugzeugteil ist mit Muscheln bedeckt, was dafür sprechen könnte, dass es sich länger im Wasser befunden hat. Meeresbiologen sollen nun das Alter der Muscheln überprüfen und damit feststellen, ob es knapp 17 Monate im Meer getrieben haben könnte.

Bei dem Trümmerteil soll es sich nach Expertenangaben um ein "Flaperon" genanntes Bauteil einer Boeing 777 handeln. Dieses Steuerruder befindet sich zwischen den größeren Landeklappen am hinteren Teil des Flügels und ist in der Regel leicht und schwimmfähig. Der Zustand des gefundenen Steuerruders kann erste Hinweise darauf geben, ob das dazugehörige Flugzeug in der Luft auseinandergebrochen oder erst beim Aufprall auf die Wasseroberfläche beschädigt worden ist. Fotos des Wrackteils lassen vermuten, dass es offenbar in der Luft abgerissen wurde.

Nach dem Fund des Flaperons hatte es von Seiten lokaler Behörden geheißen, dass drei weitere in der Region um La Réunion abgestürzte Passagiermaschinen als Ursprung des Wrackteils infrage kämen. Doch auf keine dieser Maschinen würde die Bauteilnummer passen. Weltweit gilt nur eine einzige Boeing 777 als verschollen: MH370.

Wie geht es weiter, wenn das Wrackteil von MH370 stammt?

Am Donnerstagmittag hatten Medien auf La Réunion gemeldet, dass am gleichen Strand auch Überreste einer Reisetasche angeschwemmt worden seien. Ob ein Zusammenhang mit dem gefundenen Wrackteil besteht, ist bislang unklar.

Wie es danach weitergehen könnte

Experten halten es für plausibel, dass das Wrackteil angesichts der Strömungsverhältnisse im Indischen Ozean bis zur Insel La Réunion treiben konnte. Seine Reise könnte mithilfe von Satellitenaufnahmen der Strömungen und durch Simulationen zurückverfolgt werden. Auf diese Weise wäre es möglich, die Zone der wahrscheinlichen Absturzstelle zu ermitteln. Allerdings könnte diese Zone Experten zufolge weitläufig sein, weil die Strömungen turbulent verlaufen.

An der bisherigen Suche unter der Leitung Australiens waren ein Dutzend Länder mit Schiffen und Aufklärungsflugzeugen beteiligt. 55 000 Quadratkilometer des Indischen Ozeans sind bereits abgesucht, der Suchkorridor wurde immer wieder verlegt - ohne Erfolg. Schon jetzt gilt die Suchaktion als die teuerste der Luftfahrtgeschichte. Wer die Kosten am Ende übernimmt, ist dabei noch unklar.

Sollte es sich bei dem Wrackteil tatsächlich um eine Flügelklappe handeln, wäre eine Bestimmung der Herkunft grundsätzlich möglich. Flugzeugkomponenten sind auch deshalb so teuer, weil ihre Luftfahrttauglichkeit mit einem Zertifikat nachgewiesen werden muss. Derartige Baukomponenten müssen über eine Typnummer lückenlos bis zum Hersteller nachverfolgbar sein. Das gilt auch für alle Ersatzteile, die bei Wartungs- und Reparaturarbeiten eingebaut werden. Zwar könnte auch eine andere Maschine eine Flügelklappe verloren haben, diesen Verlust hätte eine Fluglinie allerdings anzeigen müssen. Für die Region ist kein entsprechender Hinweis bekannt.

Hintergrund: das mysteriöse Verschwinden von MH370

Am späten Abend des 8. März 2014 besteigen 227 Passagiere aus 14 Ländern und zwölf Crew-Mitglieder in Kuala Lumpur die Boeing der Malaysia Airlines. Ziel des sechsstündigen Nachtfluges ist Peking. Doch die Machine wird dort nie ankommen. Um 0.41 Uhr Ortszeit (MEZ 17.41 Uhr) startet die Maschine planmäßig in Kuala Lumpur. Das Wetter ist nach Angaben des meteorologischen Dienstes Accu Weather gut, der Himmel nahezu wolkenlos. Die Maschine, eine Boeing 777, ist zwölf Jahre alt, der Flugzeugtyp gilt als sehr sicher.

Der letzte Funkkontakt

38 Minuten nach dem Start um 1.19 Uhr haben malaysische Fluglotsen zum letzten Mal Kontakt zum Cockpit. Die Besatzung bestätigt einen letzten Funkspruch, mit dem die Flugsicherung von Kuala Lumpur sich ausklinkt und MH370 an die vietnamesischen Kollegen in Ho-Chi-Minh-Stadt übergibt. Die Piloten verabschieden sich formal mit den Worten: "Good Night, Malaysia Three Seven Zero". Zu diesem Zeitpunkt gibt es keine Hinweise auf Probleme. Gegen 1.30 Uhr bricht der Funkkontakt zum Flugzeug ab, die Maschine verschwindet plötzlich vom Sekundärradar. Der Transponder an Bord, der Funkwellen von einer Bodenstation empfängt und Signale zurücksendet, muss zu diesem Zeitpunkt ausgeschaltet worden sein. Als sicher gilt, dass die Maschine bis zum Abbruch des Funkkontakts auf Autopilot geflogen ist.

Plötzliche Kursänderung

Die normale Route des Flugs MH370 geht zunächst in Richtung Nordosten über Vietnam bis zum südchinesischen Macau, von dort aus Richtung Norden bis nach Peking. Funkdaten ergeben aber, dass die Maschine kurz vor dem Eintritt in den vietnamesischen Luftraum abrupt ihren Kurs ändert. Sie weicht aus bis heute ungeklärten Gründen von der ursprünglichen Route ab und fliegt erst nach Westen, dann nach Süden. Satellitenauswertungen ergeben später, dass das Flugzeug noch etwa sieben Stunden weiterfliegt. Experten vermuten die Absturzstelle daher im Indischen Ozean knapp 2000 Kilometer westlich von Perth an der australischen Westküste. Genaue Richtung und Geschwindigkeit der Maschine sind jedoch bis heute nicht bekannt.

Letzte Ortung

Ihre letzte Position wird über dem Ozean auf halber Strecke zwischen Malaysia und Vietnam geortet. Aus dem Cockpit wird zu keinem Zeitpunkt ein Notsignal abgegeben. Das malaysische Militär hat etwa 45 Minuten nach dem letzten Funkkontakt eine Maschine über der nördlichen Straße von Malakka westlich von Malaysia auf dem Radar geortet. Das Areal liegt Hunderte Kilometer von der letzten Ortungsstelle im Nordosten von Malaysia entfernt.

Diese Spekulationen gibt es

Angesichts der Tatsache, dass es bislang weder Trümmer noch Daten gab, die Spezialisten bei MH370 auswerten konnten, geistern Dutzende Theorien durch die Branche. Ein technischer Defekt gilt bei den meisten, die sich mit Absturztheorien befasst haben, als eher unwahrscheinlich - das Flugzeug ist schließlich noch mehrere Stunden weitergeflogen, dies beweisen die Triebwerksdaten, die über Satelliten noch so lange zu empfangen waren. Als wahrscheinlich gilt vielen daher irgendeine Form der Sabotage oder Entführung.

Ein Jahr nach dem Verschwinden der Maschine erklärte die malaysische Regierung die 239 Insassen offiziell für tot.

Linktipp: Die New York Times hat umfassendes Kartenmaterial zum verschwundenen Flug MH370 zusammengestellt.

Mit Material von dpa

© SZ.de/jana/feko/dd/jobr
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